Eine Szene aus "Die Körper der Astronauten" - ein Wettbewerbsfilm beim Max Ophüls Preis 2017. (Foto: Pressefoto)

Die Körper der Astronauten

Eine Rezension von Katrin König   24.01.2017 | 20:00 Uhr

Anton und Linda haben gerade ihre Abiprüfung hinter sich und stehen vor der Frage, was sie nun mit ihrem Leben machen. Während Linda erst einmal zu Hause bei ihrer Schwester und dem alkoholabhängigen Vater bleibt, entscheidet sich ihr Bruder für einen ganz anderen Weg. Ein Film über eine Familie, die zusehends auseinandertriftet.

Bewertung: Eins von drei Herzen

Rund um Ophüls 2017
Mit ihrem Debütfilm "Siebzehn" hat Monja Art den Max Ophüls Preis 2017 gewonnen. Alles über die 38. Ausgabe des Fimfestivals gibt es hier.

Die Geschwister Anton und Linda leben gemeinsam mit ihrer Schwester Irene bei ihrem alkoholkranken Vater Michael. Mit der Abiturprüfung in der Tasche beginnt für die beiden älteren Geschwister ein neuer Lebensabschnitt: Endlich keine Schule mehr, endlich das Leben entdecken, endlich der heimischen Tristesse entfliehen. Während sich Linda für einen für junge Erwachsene recht typischen Weg entscheidet und nach und nach erste Erfahrungen mit Alkohol, Drogen und sexuellen Abenteuern macht, schlägt Anton einen ganz anderen Weg ein, um der familiären Enge zu entkommen. Er nimmt an einer Studie zur Erforschung der körperlichen Veränderungen in der Schwerelosigkeit teil - und liegt dabei die meiste Zeit in einem Bett.

Zurück bleiben die kleine Irene und der trinkende Vater, dessen Leben sich um den Alkohol dreht. Obwohl er sich in klaren Momenten rührend um Irene kümmert, sind seine Ausbrüche, sobald sich dieser Zustand verändert, umso unvorhersehbarer und erdrückender. Die Situation spitzt sich zu, als Michael bemerkt, dass nicht nur Anton und Linda seine Unterstützung nicht mehr benötigen, sondern dass selbst Irene davor steht, flügge zu werden und sich von ihm abwendet.

Michael zu Irene: "Ich verrecke, Irene. Wo ist der Korn?"

Starke Schauspieler, schwache Story

Max Ophüls Preis 2017
Spielfilme im Wettbewerb
16 Produktionen konkurrieren bei der 38. Ausgabe des Max Ophüls Preises in der Kategorie "Spielfilm" miteinander. Bei dem Großteil der Werke, die sich hauptsächlich um gesellschaftliche und politische Themen drehen, haben Frauen Regie geführt.

Alisa Bergers Diplomfilm hat Stärken, leider aber auch viele Schwächen. Während es an dem Film aus technischer Sicht nicht viel auszusetzen gibt, enttäuscht die Story und ist oft langatmig. Zu unfokussiert erzählt sie die Geschichte der Familienmitglieder, sodass der Zuschauer gar nicht weiß, auf wen eigentlich das Hauptaugenmerkt zu legen ist. Viel Geld und Mühe hat das NASA-Material in Anspruch genommen, das zwischendurch immer mal wieder eingespielt wird, um die Wege der einzelnen Familienmitglieder bildlich darzustellen. Ganz sicher hätte der Zuschauer die Botschaft hinter dem Film auch ohne diese Einspieler verstanden, die mit der Zeit fast schon verstörend daherkommen.

Lobend zu erwähnen ist die schauspielerische Leistung der Darsteller. Lars Rudolph verkörpert die Rolle des trinkenden Vaters unfassbar gut. Die bedrückende Machtlosigkeit gegenüber der alles bestimmenden Sucht bringt er ebenso realistisch auf die Leinwand, wie den damit verbundenden Kontrollverlust über sich und sein Leben. Auch Zita Aretz zeigt als Linda, dass sie zurecht für den Preis der besten Nachwuchsdarstellerin des Festivals nominiert wurde.

Insgesamt schafft Bergers Diplomfilm es zwar, die emotionale Schwerelosigkeit, in der sich die Familie befindet, zu transportieren. Allerdings wäre dem Zuschauer eine subtilere Vermittlung durchaus zuzutrauen gewesen.

Regie: Alisa Berger
Deutschland 2017

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