Eine Szene aus dem Film "Marija" - Wettbewerbsfilm beim Max Ophüls Preis. (Foto: Pressefoto)

Marija

Eine Rezension von Carla Sommer   24.01.2017 | 20:00 Uhr

Marija ist schlau, Marija ist unerschrocken, Marija ist eiskalt – und trotzdem gefangen in einer Welt, die von Männern regiert wird. Sie bewegt sich im Dunstkreis der Dortmunder Nordstadt, einem Problemviertel der größten Stadt des Ruhrgebiets. Kriminalität und Perspektivlosigkeit sind hier an der Tagesordnung. Wie die Heldin trotzdem unerschrocken ihren Weg geht, zeichnet Michael Koch auf mutige Weise nach.

Bewertung: Zwei von drei Herzen

Marija: Eine Frage der Moral
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Marija: Eine Frage der Moral

Als die Ukrainerin Marija in einem Hotel beim Klauen erwischt wird, verliert sie sofort ihren Job als Zimmermädchen. So rückt ihr Traum von einem eigenen Friseursalon in weite Ferne. Als sie dann auch noch kurz davor steht, ihre Wohnung zu verlieren, trifft sie eine Entscheidung, die ihr plötzlich viele Türen öffnet – durch die sie dem kriminellen Milieu aber auch gefährlich nahe kommt:

In einem pailletten-besetzten Kleid hilft sie künftig Schleuser Georg bei der Organisation von Schwarzarbeit in Dortmund und hat damit zum ersten Mal wirklich eine Position im Leben. Als alles droht, aufzufliegen, muss Marija eine Entscheidung treffen – zwischen einem Mann, einer Freundin und ihrem eigenen Traum.

Verzweiflung, Träume, Rebellion

Rund um Ophüls 2017
Mit ihrem Debütfilm "Siebzehn" hat Monja Art den Max Ophüls Preis 2017 gewonnen. Alles über die 38. Ausgabe des Fimfestivals gibt es hier.

Regisseur Michael Koch hält den Fokus des Films stets auf seiner starken Hauptperson Marija (Margarita Breitkreiz) – nicht nur dramaturgisch, sondern auch mit der Kamera. Durch wenige Schnitte und viele nahe Einstellungen auf ihr Gesicht ist der Zuschauer Marija ganz nah, spürt ihre Verzweiflung, ihre Träume und ihr Aufbäumen gegen diese Welt, in der sie nicht mehr länger nur eine Marionette sein will.

Freundin: "Wieso suchst du dir nicht einen normalen Job?"
Marija: "Weil ich mich nicht länger ausnutzen lasse."

Gelungener Film mit tollen Schauspielern

Max Ophüls Preis 2017
Spielfilme im Wettbewerb
16 Produktionen konkurrieren bei der 38. Ausgabe des Max Ophüls Preises in der Kategorie "Spielfilm" miteinander. Bei dem Großteil der Werke, die sich hauptsächlich um gesellschaftliche und politische Themen drehen, haben Frauen Regie geführt.

Der Film arbeitet über weite Strecken hinweg mit wenig Dialog und begleitet die Heldin stillschweigend und andächtig. Das erfordert vom Zuschauer einerseits starke Nerven und eine gewisse Toleranz, Stille zu ertragen, macht den Film andererseits aber auch real und glaubwürdig. Michael Koch setzt so gut wie keine Musik ein – bis auf diese eine absolut gelungene Stelle, als Marija mit dem österreichischen Schleuser Georg im Auto sitzt. Aus dem Radio tönt Falco: „Jeanny, quit livin‘ on dreams, Jeanny, life is not what it seems…“

Kochs Langfilmdebüt ist ein gelungener Film mit tollen Schauspielern, der trotz Höhen und Tiefen die Hoffnung auf ein Happy End bis zum Schluss nicht aufgibt.

Regie: Michael Koch
Deutschland, Schweiz 2016

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