Cover: popscene 01/13 (Foto: IN-SZENE! Media)

"Wir waren frecher als die anderen"

Elisa Teichmann   13.01.2019 | 09:14 Uhr

Das Magazin „Popscene“ wird zehn Jahre alt. Chefredakteur Markus Brixius hatte mitten in der Medien- und Verlagskrise ein Printmagazin ins Leben gerufen, das trotz vieler Zweifler bis heute überlebt hat – nicht zuletzt aufgrund seines unkonventionellen Stils. Ein Grund zum Feiern.

Markus Brixius schaut zufrieden in die Ferne, die Elbe und die Silhouette des Hamburger Hafens hinter ihm. Zu seinem Editorial-Foto in der aktuellen Ausgabe seines Magazins Popscene schreibt er: „Das Bild habe ich auf einem Kurztrip nach Hamburg gemacht, wo ich mir das Editorial ausgedacht habe. Ich dachte, es schaut ganz gut aus.“

Markus Brixius (Foto: Privat)
Chefredakteur Markus Brixius

Gut aus schaut es auch für sein Magazin Popscene im Jubiläumsjahr: „Mittlerweile liegen die Magazine nicht nur im Saarland in allen Kreisstädten, sondern auch in Trier, Luxemburg und in Kaiserslautern aus, neuerdings sogar auch in Freiburg. Da haben wir jetzt sogar eine kleine Dependance und versuchen, von dort aus den Südwesten zu erobern“, erzählt Brixius. Zu den Printausgaben kommen die E-Papers, die allein 200.000 Mal im Monat gelesen werden, und über 4000 Facebookfans.

Von wegen "Print ist tot"

Dabei begann Brixius mit seinem kreativen Projekt zu einer Zeit, in der niemand davon wissen wollte. „Zuerst hieß es: ‚Was, noch ein Magazin?‘, denn Magazine waren zu der Zeit rückläufig, jeder wollte nur noch ins Internet. Den Print hatte man bereits für tot erklärt“.

Auch im Familien- und Bekanntenkreis musste sich Brixius rechtfertigen. 2009 arbeitete er in einem Saarbrücker Medienunternehmen, in dem junge Produkte eher abgestoßen wurden. Mit seinem Glauben an ein neues, kreatives Format stand er allein da: "Es war nicht die beste Zeit, um so ein Magazin ins Leben zu rufen. Insofern hielt sich die Begeisterung meiner Familie und Freunde in Grenzen. Aber das Magazin war genau meine Leidenschaft, was Medien angeht. Da ließ ich mich auch wirklich nicht von abhalten. Der Rest ist Geschichte.“

Unser Ding ist die Popkultur.

Mittlerweile ist Popscene omnipräsent: Man findet das Heft im praktischen Pocketformat in Kneipen, Bistros oder Szeneläden. Als klassisches Printmedium sticht es aus der Masse an Onlineangeboten heraus und ermöglicht etwas, was Brixius einen "kuratierenden Effekt" nennt: Leser würden sich nicht in einer Informationsflut verlieren, sondern hätten eine verlässliche Quelle für News in der Popkulturszene.

Die Konzentration auf eine Nische war laut Brixius genau das, was das Magazin über die Jahre getragen hat: „Seit der zweiten Ausgabe nutzen wir den Claim ‚Das total umsonste Popkulturmagazin“ – unser Ding ist die Popkultur. Das ist natürlich viel Musik, aber auch Kunst und Streetart.“„Popscene“, was anfänglich noch „Saarscene“ hieß, hatte allerdings auch noch ein anderes Alleinstellungsmerkmal: „Wir waren frecher als die anderen. Unser erstes Editorial hieß ‚Arschbombe ins Glück‘. Unser ganzes Auftreten war anders, wir haben guerillamäßig im Nauwieser Viertel unsere Auflagen verteilt", so Brixius.

Covergirls: USA versus Saarland

"Auch was die Cover anging, waren wir sehr frech: Wir waren eine der ersten, die mit tätowierten Covergirls gearbeitet haben. Das war damals etwas völlig Neues“. Besonders die Covergirls haben über die Jahre zum Wiedererkennungswert des Magazins beigetragen. Anfänglich kamen die noch hauptsächlich aus den USA, denn Brixius durfte Fotos einiger Anzeigenkunden für seine Cover verwenden. Nach und nach kamen dann aber auch regionale saarländische Mädels dazu.

Cover: saarscene 08/09 (Foto: IN-SZENE! Media)
Das allererste Cover von "Saarscene" (Foto: IN-SZENE! Media)

Sogar ein Covergirl-Wettbewerb wurde ins Leben gerufen: „Der Wettbewerb ist in ein regelrechtes Event in der Garage in Saarbrücken ausgeartet. Bei der ‚Modelmadness‘ in der Garage in Saarbrücken haben wir seitdem regelmäßig regionale Models für die Cover akquiriert. Mittlerweile wechseln unsere Cover zwischen regionalen Models und überregionalen Promis.“

Die Mischung machts!

Im zehnten Jahr von „Popscene“ hat es Brixius schließlich geschafft, den ersten festen Mitarbeiter in seiner Redaktion einzustellen. „Vorher habe ich das alles allein gemacht, beziehungsweise mit freien Redakteuren gearbeitet. Dadurch wurden die Kosten auch immer klein gehalten. Den Magazinvertrieb übernehmen wir auch selbst.“ Brixius ist bescheiden geblieben. Vielleicht ist es gerade das, was ein kleines, kostenloses Popkulturmagazin zu einer regelrechten Saarländer-Institution hat werden lassen. An Kunden mangelt es jedenfalls nicht.

Höchstens an der Strukturschwäche im Saarland sollte sich etwas ändern, um Gründern wie Brixius das wirtschaftliche Leben zu erleichtern: „Es wäre schön, wenn die Veranstalter im Saarland über mehr Mittel verfügen würden, sodass entsprechend in die Werbung investiert werden kann.“ Mittlerweile fungiert Popscene auch selbst als Dienstleister, das Team entwirft Flyer und Videos für Veranstaltungen. „Wir nutzen quasi unsere eigene Infrastruktur zusätzlich für unsere Kunden. Die Mischung macht’s.“ Die Mischung hat Markus Brixius offenbar gefunden: Eine exakt definierte Nische, eine Prise Frechheit und vor allem Mut zur Ungewissheit. Happy Birthday, Popscene!

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