Landrauschen (Foto: Landrauschen-Film)

Landrauschen

Eine Rezension von Felicitas Fehrer   22.01.2018 | 20:00 Uhr

Von der Metropole Berlin zurück ins ländliche Heimatdorf: Toni befindet sich inmitten einer Selbstfindungsphase. Als sie der lebensfrohen Rosa begegnet, scheint alles noch chaotischer zu werden. Regisseurin Lisa Miller erzählt eine Geschichte von Mut, Intoleranz, Sinnkrisen und einem gebrochenen Herz. Ein sehenswerter Film, dem ein kleines bisschen mehr Struktur gut getan hätte.

Bewertung: 1 von 3 Herzen

Video [SR.de, 24.01.2018, Länge: 04:51 Min.]
Landrauschen: "Dekonstruktion des Heimatfilms"
Mit Lisa Miller (Regie), Kathrin Wolf und Nadine Sauter hat ein Teil des Teams von "Landrauschen" den Weg in die Lounge gefunden. Darin geht es um Liebe und Freundschaft, um die Unterschiede zwischen Stadt- und Landleben und um die eigene Identität.

Toni ist in einem 20-Seelen-Dorf aufgewachsen. Genervt von der Engstirnigkeit und dem Landleben hat es sie in das aufregende Berlin verschlagen, um sich selbst zu verwirklichen. Doch das will nicht so wirklich klappen – deswegen kehrt sie nach einigen Jahren wieder in ihr kleines Heimatdorf zurück. Dort trifft Toni auf Rosa, die sie noch aus ihrer Kindheit kennt. Zwischen den beiden entsteht eine aufregende Freundschaft voller Partyexzesse und intensiver Gespräche. Doch die Probleme lassen nicht lange auf sich warten – denn die beiden jungen Frauen entwickeln sich in verschiedene Richtungen.

"Landrauschen" unter der Regie von Lisa Miller ist ein intensiver Film, der viele verschiedene Themen gleichzeitig behandeln möchte – eventuell ein paar zu viele. Da wäre zum einen die von innerer Zerrissenheit geplagte Toni mit der pinken Mähne, dann die von der Gesellschaft verspottete Rosa, die Mutter mit dem Alkoholproblem und der Pfarrer mit seinem dunklen kleinen Geheimnis. Und dazu, völlig unpassend, zwei Polizisten, deren humoristische Rolle als dümmliche Faulenzer noch überspitzter nicht hätte dargestellt werden können.

Überfordernd durch viele Einzelgeschichten

Audio [SR 2, 26.01.2018, Länge: 03:24 Min.]
SR 2-Filmtipp: "Landrauschen"

Das Besondere an diesem Film ist weniger die Story an sich, sondern die Art, wie Miller sie erzählt. Allerdings wirken all die ungeklärten Charakter- und Comedy-Einschübe etwas überfordernd, weil viele kleine Einzelgeschichten entstehen, von denen aber inhaltlich und stilistisch keine wirklich zu Ende erzählt wird. Dem Film hätten weniger Handlungsstränge, die dafür mehr in die Tiefe gehen, gut getan.

Manche Dialoge wirken authentisch, andere flach und aufgesagt. Schnitt und Kamera sowie die Farbgebung des Bildes sind durchgehend angenehm. Interessant sind vor allem die Stilbrüche, die durch den Einsatz von Effekten wie Slow Motion und der musikalischen Untermalung mit dumpfen Tönen entstehen.

Alles in allem ein sehenswerter Film, dem etwas mehr Struktur gut getan hätte.

Regie: Lisa Miller
Deutschland 2018

Spielfilme im Wettbewerb
16 Produktionen treten in der kommenden Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis in der Kategorie "Spielfilm" an. Die Hälfte der Filme wird in Saarbrücken uraufgeführt, die andere Hälfte sind deutsche Erstaufführungen. Insgesamt werden in dieser Kategorie sieben Preise vergeben.

Artikel mit anderen teilen