Sabine Janowitz  (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Was man gesehen haben sollte: Dienstag

Sabine Janowitz   23.01.2017 | 20:00 Uhr

Am Dienstag geht das Filmfestival Max Ophüls Preis richtig los. Neben einigen Langfilmen sind auch Dokumentationen, kurz- und mittelange Filme zu sehen. Was am Festivaldienstag besonders sehenswert ist, weiß Kulturredakteurin Sabine Janowitz. Sie hat sich die Filme angeschaut und ein paar Tipps zusammengestellt.

Dieses Jahr sind so viele Regisseurinnen und starke Frauenrollen im Ophüls-Wettbewerb wie noch nie: Elf von 16 Langfilmen wurden von Frauen gemacht. Gleich am ersten Tag feiert "Club Europa" seine Uraufführung. Der Film erzählt die Geschichte einer Berliner WG, die einen Flüchtling bei sich aufnimmt. Als Samuel abgeschoben werden soll, müssen die freundlichen Helfer entscheiden, wie weit sie in ihrem Engagement gehen. Die Regisseurin Franziska M. Hoenisch hat in Saarbrücken übrigens fast ein Heimspiel, sie stammt aus Zweibrücken.

"Bilder von Flo" & "Er Sie Ich"

Gleich zwei Filme im Wettbewerb Dokumentation beschäftigen sich mit dem Eltern-Kind-Verhältnis. In "Bilder vom Flo" sucht eine Familie nach dem wahren Ich des Vaters und Ehemanns, der mit Ende 50 beim Joggen einen tödlichen Herzinfarkt erlitt. Wie die beiden Söhne gemeinsam mit dem Filmemacher nach und nach dem dunklen Geheimnis des Vaters näherkommen, ist spannend erzählt. Für manchen im Saarland wird dieser Film eine Wiederbegegnung: Flo hieß Florian Lindemann und arbeitete in den 1990er Jahren als Radiojournalist bei SR2 KulturRadio.

In "Er Sie Ich" befürchtete ich zunächst eine langweilige Nabelschau. Die Regisseurin erzählt einen Teil ihrer eigenen Lebensgeschichte, indem sie ihre Eltern interviewt. Zweimal filmt sie die Mutter, zweimal den Vater, die sich schon vor ihrer Geburt trennten. Dann spielt sie dem jeweils anderen die Aufnahmen vor und filmt dabei die Reaktion. Diese Interviews hat Carlotta Kittel so geschickt zusammenmontiert, dass ein Dialog entsteht, den die Eltern in der Realität nie führen würden.

"Wannabe", "Konstruktion" & "Wald der Echos"

Im Mittellangen Film freue ich mich auf Programm 4 mit "Wannabe", "Konstruktion" und "Wald der Echos". Alle drei sind vielschichtig, spielen mit Realität und Illusion. "Wannabe" erzählt die Geschichte eines 16-jährigen Mädchens, das lieber eine berühmte Bloggerin werden möchte, als zur Schule zu gehen. Auf ihrem YouTube-Kanal "Coco Channel" ist sie die, die sie gerne wäre. Spannend wird der Film tatsächlich nach dem Kino-Besuch, wenn man auf YouTube cocochannell99 besucht – und dort die Filme sieht, die sie im Kino nur gefilmt hat! "Wald der Echos" ist für mich der poetischste Film im diesjährigen Wettbewerb, mit starken Kinderrollen.

Highlight: "Cigarbox Blues"

Auch Kurzfilmprogramme starten am Dienstag. Programm 3 zeigt vier ganz unterschiedliche Filme. Stark ist "Ruah", ein apokalyptischer, düsterer Episodenfilm aus der Schweiz. Außerdem empfehlenswert ist der solide Luxemburger Beitrag "Long Lost" über ein Brüderpaar.. Mein Highlight in diesem Programm ist "Cigarbox Blues" - von der Hamburger Medienschule, erzählt die Geschichte des lebensmüden Musikers Derek und seines größten Fans und Albtraums – Adam erzählt. Ganz groß!

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