Die jüngste Kreation: "Lab".  (Foto: CIAV Meisenthal)

Christbaumkugeln mal ganz anders

Lisa Huth   22.12.2019 | 08:42 Uhr

Seit 20 Jahren werden im lothringischen Meisenthal wieder Glaskugeln für den Weihnachtsbaum hergestellt. Allerdings keine gewöhnlichen. Ein junges Team formt Ufos, Zitruspressen oder Zahnräder.

Etwas andere Christbaumkugeln aus Meisenthal.  (Foto: Lisa Huth)
Besucher können den Glasbläsern von der Empore aus zusehen.

Die ersten Christbaumkugeln Frankreichs wurden in Meisenthal geblasen. Das war 1858, rund zehn Jahre nachdem die ersten Glaskugeln der Welt als Weihnachtsbaumschmuck im thüringischen Lauscha erfunden wurden.

Mehr als 100 Jahre lang waren sie ein Exportschlager der Glashütte in Meisenthal in die ganze Welt, dann lösten Aluminium- und Plastikkugeln das Glas ab. 1969 endete die Fabrikation. Meisenthal geriet in Vergessenheit. Nur ein Museum erinnerte seit 1978 an die Glasbläsertradition seit 1704.

Video [aktueller bericht am 2. Weihnachtsfeiertag, 26.12.2019, Länge: 1:59 Min.]
Manufaktur aus Frankreich stellt Christbaumkugeln her

Glashütte mit jungen Leuten wiederbelebt

Etwas andere Christbaumkugeln aus Meisenthal.  (Foto: Lisa Huth)
Etwas andere Christbaumkugeln aus Meisenthal.

Kurz vor der Jahrtausendwende beschloss die lokale Politik, die Glaskunst wieder aufleben zu lassen. Sie gründete das "Internationale Glaszentrum" (CIAV). Von 1992 an gab's Workshops mit weltweit bedeutenden Designern und Glaskünstlern.

Sieben Jahre später dann wurden die ersten Glaskugeln herausgebracht, noch ganz im traditionellen Stil. Dann wurden die jungen Leute vom Glaszentrum immer wagemutiger. Sie beauftragten jedes Jahr neue Designer, eine außergewöhnliche "Kugel" zu entwerfen. Heraus kamen angebissene Äpfel, eine Glühbirne, eine Wolke, ein Feuerstein oder ein Gewicht, wie man es früher auf die Waage legte. In vielen Farben.

Tausende sammeln die neuen Kreationen

Die Kugeln werden mit althergebrachten Instrumenten hergestellt. (Foto: Lisa Huth)
Die Kugeln werden mit althergebrachten Instrumenten hergestellt.

Und das Publikum zog nach. Jedes Jahr kommen mittlerweile Tausende, schauen von einer Empore aus den Glasbläserinnen und Glasbläsern zu, die die Kugeln wie vor 300 Jahren mit dem Mund blasen und zum Teil uralte Geräte benutzen. Dann stellen sich vor allem Franzosen, aber auch viele Deutsche in die Schlange und warten geduldig, um das neueste gute Stück in Händen zu halten. Ist eine Farbe ausverkauft, wird sie nicht mehr neu her gestellt. Jeder weiß also, er kauft etwas ganz Besonderes.

Christbaumkugel 2018 aus Meisenthal: arti. (Foto: Lisa Huth)
Christbaumkugel 2018: arti, der Artischocke nachempfunden.

Dieses Jahr nennt die Kugel sich "LAB", entwickelt von den Pariser Designerinnen Clara Bellet und Clémence Paillieux. Diese "Kugel" ist einem Reagenzglas nachempfunden. Die Idee dahinter: Die "Alchemie" von Weihnachten: Die Familien kommen zusammen, das Weihnachtsmenü wird sorgfältig zusammen gestellt, es entwickeln sich Beziehungen... Voriges Jahr war es eine in Saarbrücken lebende französische Designerin. Nathalie Nierengarten entwickelte "Arti". Wie der Name schon sagt, war die Vorlage eine Artischocke.

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