Sabine Janowitz  (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Was man gesehen haben sollte: Mittwoch

Katrin König   19.01.2016 | 20:00 Uhr

Kurz-, mittellange-, Langfilme und Dokus - so viel Auswahl und so wenig Zeit. Damit Festivalgänger die wirklich sehenswerten Produktionen nicht verpassen, gibt SR-Kulturredakteurin Sabine Janowitz Tipps, was man unbedingt gesehen haben sollte.

Rezensionen
Langfilme am Mittwoch
"Heimatland", "Ferien", "Luca tanzt leise", "Her composition" und "Looping" sind die Langfilme, die am Festivalmittwoch in den Wettbewerb starten. Alle Filme bis auf "Looping"konnten wir uns vorab anschauen und rezensieren.

Von den am Mittwoch anlaufenden Langfilmen legt Sabine Janowitz den Ophüls-Fans besonders "Heimatland" und "Luca tanzt leise" ans Herz: "In 'Heimatland' wird die Perspektive einmal umgedreht: Was passiert, wenn nicht Flüchtlinge in ein Land rein-, sondern die Bewohner wegen einer Bedrohung aus einem Land rauswollen und an der Grenze abgewiesen werden?" Der Film sei eine Reaktion auf die Ausländerfeindlichkeit in der Schweiz und interessant komponiert. Als einen leisen und sehr schönen Film bezeichnet Janowitz "Luca tanzt leise". "Er lebt vor allem von der Hauptdarstellerin, die von Martina Schöne-Radunski verkörpert wird. Mich würde mal interessieren, ob alle Dialoge so im Drehbuch standen oder ob auch viel von Schöne-Radunski spontan eingeflossen ist", so die Kulturredakteurin.

Wer eher auf mittellange Filme steht, sollte sich "Boat People" (Programm 1) nicht entgehen lassen. Auch in diesem Film wird die aktuelle Flüchtlingsthematik aufgegriffen. Nichts für zarte Gemüter, aber dennoch gut gemacht, sei "Unterdruck" (Programm 1). "Darin bekommt man einen Eindruck, wie eine Abtreibung vonstatten geht. Der Film ist hart, aber nicht eklig, da er eine gewisse Distanz wahrt", erklärt Janowitz. Eigentlich gehe es in "Unterdruck" aber um eine junge Gynäkologin, die ihr gesamtes Leben in Frage stelle.

Der Seefahrer und die Hure

Außer der New Yorker-Kurzfilmreihe, die immer empfehlenswert sei, laufen am Mittwoch die Kurzfilme "Mikelis" und "Oskarreif" (beide Programm 3). "Ein interessantes Kammerspiel ist 'Mikelis'. Zur Story sei so viel verraten, dass sich zwischen einem alten Mann und einem Zimmermädchen in einem Hotel ein Dialog entspinnt, in dessen Verlauf erkennbar wird, dass der eigentlich nette Mann in seinem Leben wohl auch Dinge getan hat, die überhaupt nicht nett waren", so Janowitz. Die Zuschauer dürften sich auf ein überraschendes Ende freuen. "Oskarreif" gewähre einen Einblick ins Filmemachen. "Sehr hübsch gemacht und nicht nur für Filminsider interessant", resümiert sie.

Von den Dokumentationen legt die Kulturredakteurin den Festivalgängern "Manche hatten Krokodile" ans Herz. Obwohl der Film nicht wirklich gut gemacht sei und ihm viel fehle, sollte man sich die Chance nicht entgehen lassen, einen Einblick in die Welt von St. Pauli zu erhaschen. "Der Film lebt definitiv von den Figuren. Da sitzt der abgehalfterte Möchtegern-Seefahrer neben der ehemaligen Hure - wen das Abseitige interessiert, für den ist der Film genau das richtige". Zwei Welten treffen in "Gestrandet" aufeinander. Eritreische Flüchtlinge stranden in Norddeutschland und treffen auf waschechte Ostfriesen. "Die Grundsituation, wenn verschiedene Kulturen aufeinanderprallen, trägt diesen Film. Eritreer, die auf einmal in ostfriesische Bräuche eingebunden werden. Aber er hat Durchhänger, das sollte man nicht verschweigen", so Janowitz.

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