Konzert der Band „The Noiz“  (Foto: Karsten Schuh/Studio 30)

„Da gibt’s auch mal einen Kasten Bier für den Tourbus“

Linda Grotholt   01.12.2019 | 08:30 Uhr

Ungefähr 170 Konzerte, 40 Partyevents und über 250 regionale und überregionale Bands: Beachtliche Zahlen, auf die das Team des Studio 30 zurückblicken kann. Seit mittlerweile zwei Jahren treten in der Saarbrücker Eventlocation jeden Freitag und Samstag Newcomer und bekanntere Acts auf. Besonders viel Wert legen die Betreiber des Musikclubs dabei auf die Künstlerbetreuung.

„Wir lieben einfach Musik! Und wir haben festgestellt, dass in Saarbrücken sowas in der Art einfach fehlt. Es fehlt eine Spielstätte in der Größenordnung, wo Musiker professionell auftreten können.“ So beschreibt Jürgen Bechthold, Inhaber und Geschäftsführer, wie die Idee zum Musikclub geboren wurde. In den ersten zwei Jahren seines Bestehens hat sich das Studio 30 fest in der Saarbrücker Musikszene etabliert.

Regionale und überregionale Künstler finden in der Mainzer Straße freitags und samstags ein Podium. Dabei kommt auch die Nachwuchsförderung nicht zu kurz: Die Studio-Stage im Erdgeschoss ist als Newcomer-Bühne konzipiert, „um noch unbekanntere Acts zu fördern und denen eine Chance zu geben, im Vorprogramm zu bekannten Bands aufzutreten“, erklärt Programmleiter Sebastian Biewer. Der Eintritt ist dabei meistens frei. Die bekannteren Bands spielen dann später am Abend auf der zweiten Bühne im Untergeschoss, gegen Eintritt.

Überwiegend positive Bilanz nach zwei Jahren

Nach zwei Jahren steht fest: Das Konzept kommt gut an. „Was auf jeden Fall sehr gut läuft, ist die Publikumsentwicklung und auch die Bindung zu den Bands. Wenn sie öfter bei uns sind, haben sie auch eine gewisse Steigerungskurve drin“, resümiert Sebastian Biewer. Auch das Feedback der Künstler selbst sei erstaunlich gut, denn die Betreiber legen großen Wert auf die Versorgung und Betreuung vor Ort: „Da gibt’s auch mal einen Kasten Bier für den Tourbus.“ Einen Konzertclub zu betreiben sei aber „immer noch unfassbar hartes Pflaster“, erklärt Biewer. Die „Jugend von heute“ tendiere wieder dazu, in Kneipen zu gehen oder ganz zuhause zu bleiben, anstatt Konzerte zu besuchen. Außerdem geht das Konzept des Clubs – handgemachte, live performte Musik – an der Mainstream-Jugendkultur vorbei, glaubt Biewer. Hier ziehe eher Electro.

Auf die Bühne des Studio 30 kommt hingegen eine bunte Musikmischung, sagt Sebastian Biewer: „Es ist ganz wichtig, dass wir Acts haben, die nicht glatt gebügelt sind. Ob das jetzt ein Singer-Songwriter oder eine Death-Metal-Band ist, ist im Endeffekt egal.“ Insgesamt kommen drei Viertel der Bands aus den Bereichen Punk, Hardcore und Metal, der Rest sind Singer-Songwriter, Indie- und Hip-Hop-Events. Highlights in den vergangenen zwei Jahren waren für den Studio 30-Programmplaner beispielsweise der niederländische Singer-Songwriter Tim Vantol, die Heavy-Metal-Band Bullet aus Schweden oder die Saarländer Oku & the Reggaerockers.

Erfolgsgeheimnis: Herzblut

Im Schnitt kämen 100 Besucher pro Abend in den Club, immer häufiger seien die Veranstaltungen auch ausverkauft. Was ist das Erfolgsgeheimnis hinter dem Studio 30? „Irrsinnig viel Herzblut auf jeden Fall. Also wenn ich jede Stunde abrechnen würde, die ich an Lebenszeit und an Liebe in diesen Club investiere, dann wäre das auf keinen Fall finanzierbar“, erklärt Sebastian Biewer. Mit dabei ist auch eine ordentliche Portion Idealismus: Primär gehe es nicht darum, „irrsinnige Gewinne abzugreifen“, sondern „der Szene etwas zu geben“.

Das zeigt auch das finanzielle Fazit des komplett privat finanzierten Studio 30 nach zwei Jahren: „Wir sind leider nicht im Plus, sondern noch deutlich im Minus“, sagt Geschäftsführer Jürgen Bechthold, der hauptberuflich eine Firma für medizinischen Bedarf betreibt und den Musikclub als eine „Mission" beschreibt. Trotzdem bleibt er optimistisch: „Wir lernen aus Fehlern, machen viele Sachen besser. Dadurch entwickeln wir uns auch vom Umsatz her.“ Er hofft, ab dem kommenden Jahr kein eigenes Geld mehr in den Club stecken zu müssen. Zudem wolle das Team weiter versuchen, Fördergelder von öffentlicher Seite zu bekommen. Das sei bislang noch nicht gelungen.

Mehr als nur Livemusik

Im dritten Jahr will Studio-30-Programmchef Sebastian Biewer weiter daran arbeiten, namhafte Bands ins Saarland zu holen und gleichzeitig lokalen Newcomern eine Bühne bieten. Aber auch über die Livemusik hinaus hat die Eventlocation einiges zu bieten: So sollen beispielsweise das Gothic-Partyevent „Tanzritual“ und die „Alles auf Rausch“-Punkpartys weiter im Programm bleiben. Auch im Bereich Poetry Slam wolle der Club aktiver werden. Außerdem gibt’s im Studio 30 bald etwas fürs Auge - denn der Club blickt pünktlich zu seinem zweiten Geburtstag noch einmal zurück: Ab dem 1. Dezember sind im Rahmen der Ausstellung „Zwei Jahre Studio 30 – handgemachte Livemusik hautnah erleben“ Fotos aus der Clubgeschichte zu sehen.

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