Thomas Lutze (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Linke: Lutze und seine Listen-Dramen

Caroline Uhl  

Es rangiert wieder Thomas Lutze vorne auf der saarländischen Landesliste der Linken zur Bundestagswahl. Bis das endgültig feststand, wusch die Partei aber – mal wieder – jede Menge schmutzige Wäsche. Um ein Haar wäre die Landesliste gar nicht zugelassen worden. Für Lutze sollten die Zeichen nun auf Wahlkampf stehen: Ein zweistelliges Ergebnis hat er sich vorgenommen.

Es ist wie vor vier Jahren: Der Spitzenkandidat für die Linke zur Bundestagswahl heißt Thomas Lutze. Ebenfalls wie vor vier Jahren: der Streit um die Listenaufstellung. 2013 musste zwei Mal gewählt werden, weil es im ersten Durchgang zu Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung gekommen war. Im zweiten Anlauf setzte sich Lutze durch.

SR 1 - Im Fahrstuhl mit ... Thomas Lutze (Die Linke)
Video [SR 1, (c) SR 1, 06.09.2017, Länge: 03:48 Min.]
SR 1 - Im Fahrstuhl mit ... Thomas Lutze (Die Linke)

In diesem Jahr ging es um einen bis vor Gericht getragenen Streit um den Wahlvorgang zur Listenaufstellung an sich: Einzelne Linke erhoben den Vorwurf, das Lutze-Lager habe die Wahl manipuliert. Am Ende stand Aussage gegen Aussage – der Landeswahlausschuss winkte die Liste durch, wenn auch unter Bauchgrimmen der Wahlleiterin. So steht also Lutze wieder vorne und die Linke im Bundestagswahlkampf steht wieder als zerstrittener Haufen da.

Zum dritten Mal in Folge

Das wird es dem Zwei-Meter-Mann aus Saarbrücken nicht leichter machen, ein gutes Ergebnis einzufahren. "An der Saar soll es wieder zweistellig werden", so die Marschroute des Spitzenkandidaten, der 2009 erstmals in den Bundestag eingezogen war. 2013 hatte die Linke 10,0 Prozent der Zweitstimmen im Saarland bekommen. Im Vergleich zu den deutschlandweiten Zahlen ( 8,6 Prozent) ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis. Im Vergleich zum Linken-Überfliegerjahr 2009 war das aber ein bitterer Verlust. Damals hatte es an der Saar 21,2 Prozent gegeben (deutschlandweit: 11,9 Prozent).

Der in Elsterwerda geboren und in Leipzig aufgewachsene Lutze kam 1991 nach Saarbrücken. Drei Jahre später trat er in die im Saarland noch mitgliederschwache PDS ein. Sieben Jahre lang arbeitete der gelernte Maschinenbauer und Bürokaufmann im Regionalbüro der PDS-Bundestagsfraktion. Ab 2005 – PDS und WASG hatten ein Wahlbündnis geschlossen – wurde Lutze Wahlkreismitarbeiter Oskar Lafontaines in Saarlouis.

Linker Realpolitiker

Lutze, dessen sächsische Herkunft in seiner Rede auch nach über 20 Jahren im Saarland noch immer durchklingt, ist so etwas wie ein linker Realpolitiker. Eine Regierungsbeteiligung in einem rot-rot-grünen Bündnis schließt der 48-Jährige ausdrücklich nicht aus. Antimilitarismus heißt für ihn nicht zwangsläufig absoluter Pazifismus. Auslandseinsätze der Bundeswehr und Waffenexporte in unsicherer Regionen lehnt er allerdings, wie seine ganze Partei, kategorisch ab. Auf Parteilinie ist er beispielsweise auch mit seiner aufgeschlossenen Haltung zu mehr direkter Demokratie und den Forderungen nach höheren Renten und einem höheren Spitzensteuersatz.

Als Bundestagsabgeordneter war Lutze zuletzt Obmann seiner Fraktion im Ausschuss für Wirtschaft und Energie und im Tourismusausschuss, außerdem ordentliches Mitglied im Verkehrsausschuss. Mehr betriebliche Mitbestimmung und die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe sieht er als Schwerpunkte seiner Arbeit.

Ganz aktuell sollte der Schwerpunkt aber vor allem auf dem Wahlkampf liegen: mindestens 10,0 Prozent. Das Ziel steht.

Artikel mit anderen teilen