16 Tage bis Norwegen

Mit der Vespa aus Freisen ans Nordkap

3500 Kilometer pure Lebensfreude

Das Nordkap ist der nördlichste Zipfel, den man in Europa über die Straße erreichen kann. Dort oben im hohen Norden leben Elche und Rentiere, die Vegetation ist weitgehend karge Steppe. Es ist das Ziel für Klaus Altenhofers längste Tour – über 3500 Kilometer. Der Mann aus Freisen-Oberkirchen ist begeisterter Vespafahrer und hat sich im Sommer 2022 seinen lange gehegten Traum erfüllt: In 16 Tagen mit der Vespa von Freisen bis ans Nordkap. Auf seiner Reise hat er ganz besondere Begegnungen gehabt und konnte die norwegische Natur hautnah erleben.

Wenn er seine liebevoll eingerichtete Scheune mit automatischem Garagentor öffnet, kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Zuhause bei Klaus Altenhofer in Freisen stehen über 35 Vespas. Von den Vierzigern bis heute ist aus jedem Jahrzehnt mindestens ein Exemplar dabei – und jede der Vespas hat eine persönliche Geschichte.

Start und Vorbereitungen: Lieber Werkzeug statt Unterhose

Koffer packen kann oft sehr mühsam sein – besonders wenn man nicht viel Platz hat. Mit der Hilfe von seiner Frau Heidi packt Klaus Altenhofer die wichtigsten Sachen ein. Wetterfeste Kleidung, Medizin und Sonnenbrillen wandern in die Reisetasche des Vespa-Fans. Dabei geht er sehr pragmatisch vor. Seine Devise: Lieber Werkzeug statt Unterhose.

Klaus und die Vespa – eine Liebesgeschichte

Klaus Altenhofer auf seiner Vespa in der Garage (Foto: Felix Schneider/SR)

Der 66-Jährige sammelt die italienischen Kultroller seit über 20 Jahren. Alles fing auf dem Heimweg von der Arbeit an. Damals stand eine rote Vespa am Straßenrand – Klaus konnte nicht vorbeifahren ohne sie zu kaufen. Es war der Startschuss für eine unersättliche Leidenschaft. Klaus ist im Ort und darüber hinaus als „der Vespamann“ bekannt. Hat wer ein Problem oder sucht Beratung bei einem Kauf, Klaus hat immer ein offenes Ohr und hilft, wo er kann.

Doch Vespas sind für ihn nicht nur zum Herumstehen und Staub ansetzen da. Mit den Rollern will er Abenteuer erleben und besondere Erinnerungen sammeln. In jeder Saison macht er deshalb Touren quer durch Europa. Mal nach Frankreich, mal über die Schweizer Alpenpässe, mal nach Österreich.

Ein ganz außergewöhnliches Gefühl ist es, wenn die Vespa in ihre Heimat kommt – nach Italien. Den Brenner runter und Dolce Vita genießen. Schon einmal ging es mit der Vespa vom Saarland aus nach Rom. Auf seinen Touren erlebt er unfassbare Geschichten. Mal hatte Klaus eine Panne in Italien. Der Mann einer Kaffeebetreiberin bestand darauf, die Vespa unentgeltlich zu reparieren, während Klaus gemütlich einen Latte Macchiato schlürfte. Fast wie im Film.

Die Vespa ist für den Rentner sein Leben, und mit der Tour ans Nordkap erfüllt er sich den größten Traum überhaupt. Für Klaus war es ein unbeschreibliches Gefühl über die Grenze nach Norwegen zu fahren und auf halber Strecke in Trondheim anzukommen.

Hallo Norwegen - Der Blickfang in Trondheim!

Den ersten Meilenstein seiner Reise hat Klaus Altenhofer mit Freund Max geschafft. Beim Erkunden der Straßen von Trondheim bleiben die beiden Reisenden allerdings nicht lange allein. Schnell wird klar – Die Begeisterung zur Vespa verbindet Menschen auf der ganzen Welt.

Eine wirklich besondere Vespa

Klaus Altenhofer hat viele Schätze in seiner Vespa-Sammlung. Doch die Hoffmann-Vespa, Baujahr 53, mit der er sich auf den Weg ans Nordkap gemacht hat, ist für einen Sammler wie ihn ein besonders begehrter Schatz.

Die Firma Hoffmann-Werke Lintorf produzierte ursprünglich Fahrräder, später Motorräder und einen Kleinwagen. 1950 bekommt sie von dem italienischen Unternehmen Piaggio die Lizenz dafür, in Deutschlands Vespas zu produzieren. So stellt Hoffmann bis 1954 etwas mehr als 40.000 Vespas in Deutschland her. Das Problem: Hoffmann entwickelt die Vespa mit deutscher Gründlichkeit weiter, macht ihre Karosserie und ihren Motor robuster. Das führt zum Lizenzstreit mit Piaggio und nach wenigen Jahren wieder zum Aus für die Hoffmann-Vespa.

Die Vespa von Klaus Altenhofer steht in der Garage (Foto: Felix Schneider/SR)
Eine Detailaufnahme vom abgeplatzten Lack der Vespa von vorne (Foto: Felix Schneider/SR)

Aufgrund ihrer schönen Form und Zuverlässigkeit ist sie allerdings bis heute unter Sammlern begehrt. Leider haben nur wenige Hoffmann-Vespas die Jahrzehnte überlebt. Sie zu finden, gleicht der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen.

Klaus Altenhofer hat seine Hoffmann-Vespa vor zwei Jahren in Kaiserslautern einem Schrotthändler abgekauft. Ein Freund aus der Steiermark hatte die Kleinanzeige im Netz entdeckt und Klaus gebeten, die Vespa für ihn zu kaufen. Vor Ort erwartete Klaus Altenhofer dann nur eine Gitterbox mit Einzelteilen, aber keine Vespa. Doch er erkannte schnell, um was für einen Schatz es sich dabei handelte.

Die Vespa in Einzelteilen konnte er allerdings nur kaufen, wenn er noch einen Traktor, der daneben stand, mit kaufte. Es dauerte Tage, bis er den Verkäufer überzeugen konnte, ihm nur die Vespa zu verkaufen. Zu Hause baute er die Einzelteile zusammen, befreite sie von einem giftgrünen Lack und brachte sie wieder zum Laufen. Als ihr Motor das erste Mal tuckerte, war es für den Sammler und Schrauber Gänsehaut pur. Beim Schrauben verliebte er sich so sehr in die Hoffmann-Vespa, dass er am Ende seinen Freund in Österreich bat, ihm die Hoffmann-Vespa zu überlassen.

Die richtige Kleidung ist gefragt

Wer eine Reise nach Norwegen plant, sollte sich auf abwechslungsreiches Wetter vorbereiten. Klaus Altenhofer und sein Freund Max greifen bei der Kleiderwahl auf den altbewährten Zwiebellook zurück. So können die Vespa-Fahrer trotz Regen, Sonnenschein oder Kälte die Reise problemlos bestreiten.

Die Route

Das Teilstück der Route von Freisen bis Hirtshals (Foto: SR)

Wind, Regen und Kälte sind die größte Herausforderung für Klaus Altenhofer und seinen Freund Max Schleibinger auf ihrem Weg ans Nordkap. Am 4. Juli sind sie noch bei Sonnenschein in Freisen-Oberkirchen gestartet, aber spätestens in Norwegen müssen die beiden vom Sommer direkt auf Winter umschalten. Da ist trotz Zwiebellook und dicken Regenklamotten Ausdauer gefragt.

Durch den Hunsrück, den Westerwald, die Lüneburger Heide geht es kurz hinter Flensburg über die Grenze nach Dänemark und von dort aus weiter nach Norwegen.

In Norwegen führt sie ihr Weg größtenteils über die legendäre Europastraße E6. Sie ist mit mehr als 3000 Kilometern die längste durchgehende Straße in Skandinavien.

Die zum Teil schmale und kurvige Straße führt immer wieder durch atemberaubende und unberührte Natur: saftige Wiesen, breite Flüsse, urige Wälder, steile Felswände, tiefe Fjorde, rauschende Wasserfälle, schneebedeckte Berge und stille Weite.

Dazwischen riesige Brücken und kilometerlange Tunnel. Verkehrsschilder warnen vor Rentieren und Elchen.

Das Teilstück der Route in Norwegen von Honefoss bis zum Nordkap (Foto: SR)

Anstiege kämpfen sich die beiden mit 20 km/h hoch, um danach mit 70 km/h wieder herunter zu sausen. Mit einem Schnitt von 45 km/h nähern sie sich so Stück für Stück dem Nordkap.

Spätestens alle 100 Kilometer müssen sie tanken. 16 Tage fahren sie so von morgens bis abends nur von zu Hause weg. Für Klaus und Max ein ganz neues Erlebnis.

Neben dem Wetter sind vor allem die vielen Lkw auf der Strecke eine Herausforderung. Wenn die 40 Tonner an Klaus und Max vorbeidonnern, müssen sie sich auf ihren Vespas gut festhalten. Vor allem, wenn die Lkw ihnen entgegen kommen, haben sie das Gefühl, jemand schlägt ihnen ins Gesicht.  Überholen die Lkw sie, beschleunigen ihre Vespas, wie von einem Sog angezogen in Rekordzeit auf 80 km/h.

Trotz Panne kein Halten

Nach rund 2000 km macht die Vespa von Klaus Altenhofer schlapp. Doch die erste Panne der Norwegen-Tour bringt den leidenschaftlichen Schrauber nicht aus der Ruhe. Schnell findet er die Ursache für den notgedrungenen Halt: Der Vergaser der Vespa bekommt nicht genügend Benzin.

Auch der Vorbesitzer war schon im Norden

Ein spontaner Anruf lässt Klaus Altenhofers alten Traum wieder lebendig werden. Aber der Reihe nach. Die Original-Fahrzeugpapiere seiner alten Hoffmann-Vespa sind noch erhalten. Nach rund 70 Jahren fast ein Wunder und für den Sammler eine echte Fundgrube. Darin auch der Name des Besitzers in den fünfziger Jahren: der heute 87-jährige Ekkehart Neumann aus der Nähe von Kaiserslautern.

Klaus Altenhofer googlet zum Spaß seinen Namen und bekommt sofort eine Telefonnummer angezeigt. Er ruft an. Beim zweiten Klingeln geht der Mann ans Telefon. Als Klaus Altenhofer ihm erzählt, dass er seine alte Vespa gekauft hat, ist der Mann ganz aus dem Häuschen. Die beiden telefonieren zwei Stunden, und Ekkehart Neumann erzählt begeistert von seinen Erlebnissen als junger Mann mit der Hoffmann-Vespa.

Und der heute 87-jährige hat mit der Vespa in den 50er Jahren jede Menge erlebt. 1955 ist er zum Beispiel als Maschinenbaustudent von Braunschweig aus zum Praktikum in einer Seifenfabrik nach Trondheim gefahren. Von der Tour nach Norwegen sucht er alte schwarz-weiß Fotos raus und schickt sie Klaus Altenhofer. Gemeinsam tauchen sie in zahlreichen Telefonaten und Briefen in die Jugend von Ekkehart Neumann ein. Zwischen beiden entsteht eine Freundschaft.

Klaus Altenhofer kommt dadurch auf die Idee, nach fast 70 Jahren, auf den Spuren ihres ehemaligen Besitzers mit der alten Hoffmann-Vespa noch einmal nach Norwegen zu fahren. Damit erfüllt er sich seinen alten Traum, mit einer Vespa ans Nordkap zu fahren. In seinen Gedanken reist Ekkehart Neumann auch immer ein Stück mit. So greift er, am Nordkap ankommen, wieder spontan zum Telefon und ruft seinen Freund Ekkehart an, der beim zweiten Klingeln abhebt.

Rund um die Reise ans Nordkap

Es ist die Tour seines Lebens: Klaus Altenhofer fährt mit einer alten Vespa von Freisen ans Nordkap. Damit erfüllt er sich seinen Lebenstraum. 21 Breitengrade Richtung Norden in 16 Tagen - wir dokumentieren die außergewöhnliche Reise.

Richtung Nordkap mit der Vespa

Es ist die Tour seines Lebens: Klaus Altenhofer fährt mit einer alten Vespa von Freisen ans Nordkap. Damit erfüllt er sich seinen Lebenstraum. 21 Breitengrade Richtung Norden in 16 Tagen.

"Aus dem Leben": Klaus Altenhofer reist mit der Vespa ans Nordkap

Der Saarländer Klaus Altenhofer hat sich seinen Lebenstraum erfüllt. Er ist mit einer Hoffmann Vespa aus den fünfziger Jahren vom Saarland ans Nordkap gefahren. 16 Tage, rund 3500 Kilometer bei Wind und Wetter durch die atemberaubende Natur Norwegens. Am 16. August war Klaus Altenhofer zu Gast in SR 3 „Aus dem Leben“ und hat mit SR-Moderator Uwe Jäger über die Reise seines Lebens gesprochen.

Klaus Altenhofer auf seiner Vespa in der Garage (Foto: Felix Schneider/SR)
Mit der Vespa ans Nordkap

Von einer Reise ans Nordkap träumen viele! Der Saarländer Klaus Altenhofer hat ihn wahr gemacht - auf einer fast 70 Jahre alten Vespa. Ein Saarländer auf der „Reise seines Lebens“. Ein Feature von Uwe Jäger.

Das Team

Autoren:
Felix Schneider
Uwe Jäger

Redaktion:
Daniel Weiland

Kamera & Schnitt: 
Felix Schneider

Fotos/Karten: 
Felix Schneider/Klaus Wilhelm