Goliath (Foto: Cognitofilms)

Goliath

Eine Rezension von Felicitas Fehrer   23.01.2018 | 20:00 Uhr

Die Liebe des jungen Paares Jessy und David wird auf eine harte Probe gestellt, als Jessy ungeplant schwanger wird. David ist mit der Situation völlig überfordert und gerät in Panik. Als die beiden eines Abends in der S-Bahn angegriffen werden und David seine schwangere Freundin nicht beschützen kann, trifft er eine gefährliche Entscheidung, die sein Leben von Grund auf ändert.

Bewertung: 1 von 3 Herzen

Weil sich David (Sven Schelker) nicht Manns genug fühlt, um seine junge Familie zu beschützen, greift er zu Anabolika und beginnt mit exzessivem Krafttraining. Schon bald verbringt er mehr Zeit im Fitnessstudio als zu Hause bei seiner schwangeren Freundin Jessy (Jasna Fritzi Bauer).

Spürbare Wandlung des Hauptcharakters

Video
Goliath: "Redet miteinander!"
Ein Mann zu sein ist nicht immer ganz leicht. Regisseur Dominik Locher erzählt in "Goliath" die Geschichte von David - einem Mann, der auf der Suche ist. Nach Balance, nach sich selbst. José Barros übernimmt darin die Rolle eben jenes Davids und erklärt, warum klare Kommunikation so elementar ist.

Am Anfang geben ihm die neu gewonnenen Muskeln Selbstvertrauen – doch die Steroide haben auch eine Kehrseite: David wird immer unberechenbarer und aggressiver und dadurch zur Bedrohung für Jessy und das ungeborene Kind.

Die Entwicklung, die David im Lauf des Films durchmacht, wird deutlich spürbar. Vergleicht man sein anfängliches Auftreten mit seiner "Endversion", stellt man nicht nur einen optischen Unterschied fest, sondern auch eine völlig neue Körpersprache. Er bewegt sich anders, seine Mimik ist verändert und er wirkt aggressiv.

Allerdings ist nicht nur David schwer einschätzbar. Auch seine Freundin Jessy, gespielt von Jasna Fritzi Bauer, wirkt sprunghaft und undurchsichtig. Sobald der Zuschauer beginnt, eine gewisse Sympathie für sie zu entwickeln, greift sie zur Flasche und betrinkt sich trotz Schwangerschaft oder ist einfach zickig und derb.

Anstrengender Wechsel zwischen Harmonie und Aggression

Da beide Hauptcharaktere ständig ihre Launen ändern, fällt es schwer, eine Bindung zu einer der Figuren aufzubauen. Die Nebenfiguren werden kaum eingeführt und tauchen nur sehr kurz auf. Nie aufgeklärt wird beispielsweise, warum das Verhältnis zwischen Jessy und ihrem Stiefvater so angespannt ist. Mit solchen Fragen wird der Zuschauer allein gelassen.

Der ständige Wechsel zwischen Harmonie und Aggression mag realistisch sein, ist für den Zuschauer allerdings auch anstrengend.

Was die technische Umsetzung betrifft, versteht das Filmteam den Einsatz von Musik als Erzeuger von Atmosphäre. So kommt immer dann schnelle, unruhige Musik zum Einsatz, wenn David mal wieder die Kontrolle verliert. Das ruft beim Zuschauer Stress hervor, ist aber vielleicht genau deswegen gut umgesetzt. In genau solchen Situationen wird die Stimmung durch schnelle Schnitte untermalt.

Die Botschaft des Films ist klar und deutlich - der erhobene Zeigefinger nicht zu übersehen - Steroide können Leben zerstören.

Regie: Dominik Locher
Schweiz 2017

Spielfilme im Wettbewerb
16 Produktionen treten in der kommenden Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis in der Kategorie "Spielfilm" an. Die Hälfte der Filme wird in Saarbrücken uraufgeführt, die andere Hälfte sind deutsche Erstaufführungen. Insgesamt werden in dieser Kategorie sieben Preise vergeben.

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