Installation "Die Zwangsarbeiter" von Christian Boltanski (Foto: Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Hans-Georg Merkel)

Völklinger Hütte erinnert an Zwangsarbeiter

dpa   01.11.2018 | 10:37 Uhr

Im Weltkulturerbe Völklinger Hütte sind seit Anfang November zwei Installationen des französischen Künstlers Christian Boltanski zu sehen. Die Werke „Die Zwangsarbeiter“ und „Erinnerungen“ setzen sich zum einen mit den 12.393 Zwangsarbeitern und zum anderen mit den regulären Arbeitern auseinander.

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Erinnerungsort für die Zwangsarbeiter der Völklinger Hütte
Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte hat eine bewegte Geschichte. Während des zweiten Weltkriegs waren dort tausende Zwangsarbeiter beschäftigt. Dieser Teil der Hüttengeschichte ist jetzt Thema einer neuen Installation vor Ort. Sie stammen vom französischen Künstler Christian Boltanski. SR 2-Reporterin Sally-Charell Delin konnte sich die Installation bereits anschauen.

Für die Installation „Die Zwangsarbeiter“ bilden schwarze Hosen und Jacken inmitten von metallenen Archivkästen in der Sinteranlage einen Kleiderberg. Die faktische Aufarbeitung der menschenverachtenden Unterfangen sei die eine Seite, sagte Generaldirektor Meinrad Maria Grewenig vor der Eröffnung. Die Installation schaffe einen emotionalen Zugang. So lesen in dem spärlich beleuchteten Bereich flüsternde Stimmen die Namen der Männer, Frauen und Kinder aus 20 Ländern vor.

Der Erinnerungsort für die Zwangsarbeiter ist mit der Dokumentation der Forschungsarbeit eine Etage tiefer verbunden. Von den Zwangsarbeitern in der Völklinger Hütte starben den Angaben zufolge 261, darunter 60 Kinder. Die Namen der Zwangsarbeiter sind in einem Buch erschienen und sollen zudem kostenlos auf der Internetseite des Weltkulturerbes zum Herunterladen zur Verfügung stehen. Grewenig kündigte in Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit im Saarland (LAG) ein umfängliches Vermittlungsprogramm an. Auch die Forschung werde weiter fortgesetzt, erklärte der Generaldirektor.

Installation "Erinnerungen" läuft bis zum 31. August

Die ebenfalls zu sehende Installation „Erinnerungen“ setzt sich mit den regulären Arbeitern der Völklinger Hütte auseinander. In der 800 Quadratmeter großen Erzhalle hat Boltanski 91 Spinde aus allen Betriebsteilen der Völklinger Hütte gruppiert und beleuchtet. Aus den Spinden erklingen von ehemaligen Hüttenarbeitern gesprochene Erinnerungen an ihre Arbeit. Während die Zwangsarbeiter-Installation als Erinnerungsort dauerhaft ihren Standort in dem Weltkulturerbe findet, ist dieses Werk nur bis zum 31. August 2019 zu sehen.

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