Sabine Janowitz  (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Was man gesehen haben sollte: Freitag

  25.01.2018 | 19:22 Uhr

Nicht nur die Spielfilme im Wettbewerb sind sehenswert - auch die anderen Wettbewerbskategorien haben Filmfans einiges zu bieten. Sabine Janowitz hat sich umgeschaut und gibt für den Festivalfreitag ein paar Empfehlungen.


Welchen Spielfilm sollte man unbedingt anschauen?

Rezension
Cops

Ophüls-Fans wissen, dass es mitten im Festival fast nicht mehr möglich ist, Karten für den Abend zu ergattern. Also heißt es: Spontan freinehmen und mitnehmen was geht! Tagsüber gibt es nämlich gleich mehrere ganz starke Wettbewerbsfilme, bei denen junge Männer im Fokus stehen.

Rezension
Goliath

In "Cops" schießt Polizeirekrut Christoph bei einem Einsatz der Wiener Spezialeinheit WEGA auf einen wehrlosen Mann, der später stirbt. Das Thema "Männerwelt" ist in diesem Film intensiv bearbeitet, aber vor allem ist das ein gut gemachter Krimi, den man gerne sieht.

"Goliath" handelt von einem jungen, sehr verliebten Paar. Als David, gespielt von Sven Schelker,  seine schwangere Freundin nicht vor einem anderen Mann beschützen kann, verändert er sich und seinen Körper bewusst und radikal.

Rezension
Gutland

Ebenfalls sehenswert ist die Leistung von Frederick Lau in "Gutland". Lau ist seit vielen Jahren immer wieder beim Festival zu Gast. In "Gutland" spielt er einen deutschen Kriminellen, der in einem Luxemburger Dorf untertaucht. Langsam kommt er hinter das fürchterliche Geheimnis der Dorfgemeinschaft. Der Film wird in der ersten Hälfte etwas zu langsam erzählt, nimmt aber dann an Fahrt auf und entwickelt seine originelle Geschichte. Die weibliche Hauptrolle spielt die Luxemburgerin Vicky Krieps, deren internationale Karriere gerade richtig an Fahrt aufnimmt – sie hat 2017 in "Der seidene Faden" an der Seite von Daniel Day Lewis die weibliche Hauptrolle gespielt und kann wegen des bevorstehenden Kinostarts leider nicht nach Saarbrücken kommen.

Was passiert Spannendes in den anderen Wettbewerbsreihen?

Max Ophüls Preis 2018
Kurzfilme im Wettbewerb

Im Kurzfilmprogramm 4 ist "Sacrilège" zu sehen, ein interessanter, intensiver Kurzfilm – auch hier geht es um Männerbünde. Saoud ist auf der Straße der Chef; doch dann erfahren seine Buddies, dass er die Moschee bestohlen haben soll. Der schweizerisch-französische Film spielt fast ausschließlich auf einer schönen alten Treppe in St. Etienne – ein wunderbares Bild, die Gang steht mit dem Rücken zum Abgrund. Außerdem freut sich das Kritikerherz, wenn ein Kurzfilm mal wirklich kurz ist und nicht ein verunglückter Langfilm.  

Max Ophüls Preis 2018
Mittellange Filme im Wettbewerb

Wer jetzt keine Karten mehr für die langen Wettbewerbsfilme ergattert, ist vielleicht in einem mittellangen Programm gut aufgehoben. Programm 1 zeigt einen Film über das Filmemachen. Das merkt man relativ schnell, nach einer aufwändig gedrehten Eingangssequenz, die nach großem Spielfilm ausschaut, erklärt die Stimme des Regisseurs, dass er Angst hat, den Anforderungen seiner Professorin an der Filmhochschule nicht zu genügen. Außerdem ist das Budget jetzt leider erschöpft, wegen der teuren Anfangssequenz. Das hört sich vielleicht nach langweiliger Nabelschau an, aber Wunsch und Wirklichkeit werden hier wunderbar vermengt, sehr originell.

Welche Doku würdest Du empfehlen?

"Bruder Jakob schläfst Du noch?" - Wenn man, wie ich, das Ophüls Festival lange begleitet, fühlt man sich zwangsläufig bei manchen Filmen automatisch an die Vorjahre erinnert. Im vergangenen Jahr haben Filmemacher gleich zweimal die eigene Familiengeschichte erzählt – der Tod des Vaters, die Trennung der Eltern. Hier versuchen vier Brüder, den Freitod ihres fünften Bruders zu verstehen und reisen an Orte ihrer Kindheit. Solche Stoffe halte ich für höchst schwierig, denn es fehlt an einer gesunden Distanz, die man eigentlich spätestens im Filmschnitt braucht. Aber das Resultat überzeugt.

Max Ophüls Preis 2018
Dokumentarfilme im Wettbewerb

"Erich und Schmitte" ist ein Film über die Männerfreundschaft zweier alter Schwimmer. Erich ist 86, Hans-Jürgen 20 Jahre jünger, und beide nehmen an internationalen Wettkämpfen teil. Skurril ist, dass Regisseur Stefan Eisenburger den Film nicht selbst fertigstellen konnte – er starb im Urlaub, ausgerechnet bei einem Badeunfall. So begraben die beiden Alten den Jungen – und drei befreundete Filmemacherinnen bringen das Projekt zu Ende.

Worauf freust Du Dich noch?

Ganz klar: Wenn man die Chance hat, einen alten Hasen der Branche live in Saarbrücken zu sehen, ist das auch auf einem Nachwuchsfestival ein Highlight. Mario Adorf ist 87 Jahre alt und immer noch Dauergast im deutschen Fernsehen. Um 18.00 Uhr wird in der camerazwo einer seiner neueren Filme gezeigt: "Der letzte Mentsch" von 2014 - im Anschluss kann man Mario Adorf Fragen stellen.


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