Szene aus dem Spielfilm "Die Reste meines Lebens" (Foto: Filmproduktion)

Die Reste meines Lebens

Eine Rezension von Anne Schubert   25.01.2017 | 20:00 Uhr

Schimon verliebt sich kurz nach dem Tod seiner Frau Hals über Kopf in Milena – aber darf er das? Eine Achterbahnfahrt der Gefühle beginnt, die einen bis zum Schluss mitreißt. Ein feinsinnig erzählter Film über das Zulassen von Trauer und neuem Glück.

Bewertung: Drei von drei Herzen

Die Reste meines Lebens: Heiter bis fröhlich
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Die Reste meines Lebens: Heiter bis fröhlich

Schimon (Christoph Letkowski) steht mit beiden Beinen mitten im Leben. Er hat seine Leidenschaft für Musik zum Beruf gemacht und fertigt Hörbiografien an. Zusammen mit seiner schwangeren Frau Jella (Karoline Bär) hat er sein Glück gefunden. Doch vom einen auf den anderen Tag gerät sein Leben aus den Fugen. Jella stirbt und für kurze Zeit steht sein Leben still.

Statt in eine tiefe Krise zu stürzen, baut er darauf, dass ihn das Leben auffangen wird. Schon immer hat er auf das Lebensmotto seines Großvaters vertraut: "Es kommt immer so, wie es kommen soll." Und so glaubt er fest daran, dass es Bestimmung ist, als er sich nur zwei Wochen nach dem Tod seiner Frau Hals über Kopf in Milena (Luise Heyer) verliebt. Die lebensfrohe Frau, die im dritten Monat schwanger ist, bringt Schimon wieder zum Lachen und lässt ihn seine Trauer vergessen. Doch ist Schimon wirklich schon bereit für eine neue Liebe? Oder wird er von der Liebe zu seiner verstorbenen Frau, von den Resten seines Lebens, eingeholt?

Zuschauer erlebt Gefühlsachterbahn mit

Rund um Ophüls 2017
Mit ihrem Debütfilm "Siebzehn" hat Monja Art den Max Ophüls Preis 2017 gewonnen. Alles über die 38. Ausgabe des Fimfestivals gibt es hier.

Jens Wischnewski ist ein gefühlvoller, starker Film über das Zulassen von Trauer und gleichzeitig einer neuen Liebe gelungen. Bis zum Schluss wird der Zuschauer mit auf die Gefühlsachterbahn des Protagonisten genommen – trauert, freut sich und fühlt mit Schimon mit. Mittendrin in der Gefühlswelt von Schimon glaubt er, wie der Protagonist selbst, an die neue Liebe zu Milena. Je mehr der Zuschauer aber über Jella erfährt, desto mehr drängt sich die Frage auf, ob Schimon nicht einfach sein Leben mit Jella nun mit Milena weiterlebt. Durch geschickt eingesetzte Rückblenden taucht der Zuschauer ein in die Beziehung zwischen Jella und Schimon und sieht, wie tief ihre Liebe war.

Trauern ist eine Kunst. Das kann nicht jeder, das will gelernt sein.

Überzeugende Schauspielleistungen

Max Ophüls Preis 2017
Spielfilme im Wettbewerb
16 Produktionen konkurrieren bei der 38. Ausgabe des Max Ophüls Preises in der Kategorie "Spielfilm" miteinander. Bei dem Großteil der Werke, die sich hauptsächlich um gesellschaftliche und politische Themen drehen, haben Frauen Regie geführt.

Die Geschichte lebt vor allem auch durch die starke Leistung der Schauspieler. Christoph Letkowski schafft es, den Zuschauer durch sein ausdruckstarkes Spiel und seine Körpersprache, mit in seine Gefühlswelt hineinzuziehen. Auch Luise Heyer als Milena verkörpert glaubhaft ihre Achterbahn zwischen ihrer Liebe zu Schimon und dem Wissen, dass Jella noch immer ein großer Teil von ihm ist. Unterm Strich: Ein absolut sehenswerter Film, der einen bis zum Schluss in seinen Bann zieht und berührt.

Regie: Jens Wischnewski
Deutschland 2016

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