Sabine Janowitz  (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Was man gesehen haben sollte: Dienstag

Sabine Janowitz   22.01.2018 | 20:00 Uhr

Am Dienstag geht das Filmfestival Max Ophüls Preis richtig los. Neben einigen Langfilmen sind auch Dokumentationen, kurz- und mittelange Filme zu sehen. Was am Festivaldienstag besonders sehenswert ist, weiß Kulturredakteurin Sabine Janowitz. Sie hat sich die Filme angeschaut und ein paar Tipps zusammengestellt.


Welchen Spielfilm sollte man unbedingt anschauen?

Spielfilme am Dienstag
Sieben Spielfilme sind am am Dienstag in den Wettbewerb gestartet. Die Rezensenten von SR.de hatten die Gelegenheit, sich die Filme vorab anzuschauen und sich einen Eindruck zu verschaffen.

Ich habe schon eine Karte in der Tasche für die erste Filmvorführung des Festivals nach dem Eröffnungsfilm  – von "Blue my mind" habe ich nur Ausschnitte gesehen, sehr vielversprechend. Bin gespannt, wie man es schafft, dass es realistisch aussieht, wenn einem Mädchen eine Meerjungfrauenflosse wächst! Und zur deutschen Erstaufführung des Films "Vakuum" am Nachmittag kann man die gefragte Film- und Fernsehschauspielerin Barbara Auer treffen. Sie spielt eine Frau, die nach 35 Jahren Ehe erfährt, dass ihr Mann sie nicht nur betrügt, sondern auch mit HIV infiziert hat.

Was passiert Spannendes in den anderen Wettbewerbsreihen?

Bei den mittellangen Filmen empfehle ich Programm 2. Science Fiction als Genre findet sich ja nicht so oft im Nachwuchsfilm, aber in diesem Programm sind es gleich zwei Filme. Vielleicht interessieren sich im Zeitalter von Trump, AFD und technischem Fortschritt doch wieder mehr Filmemacher für die Frage, wie sich unsere Welt im digitalen Zeitalter weiter entwickelt. IOX von Gwendolin Stolz ist ein aufwändig gemachter Film, gedreht in München. Er führt ins Jahr 2030 und in eine Zeit, in der die Menschen sich Roboter als Sklaven halten, die auf den ersten Blick nicht von Menschen zu unterscheiden sind. Sie sind die neuen Feinde der rechten Bürgerwehren. Der zweite Film führt in eine feindselige Welt. Ein Mann, ehemaliger Reichsbürger, lebt mit Tochter und Sohn versteckt in einem Bunker im Wald. Mit seiner Armbrust schießt er einen Fremden an – für das Mädchen zunächst Hoffnung, dem Zuhause zu entfliehen. Doch dann geht es düster und bedrückend weiter.

Welche Doku würdest Du empfehlen?

Die Wettbewerbsfilme
Über 60 Wettbewerbsfilme flimmerten während der Festivalwoche über die Kinoleinwände. Hier gibt es Rezensionen der Spielfilme, Tipps von SR-Kulturredakteurin Sabine Janowitz, Interviews aus der SR Lounge und Infos zu allen nomierten Filmen.

Am Abend stehen zwei beeindruckende Dokumentarfilme auf dem Programm, die sich interessanterweise mit ähnlichen Themen beschäftigen. Es geht um Pflege, darum, wie wir westlichen reichen Länder mit dem Thema Pflegenotstand umgehen. Wir locken ja nicht nur Ärzte aus Ländern wie Rumänien systematisch nach Deutschland; offenbar gibt es das auch im Pflegebereich. "Farewell Yellow Sea" erzählt die Geschichte einiger junger chinesischer Frauen, die in ein Dorf im Schwarzwald geholt werden, um dort Altenpflegerinnen zu werden. Der Film erzählt ganz leise von unterschiedlichen Erwartungen: die Deutschen wollen ihre Lücken stopfen und hoffen, dass die Frauen nach der Ausbildung bleiben, und die Mädchen glauben, dass sie später im eigenen Land helfen können, denn auch in China fehlt es an Pflegerinnen. Da geht es also um den Import von Menschen – in "Dorf der Vergesslichen" ist es umgekehrt, da exportiert Europa demente Alte nach Thailand, um sie dort rund um die Uhr pflegen zu lassen. Beide Filme kommen ganz ohne erhobenen Zeigefinger aus und sind sehr berührend und zutiefst menschlich.

Worauf freust Du Dich noch?

Das Ophüls-Festival ist ein Ort, wo nicht nur Filme um Preise ringen, sondern wo Filmschaffende sich begegnen und gemeinsam über das Kino und Filmemachen philosophieren. In diesem Jahr befasst sich das Festival in der Reihe MOP-Visionen mit der Frage, ob Innovation eigentlich noch im Kino stattfindet oder nicht längst im Internet. Webserien heißt das Stichwort, und am Abend zeigt Lea Becker im camerazwo fünf kurze Episoden von "Hit and Run".  Sie war übrigens schon einmal ganz konventionell mit ihrem Kurzfilm „Jenny“ zu Gast beim Festival. Vergangene Woche war sie noch mitten in einer Produktion in Köln und hat sich kurz für eine Skype-Schalte mit unserer Wir im Saarland-Kulturreporterin Susanne Kirchhofer Zeit genommen.

Dort hat sie über die Vor- und Nachteile gesprochen, und wie das Arbeiten für Filme, die auf Smartphones angeschaut werden, das Drehen verändert. Wer sich also für die Zukunft des Filmemachens interessiert, findet in der camerazwo eine höchst interessante Gesprächspartnerin.


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