Eine Szene aus dem Wettbewerbsfilm "Straßenkaiser" beim Max Ophüls Preis 2017 (Foto: Pressefoto)

Straßenkaiser

Eine Rezension von Markus Person   25.01.2017 | 20:00 Uhr

Es ist Sommer in Berlin und gerade findet der Karneval der Kulturen statt. Der zwölfjährige Noah will eigentlich nur seinen Vater Lamine besuchen. Das geht schief und so landet er im Trubel der Großstadt. Dort trifft er auf den kleinkriminellen und problembeladenen Samuel. Es wird ein spannender Tag für beide. Unterdessen sucht Lamine verzweifelt und im Drogenrausch nach seinem Sohn. 

Bewertung: Drei von drei Herzen

Straßenkaiser im Publikumscheck
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Straßenkaiser im Publikumscheck

Straßenkaiser beginnt wie der klassische Gangsterfilm: Rauchende und kriminell wirkende Personen bei Verhandlungen über den Dächern Berlins. Doch schon nach wenigen Minuten wird klar, dieser Film ist keinem Genre klar zuzuordnen. Die Geschichte setzt sich aus mehreren Handlungssträngen zusammen. Da gibt es Noahs Vater Lamine. Er hat eine Gefängnisstrafe abgesessen und feiert den Karneval der Kulturen im Drogenrausch.

Noah selbst ist ohne die Erlaubnis seiner Mutter in die Hauptstadt gefahren, um seinen Papa, der zu seinem Sohn keinen Kontakt haben darf, zu besuchen. Drogendealer Samuel hat neben Problemen im Geschäft auch damit zu kämpfen, dass er ungeplant Vater geworden ist. Und die Journalistin Amelie sucht nach einer großen Story. Hinzu kommen zahlreiche skurrile und verrückte Charaktere: Gangster und Clanmitglieder, Hippies und Gurus, Anwälte und Journalisten.

Komödie, Sozialdrama, Roadmovie

Straßenkaiser: Ein Film über Generationen
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Straßenkaiser: Ein Film über Generationen

Im Verlauf der Geschichte greifen die einzelnen Handlungsstränge ineinander. Fast jeder der Hauptcharaktere steht in Beziehung zu mehreren anderen. Das mutet zum Teil etwas chaotisch an, tut dem Filmerlebnis aber keinen Abbruch. In einer wilden Reise geht es durch eine Hauptstadt im Partymodus - mit Rückblenden, Zeitsprüngen und animierten Zwischensequenzen.

Komödiantische Inhalte, Satire und Sozialdrama gehen fließend ineinander über. Die Kamera ist dabei immer nah dran, die verschiedenen Einstellungen sind der jeweiligen Situation angepasst. Manchmal ist es hektisch, manchmal spirituell, manchmal sogar ein wenig rührselig. Das alles wird untermalt von einem krachenden Sound, der ebenfalls eine Vielzahl an Genres zu bieten hat.

Ein Film wie eine Achterbahnfahrt

Rund um Ophüls 2017
Mit ihrem Debütfilm "Siebzehn" hat Monja Art den Max Ophüls Preis 2017 gewonnen. Alles über die 38. Ausgabe des Fimfestivals gibt es hier.

Wie man es auch von Regisseuren wie Quentin Tarantino oder Guy Ritchie kennt, führt eine Erzählerstimme aus dem Off den Zuschauer durch die Geschichte. Auch hier wird nicht an Ironie gespart, zudem erwartet den Kinobesucher später die Auflösung, wer hier eigentlich die Geschichte erzählt! Auch diverse Charaktere, Szenen und Sequenzen erinnern zum Teil an Arbeiten der oben genannten Regisseure, dennoch bewahren sich die Macher des Films eine eigene Handschrift. Hinzu kommen die solide bis stark spielenden Darsteller. Vielen merkt man die Kameraerfahrung an. Sehr überzeugend und facettenreich spielt vor allem Matthias Wackrow den Kleingangster Samuel.

Beim Schauen von Straßenkaiser merkt man, dass die Crew sichtlich Spaß an Neuem und am Experimentieren hatte. Als Kurzfilm geplant, kam am Ende ein unterhaltsamer Langfilm heraus, der trotz aller Skurrilität nie gänzlich zu verflachen droht. Natürlich hat Straßenkaiser Schwächen, aber alles in Allem überwiegen klar die guten Ideen und ihre Umsetzung. Ein Film wie eine Achterbahnfahrt - kurzweilig und wunderbar verrückt!

Regie: Florian Peters
Deutschland 2017

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