Marcel Ophüls während seines Werkstattgesprächs (Foto: Annabell Brockhues)

„Ophüls hätte noch mindestens zwei Meisterwerke machen können“

Annabell Brockhues   27.03.2017 | 10:15 Uhr

Vor 60 Jahren ist der in Saarbrücken geborene Regisseur Max Ophüls in Hamburg gestorben. Viel zu früh, sagt sein Sohn Marcel Ophüls im Gespräch mit SR.de. Eine Erinnerung an einen nicht immer ganz einfachen Filmemacher.

Den Alten, so nennt Marcel Ophüls seinen Vater noch heute. Im Gegenzug nannte ihn sein Vater Stips. Sogar ein Weihnachtsstück schrieb er: „Fips und Stips“. „Wie ich so zehn oder zwölf war, fand er – mit Recht! – dass Stips lächerlich ist. Weil ich damals ein schon ziemlich großer Bengel war. Und von da an hat er mich Zewen genannt.“ Woher Zewen komme, wisse er leider nicht, er könne es auch keiner ihm bekannten Sprache zuordnen. „Er erfand oft Wörter. Meine Mutter hieß Iwe, das hieß für ihn eigentlich meine Liebe.“

Des Vaters bester Freund

Rund um Ophüls 2017
Mit ihrem Debütfilm "Siebzehn" hat Monja Art den Max Ophüls Preis 2017 gewonnen. Alles über die 38. Ausgabe des Fimfestivals gibt es hier.

„Gelegentlich war er zwar sanft und weichherzig, aber noch öfter war er wütend und konnte gewalttätig werden, gerade gegenüber seiner Frau.“, heißt es in Ophüls Biografie „Meines Vaters Sohn“. Mit kleinen Kindern habe Max Ophüls nicht viel anfangen können: „Außer nett sein.“ Als Marcel Ophüls erwachsen war, sollte sein Vater ihn seinen besten Freund nennen: „Kann ein Vater einem Sohn etwas Schöneres sagen? Nein.“

Das Final Cut gab es für Max Ophüls nicht

Auch wenn seine Erinnerungen nicht mehr ganz frisch sind, wie Marcel Ophüls selbst sagt, so erzählt er immer noch gerne Geschichten. Ausschweifend, ohne roten Faden. Geschichten aus Paris, Hollywood, von Produzenten, die sein Vater verärgerte: „Das Final Cut, ihm reinreden, das gab es bei meinem Vater nicht. Überhaupt in den Schneideraum zu kommen war schon ein Verbrechen.“

Biografie

Max Ophüls wurde am 6. Mai 1902 als Max Oppenheimer in St. Johann geboren. Er war zunächst Schauspieler, wurde aber schnell Theaterregisseur. Unter anderem inszenierte Ophüls am Wiener Burgtheater, wo er seine spätere Frau, die Schauspielerin Hilde Wall, kennenlernte. Als Jude wanderte er 1933 mit Frau und Kind nach Frankreich aus und nahm fünf Jahre später die französische Staatsbürgerschaft an. 1941 emigrierte Ophüls nach Amerika. 1949 zog er wieder nach Paris.

Bei ihm selbst sei das nicht anders: „Das habe ich alles von ihm gelernt und geerbt.“ Wie der Sohn als Dokumentarfilmmacher erfolgreich wurde, hat Max Ophüls nicht mehr miterlebt. Im Gegenteil: „Er war nicht sehr dafür, dass ich im Showbusiness lande.“ Als Regieassistent arbeitete Marcel Ophüls unter dem Nachnahmen seiner Mutter Hilde Wall, „denn der große Max wollte ganz einfach nicht, dass der Sohnemann seinen Namen im Vorspann schlechter Filme kompromittierte.“

„Es war nicht immer leicht“

„Es war nicht immer leicht mit ihm“, resümiert Marcel Ophüls das Leben mit seinem Vater. Zuhause sei er oft deprimiert, manchmal jähzornig, gewesen. Produzenten mochte er grundsätzlich nicht. Und doch, so schreibt er 2015 in seiner Biografie: „Der Sohn eines Genies gewesen zu sein ist etwas Wundervolles. Es ist das vollkommene Glück und zugleich auch ein immenses Privileg.“

Über dieses Thema wurde am 26.3.2017 auch bei "SR 1 - Dein Sonntag im Saarland" berichtet.

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