Marcel Ophüls während seines Werkstattgesprächs (Foto: Annabell Brockhues)

Mehr als nur seines Vaters Sohn

Carla Sommer   21.01.2016 | 11:42 Uhr

Ein Gespräch mit Marcel Ophüls, Oscarpreisträger und Ehrengast auf dem Festival, ist nie eine geradlinige Strecke von A nach B. Es ist ein Abenteuer durch die verwinkelten Gassen der Filmgeschichte. Mit Anekdoten, die sich allesamt selbst für einen großartigen Film eignen würden. Kaviar und ein Flirt mit Marlene Dietrich, Diskussionen mit Bertolt Brecht. Für den Moderator des Werkstattgesprächs, Urs Spörri, ist es kein leichtes Unterfangen, den 88-jährigen Ophüls zu bändigen und eindeutige Antworten auf seine Fragen zu bekommen.

Bilder
Werkstattgespräch mit Marcel Ophüls
Der diesjährige Ehrengast des Festivals, Marcel Ophüls, bat am Mittwoch zum Werkstattgespräch. Eindrücke davon gibt's hier.

Zu Beginn des Gesprächs am Mittwochabend wurde Ophüls‘ Dokumentarfilm „Kortnergeschichten“ über den Schauspieler und Regisseur Fritz Kortner gezeigt. An vielen Stellen musste der Regisseur selbst laut auflachen. Später auf der Bühne erzählte er, er habe Kortner seit seiner Kindheit gekannt, nachdem er mit seiner Familie in die USA emigriert war. „Ich hatte eine privilegierte Kindheit. Von Bertolt Brecht habe ich gelernt, wie man Menschen richtig beobachtet“, so Ophüls. Diese Beobachtungsgabe und das Geschick, den Menschen Dinge zu entlocken, die sie sonst niemandem erzählen würden, das ist es, was Ophüls Filme so besonders macht und ihm 1988 den Oscar für „Hôtel Terminus“ einbrachte. Berühmt ist die Szene, in der er Klaus Barbies Leibwächter im Bademantel interviewt.

„Wir müssen diese schöne Welt retten“

Auf Spörris Frage, ob Dokumentationen über den Zweiten Weltkrieg in Zukunft überhaupt noch gedreht werden können, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt, antwortete Marcel Ophüls ausnahmsweise gerade heraus: „Es gibt genug Filme über den Holocaust.“ Die Diskussion sei selbstverständlich weiter wichtig, dafür brauche es aber keine Filme. Zurzeit dreht Ophüls einen Film über Antisemitismus in Frankreich. Woher er diese Antriebskraft nehme, mit 88 Jahren noch immer Dokumentarfilme zu drehen, fragte der Moderator. „Ich habe immerzu Ressentiments“, antwortete Ophüls. „Wir müssen diese schöne Welt retten. Für unsere Kinder, für unsere Enkel.“

Gegen Ende kam das Gespräch auch auf Max Ophüls. Den Dokumentarfilm, das Genre seines Sohnes habe „der Alte“ nicht gemocht. Auch habe er ihn nicht gerne in die Welt des Films eingeführt. „Er fand, dass ich zu zart besaitet war für diesen schweren Beruf“, erzählte Ophüls. Schließlich enthüllt er, dass sein Vater Saarbrücken nicht als Heimat empfunden habe. „Er hatte keine gute Kindheit hier, mochte seine Mutter nicht. Saarbrücken war für ihn eine Kohlestadt, arm und hässlich“, so der Dokumentarfilmer.

Kaviar mit Marlene Dietrich

Dafür gefielen Max Ophüls die Frauen und er gefiel ihnen. Viele Affären habe der alte Ophüls gehabt. „Und er war jedes Mal verliebt.“ Aber auch Marcel hatte einige erwähnenswerte Bekanntschaften in seinem Leben. „Ich hatte einmal ein 16-stündiges Verhältnis mit Marlene Dietrich“, erzählte er lachend. „Sie war 60 und ich war 25. Sie hatte mich als Übersetzer angeheuert, es gab Kaviar und später sind wir tanzen gegangen. Dann habe ich überlegt, ob ich es bei ihr versuche oder nicht und bin zu dem Schluss gekommen, dass sie zu alt für mich ist.“ „Bereuen Sie es?“, fragte Spörri. Ophüls Antwort war klar: „Ja!“

Abschließend wollte Spörri noch eine Anregung für das Max Ophüls Festival vom Sohn des Namensgebers. „Man sollte nicht immer nur auf den Nachwuchs gucken. Alte Leute machen auch gute Filme“, sagte Marcel Ophüls. „Aber es ist doch ein Nachwuchsfestival“, gab Spörri zu bedenken. Ophüls blieb hart: „Trotzdem!“

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja