Das Cover des Buches "Lexikon Saarbrücker Straßen" aus dem Geistkirch Verlag (Foto: SR/Kai Forst)

Von der Brechkaul bis zum Knieschinner

Kai Forst   15.05.2019 | 10:00 Uhr

Warum heißen Straßen eigentlich so, wie sie heißen? Was hat es zum Beispiel mit der "Brechkaul" in Dudweiler oder mit "Am Knieschinner" in Alt-Saarbrücken auf sich? Der Geograph und Stadtführer Markus Philipp beantwortet in seinem "Lexikon Saarbrücker Straßennamen" diese Frage - und zwar für mehr als 1700 Straßennamen.

Lexikon Saarbrücker Straßennamen: Markus Philipp im Interview
Audio [SR 3, Frank Hofmann, 15.05.2019, Länge: 07:07 Min.]
Lexikon Saarbrücker Straßennamen: Markus Philipp im Interview

Es gibt Straßennamen, die finden sich in jeder Stadt. Die „Hauptstraße“ etwa oder die „Schulstraße“. Auch die Bedeutung dieser Namen liegt häufig auf der Hand. Aber es gibt eben auch diese Straßennamen, die auf den ersten Blick kaum zu erklären sind.  „Brechkaul“, „Am Knieschinner“ oder der „Langweiler Weg“ etwa sind Namen, die Fragen aufwerfen. Der Geograph und Stadtführer Markus Philipp beantwortet diese Fragen in seinem Buch „Lexikon Saarbrücker Straßennamen“ auf 450 Seiten.

Wie heißt...

Frage 1 von 6

Wie heißt die längste Straße Saarbrückens?

Langweiler Weg = langweilige Menschen?

So ist der „Knieschinner“ eine volkstümliche Ausdrucksweise für einen Weg, der steil ansteigt und damit die Knie schindet. Auch hinter der „Brechkaul“ in Dudweiler steckt etwas, was selbst ausgebuffte Einheimische wohl kaum vermutet hätten. „Das war keine Mulde, in die die Menschen sich früher übergeben haben“, schmunzelt Philipp. „Es war eine Mulde, also Kaul, in der eine Feuerstelle war. Und über dieser Feuerstelle wurden Hanf und Flachs gebrochen und geröstet. Die so gewonnenen Fasern wurden zur Herstellung von Textilien oder Seilen verwendet.“ Und im „Langweiler Weg“ in Fechingen lebten früher keine tranigen Menschen. Der Name geht vielmehr auf das  Dorf Langweiler am Wieschbach zurück, das im 14. Jahrhundert existierte.

Das Buch

Das "Lexikon Saarbrücker Straßennamen" von Markus Philipp erscheint im saarländischen Geistkirch Verlag. Das Hardcover mit Lesebändchen hat 452 Seiten und kostet 24,80 Euro.

1761 Straßennamen

Knapp dreieinhalb Jahre hat Philipp an dem Buch gearbeitet – neben seinen Jobs als Geograph und Stadtführer. „Für jeden der 1761 Straßennamen landeten zwei Schweißtropfen auf meiner Stirn.“ Grundlage für das Buch war eine Datenbank, die alle Straßennamen enthält. Aber damit war die Arbeit natürlich längst nicht getan. „Ich habe jeden Fall einzeln geprüft und verifiziert. Auf Grundlage von Literatur, Internet, Karten, Stadtplänen und Befragung von Fachleuten habe ich dann recherchiert“, erklärt der Buchautor sein Vorgehen.

Video [aktueller bericht, 14.05.2019, Länge: 3:34 Min.]
Lexikon erklärt Saarbrücker Straßennamen
Straßennamen dienen nicht nur zur Orientierung, sie sind auch ein Spiegel der Zeit und der Geschichte. Das Wissen um die Bedeutung des Namens geht jedoch häufig verloren. Für die Stadt Saarbrücken gibt es deshalb nun ein Lexikon, in dem die Herkunft der Straßennamen erklärt wird.

"Keiner weiß, wer dieser Matthias ist"

Doch nicht bei allen Straßennamen ist Philipp fündig geworden. „Bei rund zehn Straßen gibt es keine Erklärung. Häufig sind das zum Beispiel männliche Vornamen sein. In Burbach gibt es zum Beispiel eine Matthiasstraße und keiner weiß, wer dieser Matthias war. Weder Literatur noch Internet noch die Experten konnten da weiterhelfen.“

Neben der Herkunft der Straßennamen erfahren die Leser außerdem noch einige interessante statistische Fakten. Zum Beispiel, dass die Warndtstraße in Klarenthal mit 6263 Metern die längste Straße in Saarbrücken ist. Und dass die kürzeste Straße gerade einmal 13 Meter misst.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht am 14.5.2019 berichtet.

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