Kohlehalde (Foto: dpa)

Kohle-Krise: Das große Beben und die Folgen

  07.02.2012 | 08:52 Uhr

Am 23. Februar 2008 gab es das stärkste Bergbaubeben, das je im Saarland gemessen wurde. Die Regierung verhängte einen sofortigen Abbaustopp. Das Beben leitete das endgültige Aus für Saarbergbau ein. Ein Rückblick auf die Chronologie der Ereignisse.

23. Februar 2008
Das Erdbeben

Am 23. Februar bebt die Erde im Saarland so stark wie nie zuvor. Der Kohleabbau wird vorläufig eingestellt. Eine Erleichterung für die Bergbaubetroffenen; Politik und Wirtschaft sind sich uneins, wie es weitergehen soll.


27. Februar 2008
Kein Geld aus Berlin

Die Bundesregierung macht klar, dass es neben der bisherigen Kohlefinanzierung zunächst kein weiteres Geld für den Kohleausstieg im Saarland geben wird. Finanzielle Zusagen durch Kanzlerin Merkel habe es nicht gegeben.


28. Februar 2008
RAG beantragt Kurzarbeit wegen Abbaustopp

Die RAG beantragt bei der Arbeitsagentur Kurzarbeit für die vom Kohle-Förderstopp betroffenen Mitarbeiter. Die Arbeitsagentur nimmt den Antrag an - genehmigt ihn aber vorerst noch nicht.


3. März 2008
Bergbaugegner bei Demo in Essen
Die Bergbaubetroffenen kämpfen weiter für einen endgültigen Abbaustopp. Nach unzähligen Protestaktionen im Saarland demonstrieren sie nun in Essen – vor der Zentrale des Evonik-Konzerns und vor der RAG-Stiftung.   


5. März 2008
Landtag debattierte über Bergbau-Ende
Der saarländische Landtag beschäftigt sich in einer Sondersitzung mit dem Förderstopp im Bergwerk Saar. CDU, FDP und Grüne verabschieden eine Resolution zum Ende des Bergbaus. Vor dem Landtag demonstrieren 5000 Bergbaubeschäftigte und 500 Bergbaubetroffene.


12. März 2008
Kurzarbeitergeld aufgestockt
In Saarbrücken veranstalten 1000 Bergbaubeschäftigte eine spontane Demonstration, in Saarlouis protestieren etwa 100 Bergbaufrauen, und die RAG stockt das Kurzarbeitergeld auf.


15. März 2008
RAG plant mit weniger Bergleuten
Der RAG-Aufsichtsrat verzichtet endgültig auf den Kohleabbau in der Primsmulde. Der Konzern will aber bis 2012 an anderer Stelle 35 Prozent der Produktion aufrechterhalten. Dafür ist jedoch ein erheblicher Stellenabbau geplant.


17. März 2008
Wieder Arbeit für die Bergleute
Der Kohleabbau im Saarland soll fortgesetzt werden. Die RAG informiert das Bergamt über die weiteren Pläne im Flöz Grangeleisen. Geplant ist außerdem der Abbau im Flöz Wahlschied. Ein konkretes Konzept soll jedoch erst Anfang April erstellt werden.


19. März 2008
Entscheidung im Bergbau absehbar
Der Wirtschaftsausschuss des Landtags befasst sich in einer Sondersitzung mit der Bergbausituation. Während sich FDP und Grüne erneut gegen eine Fortsetzung des Bergbaus aussprechen, ist die Genehmigung für den Abbau jedoch wahrscheinlich.


31. März 2008
Abbau im Saarland geht weiter  
Der Bergbau im Saarland geht weiter. Die Landesregierung genehmigt den weiteren Abbau im Flöz Grangeleisen - allerdings versehen mit einigen einschneidenden Auflagen. Über den Abbau in den Wahlschieder Flözen ist noch nicht entschieden.


02. April 2008
Es wird wieder abgebaut
Fünfeinhalb Wochen lang gab es im Saarland keinen Bergbau. Ab den Morgenstunden des 2. April wird wieder Kohle abgebaut - im Flöz Grangeleisen. 


03. April 2008
Treffen von RAG und Regionaldirektion

Mit der ersten Schicht in Grangeleisen ist die Kurzarbeiterregelung für die Bergbaubeschäftigten zunächst hinfällig. Bei einem Treffen der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit und der RAG soll in Saarbrücken über weitere Zahlungen beraten werden.


09. April 2008
Landesregierung antwortet auf Fragen
Am 2. April bringt das SR Fernsehen eine Sondersendung mit dem Titel: "Der Kampf um die Kohle". Die Zuschauer haben die Möglichkeit, ihre Fragen zum Thema zu stellen. Bei Weitem nicht alle Zuschauerfragen können im Rahmen der Sendezeit beantwortet werden. Der SR fasst die Fragen zusammen und leitet sie an Landesregierung, RAG und Experten weiter.


28. Mai 2008
Ärger um Wahlschied-West
Die RAG will südlich von Reisbach im Flöz Wahlschied-West abbauen. Die Anwohner wehren sich. Der Bürgermeister von Saarwellingen erwägt sogar rechtliche Schritte, um die Abbaupläne zu stoppen.


10. Juni 2008
Die RAG legt Zechenschließungen fest
Die RAG legt die verbindliche Schließung von fünf der acht deutschen Zechen bis 2012 fest. Darunter ist auch die einzige im Saarland: die Grube Ensdorf.


31. Juli 2008
Marschroute zum Ziel 2012 vereinbart
Der Bergbaukonzern RAG und die Gewerkschaft IGBCE stellen ihren Vertrag zum sozialverträglichen Auslaufen des Kohle-Bergbaus an der Saar vor.  


16. September 2008
Wahlschied statt Primsmulde
Wie erwartet, genehmigt das Bergamt Saarbrücken den Kohleabbau im Flöz Wahlschied West. Gleichzeitig entzieht das Bergamt den  Rahmenbetriebsplan für die Primsmulde. Damit ist der Kohleabbau in der Primsmulde faktisch Geschichte


18. September 2008
BGH entscheidet kontra RAG
Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entscheidet, dass die RAG für "nicht materielle Schäden" - also beispielsweise Wohnwert-Minderungen - ebenso aufkommen muss wie für "materielle Schäden".


04. Dezember 2008
Kohleausstieg bekräftigt 
SPD und die Linke wollen sich nicht damit zufrieden geben, dass 2012 endgültig Schluss sein soll mit dem Bergbau an der Saar. RAG und die Landesregierung bekräftigten hingegen auf der tradionellen Barbara-Feier den Kohleausstieg.

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