ANGST (Foto: M-V Studios)

Angst

Eine Rezension von Katrin König   22.01.2018 | 20:00 Uhr

Krasse schwarz-weiß Kontraste, viel Schatten, wenig Licht, fantastische Elemente – und eine Story, die auf der einen Seite zwar sehr nachvollziehbar, auf der anderen Seite jedoch vollkommen absurd ist. Wem experimentelle Avantgardefilme liegen, der kommt bei "Angst" voll auf seine Kosten. Alle anderen werden sich schwer tun.

Bewertung: Eins von drei Herzen

Ein männliches Wesen in Menschenform, das als Agent von einer irdischen Entdeckungsreise zurückkehrt, berichtet über seine Erfahrungen auf der Erde und mit den Menschen. Dort hat es sich in Keyvan verliebt und eine komplizierte Beziehung mit ihm begonnen. Je mehr Emotionen und Vertrauen das Wesen, dem das Gefühl "Liebe" eigentlich verboten und daher fremd ist, in die Beziehung investiert, desto abweisender und schlussendlich auch verletzender wird der menschliche Keyvan. Mit gerade entdecktem und schon gebrochenem Herzen kehrt das Wesen von seiner Mission zurück und beginnt seinen Rapport.

Eigentlich hat Vladislav Yö mit seinem Spielfilm-Erstling ein zugleich urmenschliches wie auch uraltes Thema aufgegriffen: Die Angst, Gefühle preiszugeben, die Angst zu Vertrauen, die Angst, sich voll und ganz einer Beziehung hinzugeben, die Angst zu lieben und verletzt zu werden. Dabei hat er sich allerdings dazu entschieden, die Rahmenhandlung an einem fremden Ort fernab von Raum und Zeit stattfinden zu lassen. Seinen Bericht legt das Wesen gegenüber der höchst skurrilen Frau Dr. Oberhaupt ab, die, ständig flankiert von ihrer Assistentin, im Laufe des Films immer mehr verzweifelt ob der Verfehlung ihres Agenten, menschliche Gefühle zu entwickeln und sich der Liebe hinzugeben. Einer Liebe, an der er schließlich zerbricht.

Weniger wäre mehr gewesen

Immer wieder zeigen Rückblenden die Entwicklung der Beziehung der beiden Männer. In diesen Phasen des Films ist "Angst" durchaus nachvollziehbar, die Gespräche und Probleme scheinen vertraut. Die bedrückend düstere Atmosphäre, das nur sehr spärlich vorhandene Licht, die teils bedrohlich wirkende Musik und die surrealistische Rahmenhandlung verlangen dem Zuschauer allerdings von Beginn an eniges ab. Richtig schräg und verstörend wird es aber, als auch noch fantastische Elemente im Film auftauchen, die extrem überfrachtet sind und sowohl von der Umsetzung als auch von der Botschaft wie ein Fremdkörper innerhalb des Werks wirken.

Viel Schatten, wenig Licht – nicht nur was die Optik betrifft. Zu wenig Licht, als dass der Film beim breiten Publikum gut ankommen wird. Schade, denn das zugrundeliegende Thema ist gut.

Regie: Vladislav Yö
Deutschland 2018


Max Ophüls Preis 2018
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16 Produktionen treten in der kommenden Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis in der Kategorie "Spielfilm" an. Die Hälfte der Filme wird in Saarbrücken uraufgeführt, die andere Hälfte sind deutsche Erstaufführungen. Insgesamt werden in dieser Kategorie sieben Preise vergeben.

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