Schriftzug: Bündnis 90 Die Grünen, Landesverband Saarland (Foto: Imago/BeckerBredel)

Wen wählen die saarländischen Grünen-Wähler?

Roswitha Böhm   23.09.2021 | 15:34 Uhr

Bei der Bundestagswahl sind die Grünen im Saarland nicht per Zweitstimme wählbar. Wer sein Kreuz gerne bei Grün gemacht hätte, muss sich Alternativen suchen. Das könnte vor allem der SPD zugutekommen, erwartet ein Politikwissenschaftler.

Nachdem die Landesliste der Grünen nicht für die Bundestagswahl zugelassen wurde, stehen Grünen-Wählerinnen und -Wähler vor der Frage: Wo mache ich am Sonntag mein Kreuz? Politikwissenschaftler Dirk van den Boom sieht drei realistische Möglichkeiten.

Video [aktueller bericht, 23.09.2021, Länge: 2:54 Min.]
Was machen die saarländischen Grünen-Wähler?

Profitiert die SPD?

„Ein Großteil wird mit großer Wahrscheinlichkeit sozialdemokratisch wählen. Allein um einer gewissen generellen Präferenz Ausdruck zu geben, was die politische Richtung angeht“, sagte van den Boom dem SR. Er geht aber auch davon aus, dass ein kleinerer Teil der potenziellen Grünen-Wähler so enttäuscht sein könnte, dass er gar nicht zur Wahl geht - „also eine richtige Frustreaktion“, so der Politikwissenschaftler.

Kleine Parteien als Alternative

Außerdem gebe es im Saarland drei kleine Parteien, die sich aktiv um die Anhängerinnen und Anhänger der Grünen bemühten: „Die Tierschutzpartei, die konservativere Variante ÖDP, und die europäische Partei Volt, die personifizierte Ampelkoalition“, so van den Boom.

Grünen-Wähler wollen Regierungswechsel

Auch wenn Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet bei seinem Wahlkampfauftritt in St. Wendel um die saarländischen Grünen-Wähler geworben hat, hält van den Boom es für unwahrscheinlich, dass sie ihr Kreuz bei der CDU machen werden.

Wen wählen die saarländischen Grünen-Wähler?
Audio [SR 3, Carolin Dylla, 23.09.2021, Länge: 03:04 Min.]
Wen wählen die saarländischen Grünen-Wähler?

„Die allermeisten Grünen-Wähler wollen einen Regierungswechsel. Sie wollen gerade einen Kanzler Laschet eher verhindern.“ Viele von ihnen präferierten eine rot-rot-grüne Koalition und wenn die nicht zustande käme eine Ampel-Koalition. Gerade was das Thema Klimawandel angeht, glaubt Politologe van den Boom nicht, dass Laschet den Grünen-Wählern ein Angebot machen könne, das sie überzeuge.

Wären die Saar-Grünen mit einer Landesliste zur Bundestagswahl angetreten, hätten sie im Saarland zwischen sieben und zehn Prozent der Stimmen holen können, schätzt van den Boom. Ein oder mit sehr viel Glück zwei Listenmandate hätten sie so bekommen können. Für das Ergebnis auf Bundesebene sei der Verlust laut van den Boom damit sehr überschaubar.

Keine Wahlempfehlung vom Bundesvorstand

Eine Empfehlung, für welche andere Partei potenzielle Grünen-Wähler im Saarland mit ihrer Zweistimme votieren sollen, hat der Bundesvorstand der Partei nicht abgegeben. „Für Menschen, die im Saarland mit beiden Stimmen gerne Grüne gewählt hätten und dies nun nicht können, ist das natürlich bitter“, so der politische Geschäftsführer der Grünen, Michael Kellner.

Er rät lediglich dazu, wählen zu gehen und demokratisch abzustimmen.

Über dieses Thema berichtete die Region auf SR 3 Saarlandwelle am 23.09.2021.

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