Die Nachbarn in Noswendel halten zusammen (Foto: Astrid Fox)

Ein ganzes Dorf sucht einen Hund

Felicitas Fehrer   13.08.2018 | 16:58 Uhr

Partystimmung, Lichter und ein riesiges Feuerwerk: Die Noswendeler lieben ihr alljährliches Lampionfest. Für eine Bewohnerin wurde das Fest dieses Jahr aber zum Horror. Doch die Nachbarn haben bewiesen, dass sie zusammenhalten, wenn's drauf ankommt.

Eigentlich war Astrid Fox immer eher ein Stadtmensch. In den Landkreis Merzig-Wadern zu ziehen, das war nicht ihre erste Wahl. Doch weil ihre Eltern dort eine Immobilie besaßen, hat es sie vor 19 Jahren nach Noswendel verschlagen. „Und das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens“, sagt sie. „Mit den Jahren haben wir hier in unserer Straße immer mehr Freunde gefunden. Heute sind wir Nachbarn hier die besten Freunde.“

"Mir halle sesamme!"

Dieser Beitrag ist der Auftakt zur Rubrik "Mir halle sesamme!" - eine Serie über Zusammenhalt unter Nachbarn im Saarland.

Mission Honey

Zu Astrids Familie gehört auch Honey, ein kleiner Hund. Der hat vor ein paar Wochen in Noswendel ganz schön für Aufruhr gesorgt.

Beim alljährlichen Lampionfest ist er aus Panik vor dem lauten Feuerwerk von zu Hause weggelaufen. Dann war die Angst groß. Denn es war bereits dunkel und Honey noch sehr jung. „Ich habe sofort meinen Whatsapp-Status aktualisiert, damit ich möglichst viel Unterstützung bei der Suche bekomme“, erzählt Astrid. Und davon bekam sie mehr als sie sich erträumt hatte.

Astrid Fox mit ihrem Hund Honey (Foto: Astrid Fox)
Astrid Fox mit ihrem Hund Honey

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht des vermissten Hundes im ganzen Ort und die befreundeten Nachbarn unterbrachen das Fest, um, mit Taschenlampen bewaffnet, den kleinen Hund im dunklen Wald zu suchen. Die Helfer waren weit über zehn Kilometer unterwegs. „Eine Nachbarin hielt bis zum Morgengrauen Wache in meinem Garten, für den Fall, dass Honey zurückkommt“, erzählt Astrid gerührt. Der Rest marschierte durch den Ort und rief nach der kleinen Fellnase. „Es sind sogar Leute in Latschen aus ihren Betten gekommen, um mir zu helfen. Ich bin heute noch zu Tränen gerührt.“

Hund Honey aus Noswendel (Foto: Astrid Fox)
Der kleine Ausreißer aus Noswendel

Die Suche hatte Erfolg: Der Vierbeiner ist wieder aufgetaucht. „Ich war so erleichtert“, erinnert sich Astrid. „Und so voller Dankbarkeit. Diese Aktion hat mir einmal mehr gezeigt, wie sehr die Menschen hier aufeinander Acht geben.“ Diese Hilfsbereitschaft sei außerordentlich, aber in diesem Ort absolut typisch. Aus Noswendel möchte Astrid nie wieder wegziehen.

Angesprochen statt beäugt werden

Als Astrid vor 19 Jahren nach Noswendel zog, wurde sie direkt in das Dorf integriert. „Jeder interessierte sich dafür, wer ich war. Ich wurde zu Festen eingeladen, mir wurden Getränke spendiert, ich wurde nicht beäugt, sondern angesprochen. Ich kannte das so gar nicht.“

Besonders in ihrem Wohngebiet stehe jeder für den anderen ein, egal was kommt. Auch habe sie beeindruckt, zu sehen, was das Dorf generell leistet. In Noswendel gibt es zahlreiche Bräuche und viele ortsansässige Vereine, die immer wieder Spendenaktionen und Veranstaltungen wie das „Open Dosen Festival“ auf die Beine stellen.

In eurem Heimatort halten die Nachbarn auch so toll zusammen? Dann schreibt uns eine Nachricht über unsere Facebookseite "SR.de".

Nachbarschaft im Saarland
"Wart, ich zieh mei Schaffbux an unn helf da, das do kann ma sich jo net angugge!" - Aussagen wie diese sind keine Seltenheit in manchen saarländischen Orten. SR.de erzählt Geschichten über Dörfer und Städte im Saarland, in denen die Nachbarn zusammenhalten wie eine große Familie.

Artikel mit anderen teilen