Szene aus dem Wettbewerbsfilm "Siebzehn" beim Max Ophüls Preis 2017 (Foto: Pressefoto)

Siebzehn

Eine Rezension von Markus Person   25.01.2017 | 16:00 Uhr

Es sind die letzten Wochen vor den Sommerferien. Die 17-jährige Paula und ihre besten Freunde Marvin und Kathrin pendeln täglich mit dem Bus zur Schule im Nachbarort. In ihrer Freizeit geht es neben dem üblichen Schulklatsch und -tratsch um die Themen Liebe und Sex. Dabei merkt Paula, dass bei ihr etwas anders ist. Denn sie interessiert sich nicht für ihre männlichen Verehrer, sondern für ihre Mitschülerin Charlotte.

Bewertung: Eins von drei Herzen

Rund um Ophüls 2017
Mit ihrem Debütfilm "Siebzehn" hat Monja Art den Max Ophüls Preis 2017 gewonnen. Alles über die 38. Ausgabe des Fimfestivals gibt es hier.

Hier sagen sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“. Das ist einer der ersten Eindrücke, den die Filmkulisse Niederösterreich auslöst. Kleine Orte, kleine Schule, immer die gleichen Partyplätze, nicht viel zu tun, viel Langeweile. Dabei dreht sich die Handlung um die für ihre 17 Jahre schon sehr erwachsene Paula (Elisabeth Wabitsch). Sie lebt gemeinsam mit ihrer älteren Schwester beim Vater. Sie ist gut in der Schule und scheint sich auch zu Hause um alles zu kümmern.

Siebzehn: Zwischen Sehnsucht und Erfüllung
Video
Siebzehn: Zwischen Sehnsucht und Erfüllung

Daneben beschäftigen sie ähnliche Gedanken wie ihre gleichaltrigen Mitschüler. Es geht um Liebe und Sex, Orientierung im Leben und Zukunftsgedanken. Ihre Sorgen und Sehnsüchte teilt Paula am ehesten mit ihren besten Freunden Kathrin (Vanessa Ozinger) und Marvin (Daniel Prem). Irritiert hat sie festgestellt, dass sie sich im Gegensatz zu ihren Klassenkameraden und Klassenkameradinnen nicht für das andere Geschlecht interessiert, sondern für Mitschülerin Charlotte (Annaelle Dézsy).

Klare Struktur, Chaos im Kopf

Siebzehn im Publikumscheck
Video
Siebzehn im Publikumscheck

Handwerklich ist Siebzehn absolut solide umgesetzt. Die verschiedenen Einstellungen vor der niederösterreichischen Kulisse verstärken die gefühlt provinzielle Blase, in der sich die Charaktere bewegen und dort mit den Problemen kämpfen, die das Heranwachsen mit sich bringt. Es fällt nicht schwer, in den Darstellern Personen wieder zu erkennen, wie sie jeder aus seiner Schulzeit kennt. Den coolen Souveränen, die Erfahrene, die schon mehr von allem zu wissen scheint, den Nerd mit Sozialphobie oder die „Tussi-Gang“, die jeden belächelt und Außenseiterinnen diffamiert. 

Die Darsteller spielen ihre Rollen durchaus glaubwürdig, auch vor dem Hintergrund, dass die meisten von ihnen zuvor noch nie vor der Kamera gestanden haben. Auf ihrer Suche nach sexueller Identität kann vor allem Hauptdarstellerin Elisabeth Wabitsch überzeugen. Andere Rollen wirken zum Teil etwas überzeichnet, beispielsweise die von Christopher Schärf als Klassenlehrer mit Waschzwang und ausgeprägter „Schülerangst“. Auch sind nicht alle Dialoge durch den Dialekt der Darsteller gut zu verstehen.

Etwas viel von Allem

Obwohl die Handlung größtenteils geradlinig verläuft und bei der Frage nach einem möglichen oder unmöglichen Happy End geschickt ein Spannungsbogen aufgebaut wird, erscheint der Film an manchen Stellen mit weiteren Erzählsträngen überfrachtet. So wird beispielsweise Paulas schwierige familiäre Situation angedeutet, aber nicht weiter aufgelöst.

Max Ophüls Preis 2017
Spielfilme im Wettbewerb
16 Produktionen konkurrieren bei der 38. Ausgabe des Max Ophüls Preises in der Kategorie "Spielfilm" miteinander. Bei dem Großteil der Werke, die sich hauptsächlich um gesellschaftliche und politische Themen drehen, haben Frauen Regie geführt.

Und auch der Charakter der zügel- und rücksichtslosen Lilly (Alexandra Schmidt) wird letztlich nur angedeutet, nicht auserzählt. Dadurch wirken auch manche Verhaltensmuster arg stereotyp. Oft geht es in der Jugend schließlich um Fragen der Konformität und der sozialen Erwünschtheit. Aus dieser Sicht sind die Stereotypen nicht allzu störend, blockieren aber manchmal einen stärkeren, erzählerischen Tiefgang.

Sozialdrama über das Heranwachsen

Festzuhalten bleibt, dass Regisseurin Monja Art, die für ihr Drehbuch zu Siebzehn mit dem Carl Mayer Drehbuchpreis ausgezeichnet wurde, ein durchaus kurzweiliges Coming-of-Age-Sozialdrama gelungen ist. Als durchweg glücklich kann die Besetzung der Rolle Paula mit Elisabeth Wabitsch bezeichnet werden. Die Jugend ist eine Achterbahn der Gefühle - und das zeigt die Geschichte deutlich. Siebzehn ist vor allem ein Film für die jüngere Generation.

Regie: Monja Art
Österreich 2017

Artikel mit anderen teilen