Symbolbild: Eine Sprechblase auf Karteikarten (Foto: unsplash/Volodymyr Hryshchenko, Farbkorrektur SR/Knöbber)

Saar-Französisch für Anfänger

Tabea Prünte   19.01.2023 | 11:56 Uhr

Wenn Saarländerinnen und Saarländer anfangen, loszuschwätzen, geraten manche Hochdeutsch-Sprechende an ihre Grenzen. Doch mit Französisch-Grundkenntnissen lässt sich einiges ableiten - schließlich hat der Nachbar hierzulande einigen Einfluss auch auf die Sprache gehabt.

Nach der Arbeit schnell die Jubbe ausziehen und auf die Scheeselong, erstmal dussmang machen, bevor die ganze Baggaasch nach Hause kommt und Uwwerasch macht - na mersi!

Saarländisch oder Französisch?

Was Nicht-Saarländerinnen und -Saarländern einige Fragezeichen ins Gesicht zeichnen dürfte, ist hierzulande ein Satz, den die meisten verstehen würden. Nicht nur in der Lebensart oder beim Essen zeigt sich der französische Einfluss - auch in der Sprache schlägt er sich nieder.

Und so denkt auch häufig der Rest der Bundesrepublik: Die Saarländerinnen und Saarländer können doch alle Französisch. Der Gedanke liegt für eine Grenzregion ja auch nah, schließlich pendeln nicht wenige für die Arbeit, zum Einkaufen oder zum Besuch von Freundinnen und Freunden ins Nachbarland.

Aber wird das Saarland in dieser Hinsicht seinem Ruf gerecht? Die Zahl der Schulkinder, die Französisch lernen geht zwar zurück. Trotzdem ist das Saarland noch bundesweiter Spitzenreiter mit rund jedem zweiten Schulkind, das die Sprache als Unterrichtsfach hat.

Video [aktueller bericht, 25.01.2023, Länge: 3:27 Min.]
Welche Ausdrücke im saarländischen Dialekt haben einen französischen Ursprung?

Saar-Französisch!

Die andere Hälfte lernt es eben als Mundart - als "Saar-Französisch". "Ich hann de Flemm" oder "Ich hann kalt" - beides lässt sich auf französische Wurzeln zurückführen: "J'ai froid", "ich habe kalt" statt "mir ist kalt". Man sieht: "Wir leben im französischen Grenzgebiet", schreibt die Facebook-Nutzerin Birgit Truar unter einen Beitrag, in dem wir nach Beispielen für solche Wörter gefragt haben.

"Bei meiner Oma war das Sofa eine 'Scheeselong' und der Regenschirm ein 'Parablee'". Der Nutzer Eric Schwär fügt noch ein Beispiel hinzu: "Denne doo werre isch schasse!" - 'den werde ich vertreiben' vom französischen Wort 'chasser'.

Unter den Facebook-Userinnen und Usern kommen einige Vorschläge für saarländische Wörter mit französischem Ursprung zusammen: "Troddwa" vom französischen "trottoir" für den Gehsteig, "Plümmo" vom französischen "plumeau" für das Federbett, "Aus der Lamäng" - aus der Hand von "la main" auf französisch.

60 Jahre nach der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags zeigt sich hier also noch immer eindeutig die geografische und historische Nähe der beiden Nachbarregionen - für viele Saarländerinnen und Saarländer auch im ganz alltäglichen Sprachgebrauch. Bleibt zum 60. Jahrestag der deutsch-französischen Freundschaft noch zu sagen: Mersi un' allé dann.


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