Sabine Janowitz  (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Was man gesehen haben sollte: Mittwoch

  23.01.2018 | 20:00 Uhr

Vier Langfilme starten am Mittwoch in den Wettbewerb. Aber auch für viele mittellange und Kurzfilme sowie Dokumentationen wird es ernst. Was besonders sehenswert ist, verrät Kulturredakteurin Sabine Janowitz.


Welchen Spielfilm sollte man unbedingt anschauen?

Wer morgens Zeit hat, und wer das für den Nachwuchs so typische Coming-of-Age-Genre mal richtig gegen den Strich gebürstet sehen will, dem empfehle ich "1000 Arten Regen zu beschreiben" zu besuchen - um 10.15 Uhr im Cinestar 5. Einen Film über einen Pubertierenden zu machen, ohne den Pubertierenden, das ist schon ein echtes Kunststück. Eigentlich ist es auch mehr ein Film darüber, wie die übrigen Familienmitglieder mit der Situation umgehen, dass ihr Sohn/Bruder sich in seinem Zimmer eingeschlossen hat und es nicht mehr verlässt. Männlicher Hauptdarsteller in der Rolle des Vaters ist ein sehr gefühlvoller Bjarne Mädel, der den Fernsehzuschauern als "Tatortreiniger" oder aus der Serie "Stromberg" bekannt ist.

Abends ist die erste Aufführung von "Reise nach Jerusalem", der sehr berührt. Er ist etwas zu lang geraten, aber es lohnt sich, denn er zeigt packend und beklemmend auf, wie schnell qualifizierte, studierte junge Menschen in Deutschland sozial abrutschen können.

Was passiert Spannendes in den anderen Wettbewerbsreihen?

Max Ophüls Preis 2018
Kurzfilme im Wettbewerb

Die Kurzfilmprogramme laufen an. Ich schaue die besonders gerne, denn bei fünf Filmen ist immer einer dabei, der aus dem Rahmen fällt. Programm 1 (17.00 Uhr im CineStar 1) finde ich besonders stark. "Royal Affairs" ist ein toll gemachter, abgedrehter kleiner Sci-Fi-Film. "Emma und die Wut" schwankt zwischen ab- und überdreht. Sehr originell ist "Kugelmenschen", ein Film fast ohne Worte in Stummfilmästhetik. Ein ansprechendes Programm mit Sinn für Fantastik.

Welche Doku würdest Du empfehlen?

Max Ophüls Preis 2018
Dokumentarfilme im Wettbewerb

Mich hat "Germania" beeindruckt, der läuft am Mittwoch spät abends im kino achteinhalb. Regisseur Lion Bischof gelingt es, das Leben einer Studentenverbindung in München von innen zu zeigen. Der Film weckt sehr ambivalente Gefühle und großes Unbehagen, etwa wenn das alte deutsche Studentenlied "Wenn alle untreu werden" gesungen wird, dass im Nationalsozialismus von der Waffen-SS als Treuelied benutzt wurde. Der Regisseur hat sich mit den Zusammenhängen zwischen Burschenschaften und rechten Parteien in Deutschland und Österreich beschäftigt, versucht aber im Film, sich neutral zu verhalten.

Worauf freust Du Dich noch?

Doris Dörrie, die Regisseurin, die in den Achtziger Jahren mit "Männer" die Komödie in deutsche Kinos gebracht hat, präsentiert drei ihrer Filme - unter anderem "Mitten ins Herz", mit dem sie vor dem großen Kinodurchbruch in einem der ersten Max-Ophüls-Festivals den Publikumspreis gewonnen hat. Doris Dörrie ist am Montag bei der Eröffnung, als sie den Ehrenpreis erhielt, so bescheiden und warmherzig aufgetreten, dass ich mich sehr auf die Gelegenheit freue, sie noch einmal persönlich zu erleben.


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