Ein Arzt trägt ein Stethoskop um den Hals. (Foto: picture alliance / Rolf Vennenbernd/dpa)

Kritik an Prüfung ausländischer Ärzte

Nelly Theobald / Onlinefassung: Kasia Hummel   29.05.2019 | 16:54 Uhr

Der Chefarzt für Innere Medizin am Klinikum Saarbrücken, Professor Daniel Grandt, kritisiert die Prüfung ausländischer Ärzte. Sie sei nicht geeignet, um Kenntnisse und praktische Fertigkeiten von Ärzten aus Drittstaaten tatsächlich festzustellen. Dadurch sei die Patientensicherheit in Gefahr.

Im März trudelte ein Brief bei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ein. Auch die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachman (CDU) und der Chef der Bundesärztekammer, Professor Frank Ulrich Montgomery, haben ihn bekommen. Im Betreff die drastischen Worte: Gefährdung der Patientensicherheit durch unzureichende Prüfung der Kenntnisse und praktischen Fähigkeiten von Ärzten aus Drittstaaten, also Staaten außerhalb der europäischen Union.

Video [aktueller bericht, 29.05.2019, Länge: 4:12 Min.]
Kritik an mangelhafter Ärzte-Prüfung

Verfasst hat ihn Professor Daniel Grandt, Chefarzt für Innere Medizin am Klinikum Saarbrücken: "Es ist verwunderlich und unter den Aspekten der Qualitätssicherung ärztlicher Behandlung in Deutschland und der Patientensicherheit inakzeptabel, dass die Erteilung der Approbation für Ärzte aus Drittstaaten ohne adäquate Prüfung dieser Kenntnisse und Fertigkeiten erfolgt", heißt es in dem Schreiben.

Kritik an Prüfung ausländischer Ärzte

Chefarzt beklagt mangelhafte Ärzteausbildung
Audio [SR 3, (c) Nelly Theobald, 29.05.2019, Länge: 03:00 Min.]
Chefarzt beklagt mangelhafte Ärzteausbildung

Medizinstudenten müssen in Deutschland am Ende ihres Studiums beweisen, dass sie in der Lage sind, eigenverantwortlich Patienten zu betreuen. „Das bedeutet, wir prüfen sie drei Tage lang theoretisch, wir prüfen sie praktisch am Krankenbett und wir prüfen sie mündlich“, erklärt Grandt. Zusammen seien das fünf Prüfungstage mit insgesamt 17 Stunden Prüfungszeit. „Das gleiche Wissen versuchen wir bei den Ärzten, die aus Drittländern zu uns kommen, innerhalb eines 60-minütigen Gesprächs abzuprüfen. Das ist schlicht unmöglich.“

Eine Antwort auf seinen Brief hat Grandt bis jetzt nicht erhalten. Dabei ist die Meinung des Chefarztes keine Einzelmeinung. Schon der letzte Deutsche Ärztetag forderte den Gesetzgeber auf, bundesweit einheitliche Regeln zu schaffen.

Rheinland-Pfalz schlägt vor, dass ausländische Ärzte ebenfalls die Prüfung von Medizinstudenten in Deutschland absolvieren und anschließend ein praktisches Jahr durchlaufen – auch ein Chefarzt aus einem Nicht-EU-Land, der seit 30 Jahren dort behandelt.

Auch Ärztekammer sieht Handlungsbedarf

Auch die saarländische Ärztekammer sieht Handlungsbedarf. Und das obwohl ihren Angaben zufolge keine Beschwerden von Patienten bezüglich der Qualifikation ausländischer Ärzte vorliegen würden. Es sei eine Expertengruppe eingerichtet worden. Sie soll unter Federführung der Ärztekammer medizinische Wissensinhalte festlegen, die von ausländischen Prüfungskandidaten beherrscht werden sollen.

Der Saarbrücker Chefarzt Grandt sagt auch, dass es Top-Ärzte aus dem Ausland in Deutschland gebe. „Es gibt kein grundsätzliches Problem mit der Qualifikation der Ärzte aus diesen Drittstaaten. Im Gegenteil: Wir haben selbst in der Abteilung hochqulifizierte Ärzte, die einen wichtigen Beitrag zur Patientenversorgung leisten. Aber es gibt ein Problem mit der Prüfung für diese Ärzte.“

Artikel mit anderen teilen