Peter Altmaier (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

CDU: Wenn's wichtig wird, kommt Altmaier

Caroline Uhl  

Kaum einer ist so nah dran an der Bundeskanzlerin wie Peter Altmaier. Im politischen Berlin einst als einer der jungen Aufrührer gestartet, zählt er heute zu den bedeutendsten Ministern im Kabinett. Bei der Bundestagswahl will der Jurist und ausgewiesene Europa-Experte zum dritten Mal in Folge den Wahlkreis Saarlouis gewinnen. Doch es gibt Konkurrenz, ausgerechnet von einem Kabinettskollegen.

Ende der 90er Jahre gehörte Peter Altmaier zum Kreis der "Jungen Wilden" in der CDU: klug, ambitioniert und nie um ein innerparteiliches Scharmützel verlegen. Er war auch Teil der "Pizza Connection" und spann mit an Visionen für ein schwarz-grünes Bündnis. Im Laufe der Jahre wurden die Zuschreibungen für den Saarländer nicht weniger bunt: Als parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium war Altmaier ab 2005 Teil von "Merkels Boygroup".

Mittlerweile ist er wahlweise "die Allzweckwaffe" der Kanzlerin ("Spiegel"), der "Strippenzieher an den Schnittstellen der Macht" ("Deutsche Welle") oder ein "wandelnder Vermittlungsausschuss" ("Augsburger Allgemeine"). Diese Prädikate hat sich Peter Altmaier verdient mit ungebremstem Fleiß, unerschütterlicher Loyalität zu Angela Merkel und seinem kommunikativen und verhandlerischen Geschick.

Merkels Binnen-Diplomat

SR 1 - Im Fahrstuhl mit ... Peter Altmaier (CDU)
Video [SR 1, (c) SR 1, 06.09.2017, Länge: 05:24 Min.]
SR 1 - Im Fahrstuhl mit ... Peter Altmaier (CDU)

2012, 14 Monate nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima, überraschend als Nachfolger von Norbert Röttgen zum Umweltminister ernannt, waren gleich Energiewende und Atomausstieg die ersten dicken Bretter, die Altmaier im Ministerrang zu bohren hatte. Seit 2013 ist er Kanzleramtschef und Minister für besondere Aufgaben und als solcher der Berliner Binnen-Diplomat. "Koalitionsmanager" nennt er sich selbst. Er muss die Geheimdienste koordinieren, ebenso die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern und innerhalb der Bundesregierung. In der Öffentlichkeit erklärt und verteidigt er rege wie kein anderes Kabinettsmitglied die Politik der Kanzlerin.

Angela Merkel hält umgekehrt große Stücke auf den 59-Jährigen. Wenn es wichtig wird, muss Altmaier ran. Da war 2012 der Umweltminister-Posten, 2015 machte ihn die Kanzlerin zum Koordinator der Bundesregierung für Flüchtlingsfragen. Im diesem Frühjahr vertraute sie ihm das Wahlprogramm der Union für die Bundestagswahl an.

Staatsexamen mit Prädikat

Sein politisches Engagement begann der in Ensdorf geborene Sohn eines Bergmanns und einer Krankenschwester im Jugendalter. Zwei Jahre lang war er Landesvorsitzender der Jungen Union an der Saar, später wurde er CDU-Kreisvorsitzender in Saarlouis, noch immer ist er einer der stellvertretenden Landesvorsitzenden der Saar-CDU. Seit 1994 ist der Jurist, der beide Staatsexamen mit Prädikat abgelegt hatte, Mitglied des Bundestages, zuvor war er vier Jahre lang Beamter bei der Europäischen Kommission gewesen.

Bei der Bundestagswahl im September werden viele Altmaiers Abschneiden mit besonderem Interesse verfolgen. Als Direktkandidat im Wahlkreis Saarlouis tritt er gegen Bundesjustizminister und Saar-SPD-Chef Heiko Maas im direkten Wettstreit um die Erststimmen an. Bei den letzten beiden Wahlen hatte Altmaier seinen Wahlkreis gewonnen (2009: 37,5 Prozent der Erststimmen, 2013: 43,7), zuvor allerdings mehrfach gegen den SPD-Mann Ottmar Schreiner verloren.

Doch der Kampf ums Direktmandat ist ehedem nur ein Kampf um die Ehre. Als Nummer eins auf der Landesliste der Saar-CDU ist Altmaier der Wiedereinzug in den Bundestag sicher. Sollte es nach der Wahl zu einem vierten Kabinett Merkel kommen, rechnen Beobachter landauf, landab damit, dass Peter Altmaier auch wieder einer ihrer wichtigsten Männer wird.

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