Sabine Janowitz  (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Was man gesehen haben sollte: Donnerstag

  24.01.2018 | 20:00 Uhr

Auch am Donnerstag lohnt sich ein Blick auf die mittellangen und kurzen Filme sowie auf ausgewählte Dokumentationen. Sabine Janowitz hat sich umgeschaut und gibt ein paar Empfehlungen.


Welchen Spielfilm sollte man unbedingt anschauen?

Ganz stark: „Draussen in meinem Kopf“ lässt die Zuschauer völlig vergessen, dass er fast ausschließlich in einem Raum spielt. Sven, 28 Jahre, leidet an der unheilbaren Krankheit Muskeldystrophie und liegt Tag und Nacht in seinem Pflegezimmer. Sven wird von Samuel Koch gespielt, dem deutschlandweit bekannten jungen Mann, der seit seinem Versuch, fahrende Auto zu überspringen, 2010 in der Sendung „Wetten, dass...“ querschnittsgelähmt ist. Was Koch allein mit seinen Gesichtsmuskeln an Nuancen ausdrücken kann, ist mehr als beeindruckend, aber der Film ist auch eine großartige Leistung des Schauspieler-Ensembles, von der Regisseurin und auch der Kamerafrau. Als zweiten Spielfilm empfehle ich einen waschechten Thriller: „Jenseits des Spiegels‘“ ist – auch wegen des Soundtracks – ganz sicher nichts für schwache Nerven.

Was passiert Spannendes in den anderen Wettbewerbsreihen?

Max Ophüls Preis 2018
Kurzfilme im Wettbewerb

Kurzfilmprogramm 2 bietet den wohl einzigen Film im Wettbewerb, der im Saarland entstanden ist: „La Ruche“, auf Deutsch: Die Beute. Es geht um drei Frauen, die als Außenseiterinnen im Wald leben und noch einen fetten Beutezug brauchen, um genügend Geld zu haben. Der Film ist nicht nur an saarländischen Schauplätzen und mit vielen regionalen Filmschaffenden entstanden. Regisseurin Oona Maydell, Tochter der Schauspielerin Sabine von Maydell und des Filmbösewichts Claude Oliver Rudolph, kehrt zurück zu den Wurzeln. Denn sie hat ihre Schulzeit an einer Waldorfschule im Saarland verbracht. Hinter „Squash“ steckt auch eine junge Frau mit saarländischen Wurzeln: Aylin Koeckler ist Mitproduzentin dieses erfrischenden Kurzfilms über die Nöte der jungen Generation Praktikum.

Welche Doku würdest Du empfehlen?

Noch nie haben sich so viele Schauspieler vor der Kamera übergeben müssen, selten gab es mehr Sex und realistisch anmutende Einschusswunden. Bei so viel Schwere im Ophülsfestival kann man sich am Donnerstag auch mal an etwas Kitsch erfreuen. Der Dokumentarfilm: „Kindsein – Ich sehe was, was Du nicht siehst“ erzählt die Welt durch die Augen von vier Kindern: In Tokyo, Havanna, Berlin und Mumbai. Der Film rührt an, die Botschaft ist einfach: Alle Menschen haben dieselben Bedürfnisse, nur die Lebensumwelt erfüllt sie nicht jedem.

Max Ophüls Preis 2018
Dokumentarfilme im Wettbewerb

Sehr gut hat mir „Global Family“ gefallen. Das Flüchtlingsthema ist längst nicht so präsent wie im vergangenen Jahr und auch hier geht es nicht um die aktuellen Flüchtlingsströme. Der Film erzählt die Geschichte einer einst berühmten Familie aus Somalia, die vor Jahrzehnten vor dem Bürgerkrieg im Land floh und seitdem zerrissen und verarmt auf verschiedenen Kontinenten lebt: In Deutschland, Italien und Äthiopien. Nach langen Jahren sehen sie sich wieder, um eine Entscheidung für die 88 Jahre alte Mutter und Großmutter zu treffen. „Global Family“ führt vor Augen, welches Leid den ohnehin Heimatlosen aufgebürdet wird, wenn Familien nicht zusammenleben dürfen.

Worauf freust Du Dich noch?

Das Festival ist an sich als Dreiländerveranstaltung international angelegt und es ist schon lange nicht mehr rein deutschsprachig. Zusätzlich bietet Ophüls in diesem Jahr heute um 12.15 Uhr im CineStar 3 einen Einblick in eine der ältesten Filmausbildungsstätten der Welt: die Hochschule in Lodz, Polen. Dort gibt es eine schöne Mischung von kurzen Spiel- und Animationsfilmen zu sehen.


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