Eine Szene aus dem Film "Skizzen von Lou" (Foto: Pressefoto)

Skizzen von Lou

Eine Rezension von Martin Breher   23.01.2017 | 20:00 Uhr

Mit dem Schweizer Film „Skizzen von Lou“ nimmt die Regisseurin Lisa Blatter zum zweiten Jahr in Folge am Wettbewerb um den Max Ophüls Preis teil, nachdem sie letztes Jahr als Teil eines Regiekollektivs an „Heimatland“ beteiligt war. Ihr aktueller Film handelt von einer modernen Nomadin und deren innerem Konflikt zwischen Freiheitsdrang und Beziehungswunsch.

Bewertung: Zwei von drei Herzen

Lou (Liliane Amuat) ist 30 Jahre alt und wohnt in Zürich bei einer Freundin. Eine eigene Wohnung hat sie nicht, weil sie ein Leben im permanenten Aufbruch lebt. Sie will nach Kathmandu (Nepal), einem Freund helfen, der dort ein Schulprojekt organisiert. Ihre Vision vom Leben beschreibt sie selbst wie folgt:

"Ich stell' mir das so vor, wie unter einem Radar zu fliegen. Niemand weiß, wer du bist; niemand weiß, woher du kommst; niemand fragt, wenn du am Abend heimkommst oder wenn du einen Tag nicht aus dem Bett magst."

Innerer Konflikt: Freiheit oder Familie?

Skizzen von Lou: Auf der Suche
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Skizzen von Lou: Auf der Suche

Doch dann trifft sie auf den Künstler und Barkeeper Aro (Dashmir Ristemi) und verliebt sich. Aro hat aber andere Prioritäten in seinem Leben als Lou: Die Beziehung zu seiner Familie ist ihm wichtig, er strebt nach einer festen Beziehung, wünscht sich Kinder. Lou muss sich entscheiden: Kann und will sie für ihn ihren Drang nach Freiheit und Aufbruch zurückstellen?

Mit nur wenigen Worten gelingt es der Regisseurin Lisa Blatter, den Zuschauer in den inneren Konflikt von Lou hineinzuziehen, auch wenn manche Szenen etwas langatmig wirken. Das wird jedoch durch die sehr authentisch agierenden Schauspieler zum großen Teil ausgeglichen. Der brillant gespielten Lou kann man ihre inneren Zweifel den ganzen Film über aus dem Gesicht ablesen.

Tolle Bilder - ungenaue Untertitel

Rund um Ophüls 2017
Mit ihrem Debütfilm "Siebzehn" hat Monja Art den Max Ophüls Preis 2017 gewonnen. Alles über die 38. Ausgabe des Fimfestivals gibt es hier.

Obwohl der Film nur wenige Schauplätze bietet, liefert er tolle Bilder, vor allem gegen Ende, als Lou in die Berge flüchtet, um ihren Vater auf dem Furkapass zu besuchen. Schade allerdings, dass die Schweizer Produktion, die im Original auf Schweizerdeutsch gedreht wurde, mit einer ziemlich ungenauen deutschen Untertitelung daherkommt. So werden viele sprachliche Nuancen samt ihrer Bedeutungsunterschiede einfach plattgemacht. Als sich Aro im Originalton „eine ganze Fußballmannschaft voller Kinder“ wünscht, werden daraus im Untertitel nur "viele Kinder". Die Details gehen verloren, die Sprache im Untertitel wird dadurch langweilig.

Im Festivalkatalog schreibt die Regisseurin Lisa Blatter, sie möchte mit „Skizzen von Lou“ ein Porträt ihrer Generation zeichnen und „mit dem Zuschauer in einen Dialog treten und ihm Zeit geben, loszulassen und einzutauchen“ und zu "taumeln zwischen Vorstellung und Realität, vielleicht sogar Poesie". Das gelingt dem Film trotz kleiner Schönheitsfehler auf tolle Art und Weise.

Regie: Lisa Blatter
Schweiz 2016

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