Christian Wirth (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

AfD – Wirth im zweiten Anlauf Spitzenkandidat

Caroline Uhl  

Zwischen Berlin und Saarbrücken will Christian Wirth ab Herbst pendeln. Im zweiten Anlauf hatte die Saar-AfD den Rechtsanwalt zu ihrem Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gekürt – und damit einen Strich durch die Rechnung von Landeschef Dörr gemacht.

Er sei schon immer "ein politisch denkender Mensch" gewesen. Außerdem optimistisch, zukunftsorientiert, ungeduldig und ehrgeizig, das sagt Christian Wirth, Jahrgang 1963, über sich selbst. Ausdauer hat der in Neunkirchen geborene Rechtsanwalt auch schon bewiesen: Denn bis er oben an der Spitze der Landesliste der Saar-AfD zur Bundestagswahl stand, hat er einen längeren Atem gebraucht.

Beim Parteitag Ende April hatte die Partei eigentlich Michel Dörr, den Sohn von Landeschef Josef Dörr, zum Spitzenkandidaten gekürt. Doch weil der Parteitag nicht den Vorgaben des Bundeswahlgesetzes entsprach, musste die AfD nachsitzen. Es gab Anfang Juli eine Mitgliederversammlung und die brachte die Überraschung: Nicht Dörr-Sohn Michel, sondern den Dörr-Kritiker Wirth machten die Parteimitglieder zum Spitzenkandidaten.

Von Hetzerei distanziert

SR 1 - Im Fahrstuhl mit ... Christian Wirth (AfD)
Video [SR 1, (c) SR 1, 06.09.2017, Länge: 02:52 Min.]
SR 1 - Im Fahrstuhl mit ... Christian Wirth (AfD)

Die innerparteilichen Grabenkämpfe bezeichnete Wirth, der seit 2015 Mitglied der AfD ist, im SR-Hörfunk als entspannt als "Teil der innerparteilichen Demokratie". Sie sind aber nicht die einzigen Punkte, mit denen die Saar-AfD zuletzt negative Schlagzeilen fabrizierte: Zudem machten auch die hetzerischen Äußerungen zweier Parteifunktionärinnen die Runde.

Eine AfD-Politikerin aus dem Saarland sprach davon, der Islam sei "schlimmer als die Pest". Eine andere, ihrerseits Vorstandsmitglied der Partei, forderte via Facebook, Schlepperboote "samt Inhalt" zu versenken. Wirth distanzierte sich. Doch seine Forderung, die Schreiberin des Facebook-Posts solle von ihrem Vorstandsamt zurücktreten, verhallte.

Plan B steht

In Berlin will Wirth dafür werben, dass das Saarland in punkto Entschuldung mehr Unterstützung erhält. Außerdem, findet er, sei es an der Zeit, dass sich eine Bundesbehörde in der Region ansiedele. Sollte es mit dem Einzug in den Bundestag für ihn nicht klappen, so macht er sich keine Sorgen: Dann will er weiter als Anwalt arbeiten. Doch es sieht derzeit eher danach aus, dass Christian Wirth Bundestagsabgeordneter wird – und dann pendeln kann zwischen Berlin und Saarbrücken.

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