Szene aus dem Spielfilm "Die Königin von Niendorf" (Foto: Filmproduktion)

Königin von Niendorf

Eine Rezension von Rick Reitler   23.01.2017 | 10:42 Uhr

Das Dorfmädchen Lea will die Sommerferien unbedingt mit den coolen Jungs von nebenan verbringen – doch die sind anfangs gar nicht von der Kleinen begeistert. Wie gut, dass es noch Mutproben gibt… Joya Thomes ländlicher Kinderballade fehlt es ein wenig an Witz und Spannung, um wirklich gut zu unterhalten.

Bewertung: Eins von drei Herzen

Königin von Niendorf: Ein Film für jedes Alter
SR Lounge
Königin von Niendorf: Ein Film für jedes Alter

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als sie zehn, elf Jahre alt waren? Als irgendwann der Wunsch aufkeimte, eigene Wege zu gehen - aber Sie noch unbedingt irgendwo dazugehören wollten? Noch ein gutes Stück weit weg vom Pickelkriegen, aber eben auch kein kleines Kind mehr?

Lea (Lisa Moell), die Heldin in Joya Thomes "Königin von Niendorf", ist auch so ein Fall. Noch sind die Jungs von nebenan bloß irgendwelche Typen, die sich lieber dreckig machen, als dreckige Witze zu erzählen. Trotzdem erscheint es Lea am ersten Tag der Sommerferien doch verlockender, mit den wilden Kerlen durch die Heidewälder zu ziehen, als immer nur ziellos allein mit dem Fahrrad herumzustromern. Auch der tägliche Besuch beim kauzig-coolen Aussteiger (Mex Schlüpfer) vom verwilderten Bauernhof am Dorfrand und dessen altes Akkordeon sind auf Dauer kein konkurrenzfähiges Mittel im Kampf gegen die ländliche Langeweile.

Kurze und wortkarge Kinderballade

Also auf zu den Burschen, mal gucken, was die so anstellen, um den Tag rumzukriegen. Die Fünferbande aber verspürt keine allzu große Lust, die brave Lea in ihrer Männerrunde Willkommen zu heißen. Nachdem die Kleine aber die geforderte Mutprobe bestanden und sich auch sonst als ganz guter Kumpel erwiesen hat, darf sie mit den jungen Abenteurern herumradeln und bei ziemlich harmlosen Dumme-Jungs-Streichen mitmachen, bis sie am Ende einen winzigen Schritt mehr auf dem Weg zum Pickelkriegen gemacht hat...

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Viel mehr passiert nicht in dieser ziemlich kurzen, wortkargen Kinderballade, der es ein wenig an Witz und Spannung fehlt, um wirklich gut zu unterhalten. Dafür darf man sich als Zuschauer aber in einer lichtdurchfluteten Dorfidylle entspannen, die zumindest für junge Stadtbewohner wie eine Reise auf einen fernen Planeten wirken dürfte: In Niendorf treffen sich die Kinder noch im Baumhaus, lassen im Tante-Emma-Laden anschreiben, unterhalten sich per Walkie-Talkie, paddeln mit dem selbst gebauten Floß über den Teich und hecken alberne Mutproben aus, statt Wände vollzuschmieren, Computer-Gegner hinzurichten oder sich gegenseitig mit dem Smartphone in der Hand anzuschweigen. Gibt es das heute wirklich noch? Schön wär's ja.

Regie: Joya Thome
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