Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn  (Foto: picture alliance / dpa / Julien Warnand)

Asselborn sieht Gefahr für Europa

  09.04.2020 | 20:35 Uhr

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn hat die Grenzschließungen von Deutschland nach Luxemburg und Frankreich scharf kritisiert. Er befürchtet, dass das Vertrauen der Menschen in Europa nachhaltig beschädigt werden könnte.

Jean Asselborn ist ein Freund klarer Worte – und das wurde auch am Donnerstag im Interview mit dem Saarländischen Rundfunk deutlich. Der luxemburgische Außenminister kritisierte die Grenzschließungen und -kontrollen in der Saar-Lor-Lux-Region scharf.

Luxemburgs Außenminister kritisiert Grenzschließungen
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 09.04.2020, Länge: 00:32 Min.]
Luxemburgs Außenminister kritisiert Grenzschließungen

Asselborn sagte, Franzosen und Luxemburger seien über das Vorgehen Deutschlands empört. Das Coronavirus sei schließlich kein Eindringling, der an der Grenze gestoppt werden könne. Es übertrage sich nicht von Staat zu Staat, sondern von Mensch zu Mensch. Auch sei es kaum nachvollziehbar, warum es zu Luxemburg und Frankreich Grenzschließungen gebe, nicht aber zu Belgien oder den Niederlanden.

Gefahr für Europa

Asselborn betonte im Interview, er habe mit Bundesinnenminister Horst Seehofer über die Grenzschließungen gesprochen. Dazu habe es geheißen, es müssten beispielsweise Hamsterkäufe von französischen Bürgern verhindert werden. Weitere Begründungen habe es nicht gegeben.

Der Luxemburger Außenminister sieht durch die geschlossenen Grenzen gar das ganze europäische Projekt in Gefahr. Die Menschen im Dreiländereck würden heute zwar noch Brücken, aber keine Grenzen mehr wahrnehmen. Mit dieser Errungenschaft dürfe man nicht spielen. Sollten die Schließungen zu lange anhalten, würden die Bürger nicht nur an der Politik des jeweiligen Landes, sondern an Europa generell zweifeln.

Viele Grenzgänger betroffen

Asselborn sagte im Interview weiter, gerade deutsche Luxemburg-Pendler seien massiv von den Grenzkontrollen betroffen. Täglich pendelten 200.000 Menschen nach Luxemburg ein, davon kämen rund 50.000 aus Deutschland. Die Menschen sollten nicht stundenlang im Stau stehen müssen.

Über dieses Thema hat auch die Sendung "Saarthema extra" am 09.04.2020 im SR Fernsehen berichtet.

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