Blue My Mind (Foto: Telefilm)

Blue my Mind

Eine Rezension von Markus Person   23.01.2018 | 18:31 Uhr

Coming of Age in der Schweiz: Die 15-jährgie Mia (Luna Wedler) ist mit ihren Eltern an den Stadtrand von Zürich gezogen. An der neuen Schule versucht sie, sich mit den „Coolen“ auf dem Pausenhof anzufreunden. Und während sie sich ihren Platz erkämpft, wartet ein neuer, unbekannter Feind auf sie: die eigene Pubertät.

Bewertung: Zwei von drei Herzen

Video [SR.de, 24.01.2018, Länge: 03:41 Min.]
Blue my mind: "Realistisch, aber dennoch sinnlich"
"Welche Geschichte würdest du erzählen, wenn es nicht dein erster, sondern dein letzter Film wäre?", so die Frage des Ehemanns von Regisseurin Lisa Brühlmann. Und damit stand die Idee zu "Blue my mind", verrät sie im Gespräch mit Simin und Holger. Zoe Pastelle übernimmt in dem Film eine Nebenrolle, mit der sie sich von Beginn an identifizieren konnte.

Ruhig und gelassen startet der Film mit den bewährten Regeln eines Coming-of-Age-Dramas. Mia, die die Pubertät und die damit verbundenen Änderungen von Körper und Geist mit voller Wucht trifft, möchte mit den angesagten Typen der Schule abhängen. Mit ihnen zieht sie um die Häuser, begeht kleinere Diebstähle, probiert Drogen.

Gleichzeitig jedoch verwandelt sich ihr Körper auf mysteriöse Art, sie scheint nach und nach in etwas Fisch-Gleiches zu mutieren. Je stärker die Wandlung voranschreitet, desto härter feiert sie, betäubt sich mit Alkohol und Sex. Die Konflikte mit ihren Eltern, Freunden und ihrem eigenen Körper, (scheinen zu) eskalieren. Doch als alles verloren erscheint, beginnt Mia, sich selbst zu akzeptieren. 

Der Horror der Pubertät - visualisiert 

Während Mias Wandlung zur Frau beziehungsweise zu einer Nixe bleibt die Kamera immer dicht an der Protagonistin. Und die beeindruckt mit ihrem ausgereiften Spiel. Es gelingt der 18 Jahre alten Schauspielerin Luna Wedler, den Horror der Pubertät eindrücklich zu visualisieren. Ob es die Streitszenen mit den Eltern sind, die Drogen- und zum Teil auch Sex-Exzesse, immer ist sie präsent, authentisch. Dazu untermalt ein kräftiger Sound die wilden Filmszenen, die ruhigen Momente bestechen mit klarer Umgebungsakustik.  

Die SR-Talks am Dienstag

Kafkaeske Verwandlung

Video [SR.de, 24.01.2018, Länge: 03:39 Min.]
Luna Wedler: "Ich war Mia"
In "Blue my mind" übernimmt die 18-jährige Luna Wedler die Rolle der Mia, die sich in eine Meerjungfrau verwandelt. Warum Mia gar nicht mal so weit von ihr selbst entfernt ist, hat sie Simin und Holger verraten.

Das Coming-of-Age und die damit einhergehende Wandlung des eigenen Körpers stellt Regisseurin Lisa Brühlmann kafkaesk dar. Die Transformation von Mias Körper in den einer Meerjungfrau ist radikal – und wie sich Mia dagegen wehrt, sich selbst schadet und verletzt, lässt sich zeitweise nur schwer ertragen. Um das Unaufhaltsame zu stoppen, wird geschnitten, geritzt und die Wunden verbunden.

Mit Blue My Mind ist Machern und Darstellern ein intensiver und sehenswerter Film gelungen. Selten wurden die Vorgänge der Pubertät, der „Schmerz“ des Erwachsenwerdens und schlussendlich die Akzeptanz (des Ichs) auf solch einprägsame Weise dargestellt. Bei der ein oder anderen Szene dürfte dem Zuschauer das Grausen kommen – oder vielleicht die Erinnerung an die eigene Pubertät.

Regie: Lisa Brühlmann
Schweiz 2017


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