Szenenbildnerin Bärbel Menzel (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

"Jeder Film wird zu einem neuen Abenteuer"

Ein Interview von Katrin König   06.12.2018 | 13:39 Uhr

Sie ist im Saarland geboren, lebt allerdings schon eine ganze Weile in Berlin. In ihre alte Heimat hat Bärbel Menzel allerdings immernoch sehr gute Kontakte. Davon profitiert die Szenenbilderin auch beruflich, wenn sie für Filmproduktionen auf der Suche nach Locations und Set-Ausstattungen ist - wie für die Dreharbeiten zu "Villa Eva".

Vier Wochen Dreharbeiten liegen hinter dem Team der Fernsehproduktion "Villa Eva", die im kommenden Jahr im Ersten gezeigt wird. Warum ausgerechnet im Saarland gedreht wurde? "Es ist schon irgendwie eine saarländische Geschichte", erzählt Szenenbildnerin Bärbel Menzel. Und unglücklich ist die gebürtige Saarländerin über diese Entscheidung ganz und gar nicht.


SR.de: Frau Menzel, in letzter Zeit wird häufiger im Saarland gedreht. Haben Sie eine Erklärung dafür? Entwickelt sich das Saarland zum Filmland?

Kultur
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Erstmals ist das Saarland Drehort für eine Komödie im Ersten. Im Mittelpunkt stehen eine Gräfin und die nach ihr benannte "Villa Eva". Momentan wird in Ottweiler gedreht. Trotz des engen Zeitplans kommt bei dem Team um die Hauptdarsteller Eleonore Weisgerber und Reiner Schöne der Spaß nicht zu kurz.

Bärbel Menzel: Ich glaube, das hat damit zu tun, dass das hier alles noch nicht so abgefrühstückt ist. Eine ganze Zeit lang wurde außer den Tatorten nur sehr wenig gedreht und ich habe das Gefühl, dass das Saarland grade entdeckt wird. Wenn mich zum Beispiel jemand fragt, dann sage ich immer: Hier bekommt man Motive, die man woanders gar nicht findet.

SR.de: Welche sind das zum Beispiel?

Menzel: Naja, wenn man in Hamburg oder Berlin dreht, hat man fast alles schon mal gesehen. Und hier im Saarland ist es irgendwie nicht so fertig und vollkommen, was ich persönlich total interessant und spannend finde - grade, was die Motive angeht. Deswegen kann ich es sehr gut verstehen, dass man hier drehen wollte. Außerdem muss man einfach mal sagen, dass Ottweiler ein schöner Ort ist, den man auch gerne zeigen möchte. Die Saarländerinnen und Saarländer sind ja immer froh, wenn man nicht nur schmutzige Ecken zeigt wie häufig in den Tatorten. Wobei wir uns in den letzten Jahren auch da bemüht haben, die schönen Seiten des Saarlands zu zeigen, von denen es ja auch genug gibt.

SR.de: Gibt es noch weitere Unterschiede gegenüber größeren Städten?

Menzel: In den großen Städten gibt es mehrere Fundus, wo man hingeht und sich Möbel und andere Dinge aussucht, die man für ein Set braucht. Sowas gibt es hier gar nicht. Die nächsten Anlaufstellen wären Baden Baden oder Köln. Aber ich suche das trotzdem alles hier und gehe gar nicht in den Fundus. Das klappt aber nur, weil ich gut vernetzt bin.

SR.de: Konkret sieht das dann so aus, dass Sie, wenn Sie zum Beispiel ein Telefontischchen brauchen, irgendwo anrufen und fragen, ob Sie einen haben können?

Menzel: Das meine ich mit "gut vernetzt". Ich weiß mittlerweile, an wen ich mich wenden kann und wo mir weitergeholfen wird. Ich gehe auch viel in Sozialkaufhäuser, wo ich zum Beispiel das ganze Geschirr kaufe, das ich für eine Produktion benötige. Nach dem Dreh bringe ich es wieder dorthin zurück. Das Schöne daran ist auch, dass diese Sachen eine gewisse Patina haben und nicht mehr ganz neu sind. Sie haben schon ein wenig gelebt und sehen nicht aus wie frisch vom Band. Das erleichtert mir die Arbeit auch tatsächlich, weil ich diese Dinge nicht nachträglich bearbeiten muss, um sie so aussehen zu lassen.

Meine Arbeit ist vergleichbar mit einem Puzzle. Ich bekomme von ganz vielen unterschiedlichen Stellen die Dinge, die ich brauche und setze sie nach und nach zusammen, bis sich daraus irgendwann ein Bild ergibt. Aber man muss es wollen, so zu arbeiten. Ich finde es ganz toll. Denn so wird jeder Film zu einem neuen Abenteuer.

Crew der Villa Eva (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Das Filmteam von "Villa Eva"

SR.de: Das klingt alles deutlich aufwendiger, als in einen Fundus zu gehen, um sich an einer zentralen Stelle mit den Dingen einzudecken, die man braucht. Wie lange dauert es denn, bis Sie alles zusammen haben?

Menzel: Im Schnitt habe ich vier bis fünf Wochen Vorbereitungszeit. Das ist aber ein ganz normaler Zeitraum, es sei denn, es handelt sich um eine historische Produktion. Die Motivsuche sollte allerdings vorher abgeschlossen sein. Denn erst wenn ich die Motive kenne, kann ich richtig loslegen. Dann kenne ich die Räume, weiß, wie viel Tapete ich bestellen muss, falls wir tapezieren müssen, welche Möbel wo hin passen und so weiter.

SR.de: Ihre Arbeit ist aber nicht abgeschlossen, sobald die Dreharbeiten beginnen?

Menzel: Überhaupt nicht. Wir arbeiten parallel zu den Dreharbeiten weiter. Wenn beispielsweise ein Außendreh stattfindet, arbeiten wir an der Inneneinrichtung eines Motivs, stellen zum Beispiel Möbel, hängen Gardinen auf und schauen, was noch fehlt. Die Motive haben wir natürlich auch nicht über die komplette Drehzeit, sondern mieten sie nur so lange, wie wir sie wirklich benötigen.

SR.de: Jetzt haben wir so viel über Motive gesprochen. Können Sie denn verraten, wo sich diese geheimnisvolle Villa Eva befindet?

Menzel: Nein, ich denke, das sollten andere machen. Aber es ist ein unheimlich schönes Motiv und wir sind froh, es gefunden zu haben.

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