Schriftzug "Heimatmuseum" auf rosaner Wand (Foto: imago/imagebroker)

Viele Kulturfördervereine im Saarland

Manuela Weichsel   23.03.2019 | 13:11 Uhr

Mehr als 10.000 Kulturfördervereine gibt es in Deutschland. Das hat der Dachverband der Kulturfördervereine zum ersten Mal ermittelt. Gemessen an der Einwohnerzahl ist die Zahl dieser Vereine im Saarland am dritthöchsten.

„Ich hab manchmal das Gefühl, dass man sich Kultur erst antut, wenn man über 50 oder über 60 ist“, sagt Annette Bost. Sie ist die hauptamtliche Leiterin des Heimatmuseums in Quierschied und die Vorsitzende des dazugehörigen Fördervereins.

1988 stellte die Gemeinde das jetzige Museumsgebäude der Interessengemeinschaft Heimatstube Quierschied zur Verfügung. Vier Jahre lang sanierten vor allem Ehrenamtliche das alte Prämienhaus und sammelten Exponate, bis das Museum 1992 aufgemacht wurde. Im folgenden Jahr nannte sich die Interessengemeinschaft in „Förderverein Heimatmuseum Quierschied e.V.“ um.

Fast alle Kultureinrichtungen in Deutschland werden heute von einem Förderverein unterstützt. Das ist ein erstes Ergebnis der Bestandsaufnahme, die der neu gegründete Dachverband der Kulturfördervereine in Deutschland e.V. (DAKU) in Zusammenarbeit mit ZiviZ (Zivilgesellschaft in Zahlen) im Stifterverband und unter Beteiligung der Bundesverbände mehrerer Kultursparten gemacht hat.

Saarland auf Platz drei

Bei dieser Bestandsaufnahme kam auch heraus, dass es die meisten Kulturfördervereine bezogen auf die Einwohnerzahl in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gibt. Platz drei belegt das Saarland: Hier gibt es mindestens 155 Kulturfördervereine.

Eine genaue Zahl zu ermitteln ist kompliziert: ZiviZ hat aus 597.109 eingetragenen Vereinen alle Vereine herausgefiltert, die anhand ihres Vereinsnamens als Förderverein erkennbar sind. Der Kulturbezug wurde über mehr als 500 Suchbegriffe ermittelt. Da es aber auch Kulturfördervereine gibt, die so nicht analysiert werden können, geht der DAKU von noch höheren Zahlen aus.

Außerdem hat der Dachverband ermittelt, dass die meisten Mittel für Kulturfördervereinen überwiegend von engagierten Bürgern stammen. Der Großteil werde über Mitgliedsbeiträge und Spenden gewonnen. Auch das Heimatmuseum in Quierschied finanziert sich so. Durch Mitgliedsbeiträge kommen im Jahr 600 bis 800 Euro zusammen. Unterhalten wird das Haus von der Gemeinde. „Das ist natürlich schon ein Batzen, das darf man gar nicht unterschätzen, was die Unterhaltung von so einem Gebäude im Jahr kostet!“, sagt Annette Bost.

Ein Ziel des DAKU ist es, Strategien für alternative Finanzierungsmodelle zu entwickeln und auch zu helfen, digitale Möglichkeiten wie beispielsweise Crowdfunding stärker zu nutzen. Der Verband will das Engagement der Kulturfördervereine stärker sichtbar machen und sie unterstützen. Dazu sollen in Zukunft gemeinsam mit dem ZiviZ weitere Daten zur Lage der Kulturförderung erhoben werden.

Ehrenamtliches Engagement

Aus dem aktuellen Leitfaden geht auch hervor, dass viele kleine Kulturfördervereine fast nur von Ehrenamtlichen getragen werden. Auf den Förderverein des Museums in Quierschied trifft das auf jeden Fall zu. Annette Bost ist die einzige Hauptamtliche, außer ihr gibt es circa 60 ehrenamtliche Mitglieder. Die meisten unterstützen den Verein durch ihre Mitgliedschaft finanziell.

Fünf von ihnen sind auch aktiv unterwegs, machen Führungen „oder auch mal was Handwerkliches“, erzählt Bost. „Soweit es geht“, ergänzt sie. „Das sind alles ältere Männer, die auch nicht mehr so können. Das Museum wurde damals vom Förderverein aufgebaut. Da waren die Männer alle so in den Vierzigern - jetzt sind sie alle Ende 70, Anfang 80.“ Jüngere kommen eher nicht nach.

Nachwuchs fehlt

Ein weiteres Ziel des DAKU: Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkunft für die vielfältigen Bereiche der Kulturförderung zu gewinnen. Aktuell sind die Engagierten eine eher homogene Gruppe: 40 Prozent sind Rentner. Die meisten (59 Prozent) sind „Erwachsene in der Erwerbsphase“. Außerdem heißt es im Bericht: „Junge Menschen engagieren sich nur selten in einem Kulturförderverein.“

Bost hat dafür Verständnis. „Wir haben meistens nur sonntags geöffnet. Junge Familien zum Beispiel haben ja meistens nur das Wochenende, um Zeit miteinander zu verbringen.“

Zu den Öffnungszeiten im Heimatmuseum Quierschied kommen im Schnitt fünf bis sechs Besucher.  Das klingt erstmal nicht viel, aber „es ist ja auch 'nur' ein Heimatmuseum. Das hat natürlich nicht den Stellenwert wie zum Beispiel das Historische Museum, die Moderne Galerie oder die Völklinger Hütte.“

Laut Anette Bost haben die meisten Heimatmuseen einiges gemeinsam: Es gibt eine Küche, ein Schlafzimmer, regionale Bilder. In Quierschied gibt es außerdem Exponate von der alten Glashütte, einen kleinen Friseursalon und einen Schuhmacher. Das alles erinnert an die Zeit der Jahrhundertwende vom 18. ins 19. Jahrhundert. „Es sind halt immer spannende Geschichten, die natürlich erst zum Tragen kommen, wenn man die bei einer Führung erzählt.“

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