Zauberer (Foto: Superfilm Productions GmbH)

Zauberer

Eine Rezension von Katrin König   23.01.2018 | 20:00 Uhr

Ein entführter Junge, ein Ehepaar mit dunklem Geheimnis, eine Mutter mit krankem Kind - viele kleine Geschichten werden in diesem düsteren Film erzählt, die alle mehr oder weniger zusammenhängen. Was sie verbindet, ist Einsamkeit.

Bewertung: Eins von drei Herzen

Manchmal hat ein Dummer-Jungen-Streich weitreichende Konsequenzen. In "Zauberer" führt er dazu, dass ganz unterschiedliche Menschen plötzlich irgendwie miteinander verbunden sind. Aber fangen wir vorne an: Manuela klaut eine Schallplatte, Ullrich erklärt seiner blinden Freundin das Aussehen einer Verkäuferin. Die Schulkrankenschwester Evelyn wird gefeuert. Drei Jungs verschaffen sich Zugang in eine Striptease-Bar. Einer der drei, Marcel, hinterlässt auf der Klowand seine Telefonummer und den Namen "Suzy". All das geschieht mehr oder weniger parallel.

Annamaria, Manuelas Freundin, kümmert sich um ihren Sohn, der im Wachkoma liegt. Für den Abend hat sie ein Date mit Callboy Jürgen ausgemacht. Die Alleinstehende und jetzt arbeitslose Evelyn entführt den jungen Schüler Tommy, weil sie nicht mehr alleine sein möchte. Marcel bekommt derweil einen Anruf von jemandem, der "Suzy" sprechen möchte und Ullrich entdeckt beim Abendspaziergang den am Fenster stehenden, weinenden Tommy. Nach und nach führen alle Geschichten und Schicksale mehr oder minder zusammen - und außerdem wartet noch eine gleichermaßen grausige Überraschung auf den Zuschauer.

Ein bisschen mehr Verzicht...

Einsamkeit und die Suche nach einer Lösung sind das zentrale Moment, das - über die arg konstruierte Handlung hinaus - alle Personen in "Zauberer" verbindet. Schön ist die Auswahl der Musik und deren wiederkehrender Einsatz. Ein zentrales Stück, dessen fröhlicher Rhythmus und beschwingte Melodie im krassen Kontrast zum Thema des Films stehen, ist dabei "Ce petit cœur" von Françoise Hardy.

Regisseur Sebastian Brauneis möchte mit seinem Erstling sehr viel. Dabei verliert er sich streckenweise in Details, auf die man zugunsten einer strafferen Erzählweise gut hätte verzichten können. Denn auch die Figuren bleiben dabei auf der Strecke. Obwohl der Film mit 113 Minuten recht lang geraten ist, können sie wegen der vielen Parallelhandlungen nur angerissen werden.

"Kill your darlings" - heißt es häufig dann, wenn man sich von zwar liebgewonnenen, aber überflüssigen Inhalten trennen soll, damit am Ende das Beste herauskommt. Bei "Zauberer" hätte man ruhig an der ein oder anderen Stelle noch ein wenig mehr wegnehmen dürfen.

Regie: Sebastian Brauneis
Österreich 2018


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