Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel (Foto: picture alliance/Christian Charisius/dpa)

Kramp-Karrenbauer ist neue CDU-Chefin

  07.12.2018 | 18:52 Uhr

Annegret Kramp-Karrenbauer ist neue Vorsitzende der CDU Deutschlands. Sie setzte sich im zweiten Wahlgang gegen ihre Herausforderer Friedrich Merz durch. Den Unterschied machten letztlich 35 von insgesamt 999 Delegiertenstimmen.

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Reaktionen auf AKK-Wahl
Politiker verschiedener Parteien haben Annegret Kramp-Karrenbauer zu ihrer Wahl zur CDU-Vorsitzenden gratuliert. Im saarländischen Lager ist die Freude groß. Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles und FDP-Chef Christian Lindner boten Kramp-Karrenbauer eine "gute Zusammenarbeit" an. Kritisch sehen das Wahlergebnis die Linke und die AfD.

Für Kramp-Karrenbauer stimmten 517 Delegierte, Merz kam auf 482 Stimmen. "Ich nehme die Wahl an und bedanke mich für das Vertrauen", sagte Kramp-Karrenbauer nach der Wahl. Auch ihren beiden Kontrahenten Friedrich Merz und Jens Spahn zollte sie dank für den fairen Wettkampf. "Es war ein Wettbewerb, um den uns andere Parteien beneidet haben. Ein Wettbewerb, der uns Auftrieb gegeben hat." Als erster Gratulant trat der unterlegene Friedrich Merz ans Mikro und rief seine Unterstützer dazu auf, künftig "ihre ganze Kraft und ihre volle Unterstützung unserer Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer zu geben." Merz bot sich an, die Partei auch weiter dort zu unterstützen, wo es gewollt und gewünscht sei.

Die Stichwahl war nötig geworden, weil im ersten Wahlgang keiner der drei Kandidaten die absolute Mehrheit der 999 abgegeben Stimmen auf sich vereinen konnte. Die frühere saarländische Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer kam auf 450 Stimmen, für Friedrich Merz entschieden sich 392 Delegierte. Auf den dritten Kandidaten Jens Spahn entfielen 157 Stimmen.

Video [aktueller bericht, 07.12.2018, Länge: 6:32 Min.]
Annegret Kramp-Karrenbauer ist neue CDU-Vorsitzende

"Mut" zentrales Thema bei Kramp-Karrenbauer

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Zuvor hatte Kramp-Karrenbauer in ihrer Bewerbungsrede ihre Partei aufgerufen, den "Mut" für die Aufgaben der Zukunft zu haben. Die CDU müsse den Mut haben, "nicht den Schwarzmalern hinterherzulaufen". Die CDU müsse die Digitalisierung vorantreiben, einen starken und konsequenten Staat durchsetzen und Verantwortung für das Gemeinwohl auch mit einem Gesellschaftsjahr schaffen. Die CDU müsse mit ihren Ideen eine Strahlkraft entwickeln und daraus ihre Stärke ziehen und nicht, weil sie den stärksten Angriff auf den politischen Gegner fahre, sagte Kramp-Karrenbauer. "Das reicht mir für eine Volkspartei wie die CDU nicht aus." Die Partei müsse stark sein und "unzweideutig" zu ihrem Wertekompass stehen.

Merz für "Strategiewechsel"

Merz hatte sich bei seiner Bewerbungsrede für einen Strategiewechsel ausgesprochen beim Umgang mit Themen, in der Auseinandersetzung mit dem politischen Wettbewerber sowie in der Kommunikation mit den Bürgern. "Von diesem Parteitag muss ein Signal des Aufbruchs und der Erneuerung unserer Partei ausgehen", sagte Merz. Er erneuerte zudem seine Forderung nach einer "Agenda für die Fleißigen" und sagte im Hinblick auf die Einwanderungspolitik: "Es gibt auch Grenzen unserer Möglichkeiten."

Langer Beifall für Merkel

Gestartet war der Parteitag mit einer ungewohnt emotionalen Rede von Angela Merkel, die 18 Jahre an der Spitze der CDU stand. "Es war mit eine große Freude. Es war mir eine Ehre", sagte Merkel sichtlich gerührt. Der Parteitag dankte ihr mit minutenlangen stehenden Ovationen.

In ihrer gut halbstündigen Rede hatte Merkel auf ihre Amtszeit zurückgeblickt und dabei zumindest indirekt auch Wolfgang Schäuble kritisiert, der unter der Woche für Friedrich Merz Partei ergriffen hat. Die CDU-Spendenaffäre, über die auch Schäuble stolperte, nannte sie eine "Schicksalsstunde" für die CDU. Merkel machte in ihrer Rede auch ihre Positionierung im Nachfolge-Rennen klar, ohne aber direkt für Annegret Kramp-Karrenbauer zu werben. Stattdessen lobte sie nur AKKs 40 Prozent-Ergebnis bei der letzten Landtagswahl gleich mehrmals.

Stellvertreter wiedergewählt

Im weiteren Verlauf des Parteitags wurde auch die engste Führungsspitze um die neue Parteichefin gewählt. Stellvertretende Vorsitzende bleiben Volker Bouffier (Ministerpräsident Hessen), Julia Klöckner (Bundesagrarministerin), Armin Laschet (Ministerpräsident Nordrhein-Westfalen), Thomas Strobl (Innenminister Baden-Württemberg) und Ursula von der Leyen (Verteidigungsministerin).

Video [aktueller bericht, 07.12.2018, Länge: 1:36 Min.]
SR-Fernsehchef Roman Bonnaire zu AKK-Wahl

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 07.12.2018 berichtet.


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