Cops (Foto: Golden Girls Filmproduktion)

Cops

Eine Rezension von Martin Breher   24.01.2018 | 20:00 Uhr

Was geht in einem Polizisten vor, nachdem er einen Menschen erschossen hat? Dieser Frage versucht "Cops" nachzugehen. Der Film bleibt trotz atmosphärischer Bilder leider erwartbar und oberflächlich.

Bewertung: 1 von 3 Herzen

Ruhestörung in einem Hochhausblock in Wien. Die Streifenpolizisten, die von den Anwohnern gerufen wurden, können den psychisch kranken Mann nicht dazu überreden, seine Stereoanlage leiser zu drehen. Was also tun? In Wien jedenfalls ruft man dann die WEGA, die Spezialeinsatztruppe der Polizei, vergleichbar mit der deutschen GSG 9. Und auch wenn denen der Ruhestörer einfach die Tür vor der Nase zuschlägt, wissen sich die Jungs zu helfen. Mit einem Rammbock.

Vom Lebensretter zum Wrack

Der normale Bürger mag dem Ruhestörer vielleicht sogar nachsehen, wenn er in dieser Situation mit dem Messer hinter der Tür wartet. Für die WEGA-Polizisten kommt dies offenbar so unerwartet, dass man den psychisch Kranken mit fünf Schüssen in den Körper außer Gefecht setzt. Christoph (Laurence Rupp) - so heißt der mutige Schütze - wird nun von seinen Kameraden gefeiert und sieht sich selbst zunächst als Lebensretter. Bis dann die ersten Zweifel kommen, Flashbacks, Panikattacken. Schließlich die Suspendierung vom Job, der Griff zur Flasche, körperliche Gewalt, das Ende der Beziehung.

Leider ist das alles in etwa so vorhersehbar wie in einem durchschnittlichen Sonntagabend-Tatort. Nur dass dort zumindest immer noch ein aktueller Fall gelöst werden muss, was das Ganze zumindest halbwegs spannend macht. Da hilft auch das bisschen Polizei-Kritik nicht, das in "Cops" steckt, denn auch die ist so erwartbar, wie man es aus jedem austauschbaren Fernsehkrimi kennt: Die Kungelei beim Disziplinarverfahren, die Überreaktion der Polizei bei einfachen Bagatell-Geschichten, der Verstoß gegen Dienstvorschriften und später ein wenig Selbstzweifel der Polizisten an der Rechtmäßigkeit ihres Verhaltens.

Film kratzt nur an der Oberfläche

In einem Interview verriet der österreichische Regisseur Stefan A. Lukacs, der bereits einen Kurzfilm über die WEGA gedreht hat ("Void", 2012), seine Intention zum Film: "Die Frage: Wie funktionieren Polizisten unter sich in ihrem Mikrokosmos? Das hat mich fasziniert", sagt er. Die versuchte Antwort im Film kratzt aber nur an der Oberfläche: Man deckt sich gegenseitig und wenn das nicht mehr funktioniert, dann erpresst man den anderen eben. Vielleicht funktioniert das bei der Polizei ja wirklich so. Der normale Zuschauer wird es wahrscheinlich nie erfahren. Aber selbst wenn es so wäre, wäre das ein Skandal? Oder doch nur ein völlig normaler Prozess, der aus der Gruppendynamik entsteht?

Positiv herausragend ist Schauspieler Laurence Rupp in der Rolle des Schützen, der mit dem gigantischen Haufen an Emotionen bestens umzugehen weiß. Der Rest des Ensembles spielt souverän, aber aufgrund der Handlung bleiben die Charaktere dennoch blass. Schade eigentlich.

Regie: Stefan A. Lukacs
Österreich 2017

Spielfilme im Wettbewerb
16 Produktionen treten in der kommenden Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis in der Kategorie "Spielfilm" an. Die Hälfte der Filme wird in Saarbrücken uraufgeführt, die andere Hälfte sind deutsche Erstaufführungen. Insgesamt werden in dieser Kategorie sieben Preise vergeben.