Hoffnung für den altersschwachen Saarkran?

Caroline Uhl   07.09.2017 | 06:30 Uhr

In die lange eingeschlafene Debatte um den von Verwitterung und Verfall bedrohten Saarkran kommt offenbar Bewegung. Die CDU-Stadtratsfraktion will das einst von Baumeister Stengel entworfene Denkmal zum Thema im Kulturausschuss machen. Der Vorsitzende des Landesdenkmalrats schlägt einen Kreativwettbewerb für das Monument am Ufer der Saar vor.

Er ist eine Erinnerung an blühende Zeiten, als Saarbrücken viel frequentierter Umschlagplatz für Waren war, die zwischen Holland und der Schweiz hin und her wechselten. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte die Saarbrücker Kaufmannschaft ihre "Krahnengesellschaft" gegründet und nach Plänen des Baumeisters Friedrich Joachim Stengel für 5000 Gulden ihren ersten Verladekran am Flussufer – heute unterhalb der Wilhelm-Heinrich-Brücke – bauen lassen. 1865, 103 Jahre nach Inbetriebnahme des ersten Verladekrans, setzte die "Krahnengesellschaft" ihrem Werkstück ein Ende. Sie ließ den Saarkran verschrotten, übrig blieb schließlich nur der Steinsockel.

Heute steht auf dem steinernen Original-Sockel ein hölzerner Nachbau des ersten Saarkrans. Doch auch um dessen Zukunft ist es nicht gut bestellt. "Der Kran wird vor sich hindämmern und irgendwann wird er abgerissen", prognostiziert der Saarbrücker Anzeigenblatt-Verleger Helmut Gebauer. Ihn enttäuscht diese Aussicht, denn zum Saarkran hat Gebauer ein besonderes Verhältnis. Ende der 80er Jahre gehörte er zu einem Kreis von Saarbrücker Unternehmern, die auf dem Sockel den heutigen Aufbau errichten ließen und den Kran so wieder deutlich sichtbar machten. Das Geld dafür kam von Spendern und von einem seit den 60er Jahren schlummernden "Kran-Konto".

Auf unbestimmte Zeit eingelagert

Doch Holz verwittert. Schon zehn Jahre nach der Einweihung des Nachbaus war dieser marode. Im Jahr 2000 wurde notrepariert und die politischen Gremien der Stadt entschieden: Alle weiteren Arbeiten am Kran werden nur noch aus Spenden gezahlt.

Diese Bedingung ist Status quo. Und deshalb fehlt dem Kran seit 2012 auch sein Ausleger samt dem ihm aufgesetzten goldenen Adler und dem herabhängenden Fass. Der Ausleger musste wegen Materialschäden aus Sicherheitsgründen weichen. Die für eine Sanierung notwendigen 80.000 Euro "stehen nicht zur Verfügung", teilt Stadtsprecher Thomas Blug mit. Metallteile, Adler und Fass lagern deshalb auf unbestimmte Zeit im ehemaligen Lehrschwimmbecken in Dudweiler-Herrensohr.

Kreative Kultur-Finanzierung

Zufrieden stimmt die Situation nicht, Gebauer nicht und manche Kulturpolitiker auch nicht. "Der Saarkran ist von historischem Interesse. Er sollte nicht so ohne weiteres dem Verfall preisgegeben werden", sagt die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Stadtratsfraktion, Elke Masurek. Gebauer und einige Mitstreiter aus dem alten Förderkreis wurden vor einem dreiviertel Jahr sogar wieder aktiv, wollten Geld sammeln für eine neuerliche Sanierung. Doch die Initiative scheiterte schnell. "Es wird nichts werden. 80.000 Euro kriegen wir nicht finanziert", sagt Gebauer. "Lieber lassen wir den Kran so da stehen, als dass wir anfangen zu arbeiten und dann steht er halb fertig da."

Masurek ihrerseits will den Saarkran wieder zum Thema im Rathaus machen. In seiner Oktober-Sitzung soll sich der Kulturausschuss des Stadtrats mit dem alten Stengel-Bauwerk befassen. Es gehe darum herauszufinden, mit welchen Möglichkeiten Geld für eine Sanierung zusammenkommen könnte: aus der Stadtkasse oder denkbar auch über einen Spendenaufruf und Sponsoring. "Auch Finanzierung muss kreativ sein in der Kultur", sagt Masurek.

Ein Wettbewerb fürs Denkmal

Kreativität im Bezug auf den Saarkran schlägt auch der Vorsitzende des Landesdenkmalrats, der Saarbrücker Architekt Henning Freese, vor. An der jetzigen Gestalt des Saarkrans hängt er nicht. "Es wäre zu überlegen, gibt es etwas anderes, wie man das Denkmal in Wert setzen kann", sagt Freese. Das eigentliche Denkmal sei ja der Steinsockel, auf diesem könnte etwas Neues, Kreatives im Sinne von Kran und Kaufmannschaft entstehen. Freese schlägt deshalb einen Wettbewerb unter Architekten und Ingenieuren vor.

Nur einen neuen Holzaufbau sieht Freese auf dem Kransockel nicht. Dessen Zukunft wäre vorgezeichnet: Er würde wittern. Und die Sorgen um den Saarkran würden von vorne beginnen.

Artikel mit anderen teilen