Max Ophüls Preis (Foto: dpa)

New Yorker Kurzfilme

Internationales Flair bei Max Ophüls

Christian Schwarz   20.01.2016 | 22:43 Uhr

Neben den Lang- und Dokumentarfilmen haben auch die zahlreichen Kurzfilmreihen beim Filmfestival Max Ophüls viele Fans. Internationales Flair gibt es gar bei den New Yorker Kurzfilmen zu erleben. Die englischsprachigen Abschlussfilme der New Yorker School of Visual Arts werden bereits seit 1989 auf dem Festival gezeigt, sind aber immer wieder eine neue Erfahrung.

Manfred Kirchheimer ist so etwas wie der spiritus rector der New Yorker Kurzfilme. Der gebürtige Saarbrücker emigrierte 1936 mit seinen Eltern in die USA, wo er noch heute an der School of Visual Arts eine Stelle als Dozent inne hat. Aus 84 Filmen hat er in diesem Jahr sechs ausgewählt, die in Saarbrücken gezeigt werden: „Die Filme sind meine eigene Wahl. Ich alleine bin der Schuldige, wenn das Publikum sie nicht mag.“ Seine Kriterien seien eine gute Story, filmische Qualität und eine gewisse Ernsthaftigkeit. Gerade in diesem Jahr empfindet Kirchheimer die mitgebrachten Filme als besonders harte Kost.

Thematisch weit gefächert hätten sie aber doch eine Konstante, meint Jungregisseur Christian LaMorte, einer von zwei Absolventen, die dieses Mal mit Kirchheimer in Saarbrücken sind. Fast alle Absolventen würden in ihre Abschlussfilme etwas Persönliches stecken, obwohl das keinesfalls so vorgeschrieben werde. In seinen Film „Boy Code“ seien beispielsweise Erfahrungen aus seiner Schulzeit eingeflossen. LaMorte und Kirchheimer hatten sich erst am Tag der Vorführung kennengelernt, erklären sie bei der an die Filme anschließenden Fragerunde. Auf der Schule gäbe es schätzungsweise 2000 Studenten, von denen er nur einen Bruchteil in seinen Kursen erlebt habe, so Kirchheimer. Deshalb kenne er nur die wenigsten der Absolventen.

„Ein wunderbarer Start ihrer Karrieren“

Und das Max Ophüls Festival? Ist es den Studenten ein Begriff? „Der Preis und Saarbrücken sind bei meinen Studenten nicht bekannt“, sagt der erfahrene Dozent im Vorgespräch. „Aber ich spreche in den höchsten Tönen davon in meinem Unterricht, dass alle sehr darum bemüht sind, teilzunehmen, wenn die Filme gesucht werden und dankbar, wenn sie schließlich gewählt wurden.“ Die jungen Regisseure würden darauf brennen, ihre Geschichten zu erzählen. Aber da sie weder genug Zeit noch Geld hätten, um lange Filme zu machen, müssten sie einen Weg finden, diese in einer kürzeren Form auszudrücken. Kurzfilme bei Max Ophüls also. Für Kirchheimer „ein wunderbarer Start ihrer Karrieren“.

Das Publikum scheint bei der ersten Vorstellung jedenfalls zufrieden mit seiner Auswahl. Ursula und Geli sind Stammgäste bei den New Yorker Kurzfilmen, kommen seit vielen Jahren. Nicht immer haben ihnen alle Filme gefallen, aber das sei gerade das Gute an Kurzfilmen. „Wenn einen doch mal etwas enttäuscht, kommt eben gleich der nächste. Also bin ich nicht so eingeklemmt in einen Film, den ich nachher furchtbar finde“, meint Geli.  Studentin Sabine war dagegen zum ersten Mal dabei und fand es vor allem spannend, auf dem Festival zur Abwechslung Filme aus dem Ausland zu sehen. Da habe man auch als Laie Unterschiede gemerkt.

Wer also auch mal etwas internationales Flair bei Max Ophüls schnuppern will, ist bei den New Yorker Kurzfilmen bestens aufgehoben.

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