Sahra spiel einen Werwolf (Foto: Intermezzo Films)

Sarah spielt einen Werwolf

Eine Rezension von Felicitas Fehrer   22.01.2018 | 20:00 Uhr

Die 17-jährige Sarah war schon immer eine Außenseiterin. Von ihrer Familie und ihren Mitschülern fühlt sie sich unverstanden. Aber auf der Theaterbühne kann sie sich wirklich ausleben. Dort vergisst sie alles um sich herum und scheint sich selbst völlig in dem Charakter aufzulösen, den sie spielt. Diese Leidenschaft geht irgendwann in eine Art Trance über, mit der sie ihr Umfeld in Angst und Schrecken versetzt – auch außerhalb der Bühne.

Bewertung: 2 von 3 Herzen

Seit ihr großer Bruder aus dem gemeinsamen Elternhaus ausgezogen ist, ist Sarah völlig auf sich allein gestellt. Von ihrer Familie fühlt sie sich eingeengt, von ihren Freunden unverstanden. Ihrem Bruder gegenüber entwickelt sie eine unterschwellige Wut, weil sie sich von ihm im Stich gelassen fühlt. Um nicht völlig zu vereinsamen, erfindet sie einen imaginären Freund namens Luke, von dem sie jedem erzählt, er habe sich das Leben genommen, und sie wolle es ihm gleich tun.

Der einzige Ort, an dem sie aus sich herauskommen kann, ist die Schultheatergruppe. Doch während der Proben spielt sich Sarah in eine Art Trance, die sie auch in ihrem Alltag nicht mehr ablegt. Ihre exzessiven Inszenierungen werden immer öfter zu unberechenbaren Ausbrüchen, die ihr Umfeld in Angst und Schrecken versetzen.

Traurige Geschichte - unglaubwürdige Inszenierung

Die Geschichte von Sarah ist traurig, aber durch ihre Inszenierung leider auch ziemlich unglaubwürdig. Spätestens, als Sarah bei der Generalprobe eine Art Anfall bekommt und plötzlich anfängt, wie ein Tier zu fauchen und eine Mitschülerin zu beißen, wird es dann grenzwertig.

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Durch die verstrickten Handlungsstränge passiert es öfter, dass der Zuschauer nicht folgen kann. So bleiben viele Fragen offen und einige Szenen sowie Ortswechsel wirken verwirrend. Die Produzenten scheinen großen Wert darauf gelegt zu haben, den Film durch besondere Perspektiven, wie verzerrte Spiegelungen und Hell-Dunkel-Kontraste, besonders künstlerisch zu gestalten.

Merkwürdige zwischenmenschliche Verhältnisse

Auch die Verhältnisse zwischen den einzelnen Charakteren erschließen sich nicht ganz. Da ist der belesene Vater, der seine Tochter zur Theaterkunst hin erzogen hat. Das Verhältnis zwischen den beiden wirkt zunächst leicht unterkühlt und professionell, aber dennoch harmonisch. Dann wird es aber merkwürdig, als der Vater seine Tochter einmal leidenschaftlich am Hals küsst und danach lustvoll stöhnt. Auch skurril: Als Sarah ihrem Vater erzählt, dass sie plant, sich umzubringen, wirkt er keineswegs schockiert, sondern fast schon gleichgültig und belächelnd.

Die Hauptdarstellerin schafft es, während des ganzen Films ihre melancholische Ausstrahlung beizubehalten und der Zuschauer kauft ihr ihre Traurigkeit ab. Vor allem die Szenen, in denen sie vor Wut und Schmerz schreit, gehen unter die Haut. Trotz einiger Fragwürdigkeiten zieht der Film nicht einfach spurlos am Zuschauer vorbei – in jedem Fall hinterlässt er einen bitteren Nachgeschmack.

Regie: Katharina Wyss
Deutschland, Schweiz 2017

Spielfilme im Wettbewerb
16 Produktionen treten in der kommenden Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis in der Kategorie "Spielfilm" an. Die Hälfte der Filme wird in Saarbrücken uraufgeführt, die andere Hälfte sind deutsche Erstaufführungen. Insgesamt werden in dieser Kategorie sieben Preise vergeben.

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