Eine Szene aus dem Film Vanatoare (Foto: Pressefoto)

Vanatoare

Eine Rezension von Annabell Brockhues   23.01.2017 | 10:54 Uhr

Gemeinsam stehen die drei Rumäninnen Lidia, Denisa und Vanessa tagein tagaus unter einer Autobahnbrücke und warten auf den nächsten Freier. Obwohl Regisseurin Alexandra Balteanu den Alltag der drei Frauen nahezu dokumentarisch darstellt, kratzt sie nur an der Oberfläche der Konflikte.

Bewertung: Eins von drei Herzen

Eine Autobahnbrücke im Bukarester Umland. Darunter eine mehrspurige Straße. LKW hupen ununterbrochen. Autos rauschen vorbei. Wer die Straße unter der Brücke überqueren will, muss läuft Gefahr, überfahren zu werden. Genau hier stehen Lidia, Denisa und Vanessa und warten darauf, dass endlich ein Freier hält. Für nur sechs Euro, 30 rumänische Lei, fahren sie mit bis zum nächsten Parkplatz an der Autobahn. Alles ist besser als nichts.

Taubenzucht und Prostitution

Rund um Ophüls 2017
Mit ihrem Debütfilm "Siebzehn" hat Monja Art den Max Ophüls Preis 2017 gewonnen. Alles über die 38. Ausgabe des Fimfestivals gibt es hier.

Lidia (Corina Moise), Ehefrau und Mutter von zwei Kindern, züchtet Tauben auf dem Land. Weil das zum Leben nicht reicht, muss sie anschaffen. Denisa (Iulia Lumanare) hat einen Freund, der wie ein Parasit von ihrem Geld lebt. Und Vanessa (Iulia Cochina), die jüngste, will mit einer Annonce den perfekten Mann finden – grüne Augen muss er haben und bei der Armee oder Polizei arbeiten. Denn dann wird die Miete subventioniert.

Allerdings ist die Arbeit der Frauen nicht legal. Abends kommt es zu einer Konfrontation mit der Polizei: Erst sackt sie die Einnahmen der Frauen als Bestechungsgeld ein, aber als die Frauen versuchen ihre Lage zu erklären und auf Verständnis hoffen, spitzt sich die Situation zu.

Zu wenig Erklärungen

Max Ophüls Preis 2017
Spielfilme im Wettbewerb
16 Produktionen konkurrieren bei der 38. Ausgabe des Max Ophüls Preises in der Kategorie "Spielfilm" miteinander. Bei dem Großteil der Werke, die sich hauptsächlich um gesellschaftliche und politische Themen drehen, haben Frauen Regie geführt.

Nahezu dokumentarisch zeigt Regisseurin Alexandra Balteanu einen Tag unter der Autobahnbrücke. Er beginnt bereits in Lidias Taubenzucht und gewährt einen Einblick in ihre Familie. Für den Zuschauer wird ihr Schicksal am greifbarsten, während die anderen beiden Frauen wie Statisten wirken. Dennoch sind die Konflikte der Frauen nicht greifbar. Das liegt daran, dass Lidia, Denisa und Vanessa keine Frauen vieler Worte sind – sie reden nur das nötigste. Zusammenhänge werden trotz der dokumentarischen Bildsprache nicht erklärt. Der Zuschauer ahnt, mit welchem Problemen und Unsicherheiten die drei Frauen zu kämpfen haben – einen richtigen Einblick bekommt er leider nicht.

Regie: Alexandra Balteanu
Deutschland 2016

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