Prozessauftakt um Raser von Saarwellingen, Gerichtssaal mit Prozessbeteiligten (Foto: BeckerBredel)

Prozessauftakt um Raser von Saarwellingen

Thomas Gerber   16.06.2021 | 20:19 Uhr

Im Sommer 2017 wurden bei einem Unfall in der Saarwellinger Bahnhofsstraße eine 43-Jährige und ihre 12-jährige Tochter getötet. Vor dem Landgericht hat am Mittwoch der Prozess gegen den Unfallverursacher begonnen, der mit seinem Auto ungebremst auf den Kleinwagen der Opfer gerast war.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Mord vor, denn mit seiner Raserei habe er den Tod anderer Menschen zumindest billigend in Kauf genommen. Während der Fahrt habe er auch noch WhatsApp-Nachrichten verschickt. Mit bis zu 130 Stundenkilometer soll Stanislav N. auf der abschüssigen Strecke von Nalbach kommend Richtung Dorfmitte unterwegs gewesen sein, nach einem waghalsigen Überholmanöver sei er schließlich auf den Peugeot der 43-Jährigen geprallt.

Video [aktueller bericht, 16.06.2021, Länge: 3:19 Min.]
Prozessauftakt zu tödlichem Autounfall

Verteidigung geht von epileptischem Anfall aus

Die Frau verstarb noch am Unfallort, ihre Tochter wenig später in einer Spezialklinik. Durch eine weitere Kollision und umherfliegende Trümmerteile wurden ein Autofahrer und ein Passant teils schwer verletzt. Ob der Mord und die damit drohende lebenslängliche Freiheitsstrafe im Prozess zu beweisen ist, dürfte nicht zuletzt von psychiatrischen Sachverständigen abhängen.

Die Verteidigung geht davon aus, dass der Angeklagte während der Fahrt einen epileptischen Anfall erlitt. Um das genauer zu untersuchen, wurden drei Gutachter beauftragt, die angeblich zu unterschiedlichen Ergebnissen kamen. 

Whatsapp-Chatverlauf gelöscht

Mordprozess um Raser in Saarwellingen hat begonnen
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 16.06.2021, Länge: 03:13 Min.]
Mordprozess um Raser in Saarwellingen hat begonnen

Neben diesem Gutachten soll aber auch der WhatsApp-Chatverlauf Details zum Unfallhergang klären. Das wird jedoch erschwert, da die Nachrichten auf dem Handy der Chatpartnerin zum großen Teil gelöscht wurden. Wer dafür verantwortlich ist, ist unklar.

Der Angeklagte, der damals Schichtarbeiter am Fließband war, schweigt zum Prozessauftakt. Über seinen Anwalt ließ er erklären, dass er sich an den Unfall selbst nicht erinnern könne.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 16.06.2021 berichtet.

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