Jenseits des Spiegels (Foto: Eike Zuleeg)

Jenseits des Spiegels

Eine Rezension von Rick Reitler   23.01.2018 | 20:00 Uhr

Dass gutes Genrekino auch aus Deutschland kommen kann, beweisen Regisseur Nils Loof und seine beiden Drehbuchautoren Ingo Lechner und Jens Pantring mit ihrem stilsicheren Gothic-Horrorstreifen „Jenseits des Spiegels“. Schade nur, dass es in Norddeutschland keine britischen Herrenhäuser gibt…

Bewertung: 3 von 3 Herzen

Video [SR.de, 24.01.2018, Länge: 05:35 Min.]
Jenseits des Spiegels: Thriller mit Horrorfunktion
Mit "Jenseits des Spiegelsl" hat es ein waschechter Psychothriller in den Langfilmwettbewerb geschafft. Bei Simin und Holger hat er genau das ausgelöst, was Regisseur Jens Loof und Hauptdarstellerin Julia Hartmann erreichen wollten: Grusel.

Die Grafikerin Julia (Julia Hartmann) verschlägt es zusammen mit ihrem Mann Felix (Bernhard Piesk) und Sohn Niko (Oskar von Schönfels) von München aufs platte Land im Norden Deutschlands. Ihr neues Zuhause ist ein heruntergekommener Waldbauernhof. Den hat Julia gerade erst von ihrer Zwillingsschwester Jette geerbt, die hier brutal zu Tode kam. Die Umstände des Leichenfundes lassen vermuten, dass Jette ihrem Leben wohl selbst ein Ende bereitet hat: Offensichtlich hatte sich die talentierte Künstlerin in irgendeinen teuflischen Wahn hineingesteigert. Von ihrer Panik künden die vielen Kruzifixe, Rosenkränze, Heiligenbilder und gemalten Hilferufe, mit denen Jette die Wände des Anwesens tapeziert hatte.

Stimmen, böse Geister und Exorzismen

Spätestens, als Sohn Niko durchnässt, apathisch und mit blauen Flecken am Ufer eines Teichs im nahen Wald gefunden wird, ohne glaubhaft erklären zu können, was ihm widerfahren ist, beginnt auch Julia daran zu glauben, dass im dunklen Moor nicht alles mit rechten Dingen zugehen kann.

Regisseur Loof und sein Team ziehen alle Register des klassischen Gothic-Movies, um ihrem Publikum im Kinosessel Angst einzujagen.

Wie so etwas funktioniert, haben sie beim Studium ihrer einschlägigen Vorbilder – von Robert Wises "Bis das Blut gefriert" (USA/GB 1963) über "Das geheime Fenster" von David Koepp (USA 2004) und "Der verbotene Schlüssel" (USA 2005) bis zu Jennifer Kents "Babadook" (USA 2014) - offensichtlich bestens verinnerlicht. Sie zitieren in "Jenseits des Spiegels" jedenfalls so gut wie alles, was der Fan von einer Geisterhaus-Spukstory erwarten kann: Da gibt es neben dem unheimlichen Gemäuer, das seine Bewohner mit Klopfgeräuschen und unerklärlichen Stromausfällen zu verspotten scheint, auch geheime Kammern auf dem Dachboden, Gerüchte um böse Geister und Exorzismen, eine bibelfeste Nachbarin, unheimliche Stimmen aus dem Radio und natürlich das schlimmste Horrormotiv von allen: Die Einsamkeit des Wissenden, dem aber selbst die engsten Vertrauten nichts mehr glauben mögen.

Spannender Film mit bemerkenswerter Pointe

All das verweben Loof und sein Team derart gekonnt und spannend zu einem fantastischen, straff erzählten Genrefilm mit bemerkenswerter Pointe, dass man sich durchaus fragen kann, ob Hollywood sich wohl schon um das Drehbuch bemüht hat, um die Geschichte für das weltweite Publikum zu verfilmen. Was auch gar nicht schlecht wäre, denn, um ehrlich zu sein: Eine brillante Gruselgeschichte dieser Art käme in einem englischen Landsitz, einer Villa in Maine oder einem Herrenhaus in den US-Südstaaten optisch einfach noch besser rüber.

Regie: Nils Loof
Deutschland 2017

Spielfilme im Wettbewerb
16 Produktionen treten in der kommenden Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis in der Kategorie "Spielfilm" an. Die Hälfte der Filme wird in Saarbrücken uraufgeführt, die andere Hälfte sind deutsche Erstaufführungen. Insgesamt werden in dieser Kategorie sieben Preise vergeben.

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