Die Jurymitglieder der Langfilmjury beim Max Ophüls Preis 2018 (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Wie bewertet die Jury?

Fee Fehrer   25.01.2018 | 12:23 Uhr

Popcorntüten rascheln und die Saarbrücker Kinosäle füllen sich schon mittags um zwölf: Das Max Ophüls-Festival ist in vollem Gange. Und am Ende der Woche darf ein Filmemacher den Hauptpreis mit nach Hause nehmen. Wer das ist, entscheidet eine fünfköpfige Jury. Die ist bisher positiv angetan.

Im Anschluss an die gemeinsamen Sichtungen der Wettbewerbsfilme setzt sich die Jury zusammen und diskutiert intensiv über die Filme. Bisher waren sich die Kritiker im Anschluss immer ziemlich einig. "Ich habe das Gefühl, wir gucken alle sehr aufmerksam und tauschen uns aus", sagt Jurymitglied und Schauspielerin Susanne Bormann. "Ich schätze die Gespräche mit den Kollegen und mache mir keine Sorgen, der Verantwortung über die große Entscheidung am Ende nicht gerecht zu werden."

Bei den anderen Jurymitgliedern sieht es ähnlich aus – die Anspannung hält sich noch in Grenzen. "Für mich ist das hier kein Druck, sondern ein Privileg", erklärt Jurymitglied Andrew Bird.

Die Langfilmjury beim Max Ophüls 2018

Niveau sehr hoch und ansprechend

Max Ophüls Preis 2018
Vorstellung der Jurys
Wer gewinnt den Hauptpreis? An wen geht der Preis für die beste Filmmusik? Darüber - und über viele andere Preise - entscheiden auch in diesem Jahr wieder sechs Jurys. Wir stellen sie vor.

Und wie kommen die Filme bei der Jury an? "Positiv!", sagt Nicole Gerhards. Sie hat mit der von ihr gegründeten NiKo Film etwa 20 erfolgreiche und preisgekrönte internationale Filme produziert. "Nach den ersten Filmen, die wir gesehen haben, kann man auf jeden Fall bestimmte Themen und wiederkehrende Motive erkennen. Wir empfinden das Niveau bisher als sehr hoch und ansprechend", so die Produzentin.

Ein spezielles Bewertungssystem haben die Kritiker noch nicht entwickelt. Während des Filmeschauens wird die ein oder andere Notiz gemacht, denn schließlich sieht die Jury jeden Film nur einmal. "Um letzten Endes wirklich eine Auswahl treffen zu können, kann es sein, dass wir ein Schema entwerfen werden, um alles zu sortieren", sagt Bormann. Im Wesentlichen seien es aber Gespräche und Diskussionen, die zu einem Ergebnis führen.

Seitenwechsel

Im vergangenen Jahr war sie noch Teilnehmerin im Wettbewerb, in diesem entscheidet Vorjahrssiegerin Monja Art mit darüber, wer den Hauptpreis für den besten Spielfilm abräumen wird. Bei den neuen Ophüls-Filmen schaut sie ganz genau hin. "Drehbuch und Schauspiel müssen stimmen. Ich will sehen, dass jemand tatsächlich was zu erzählen hat", erklärt Art. "Wenn ich den Eindruck habe, es wird zwar etwas behauptet, aber ich fühle es nicht, dann verliert der Film an Qualität."

Nicht die eigene Stimme verlieren

Fragt man die Jurymitglieder nach Tipps für Nachwuchsfilmer, sind sich alle einig: Für junge Filmemacher ist es wichtig, nicht die eigene Stimme zu verlieren. "Einige meiner tollsten Filmerlebnisse stammen von Nachwuchsfilmen", erzählt Bormann. Das seien jedes Mal sehr persönliche Geschichten gewesen. "Selbst wenn man irgendwann vielleicht mal für einen Auftraggeber arbeitet, sollte man seinen eigenen Stil behalten und Themen konsequent zu Ende erzählen."

Mehr Öffentlichkeit für Nachwuchsfilmer

Um Nachwuchsfilmern bessere Chancen auf einen erfolgreichen Karrierestart zu ermöglichen, muss laut Christian Schwochow mehr dafür getan werden, dass die Filme auch außerhalb von Filmfestivals eine Öffentlichkeit bekommen. "Denn hier bei Max Ophüls sehen wir es doch: Fast jede Vorstellung ist ausverkauft, auch schon um zwölf Uhr Mittags. Aber außerhalb eines solchen Festivals gibt es eine komplett andere Realität und da stimmt was nicht, bedauert Schwochow.

Rund um Ophüls 2018
Die großen Abräumer der 39. Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis: "Landrauschen" und "Cops", die jeweils mit drei der begehrten Trophäen ausgezeichnet wurden. Alle Infos zum Festival gibt's hier.

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