SR-Mitternachttalks am Dienstag (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

SR-Mitternachttalks am Mittwoch

Christian Schwarz   21.01.2016 | 08:31 Uhr

Wie aus den letzten Jahren gewohnt werden auch bei der 37. Auflage des Filmfestivals Max Ophüls Preis die 16 Filme im Langfilmwettbewerb in den SR-Mitternachtstalks ausführlich besprochen. Am Mittwochabend standen „Der Nachtmahr“, „Heimatland“, „Offline – das Leben ist kein Bonuslevel“ und „Ferien“ auf dem Programm.

Bilder
Bilder von den Mittwoch-Talks
Vier Filmteams hatten am Mittwoch den Weg in Loals Bistro gefunden, um über ihre Filme zu sprechen.


Rezension
Der Nachtmahr
Die 17-jährige Tina lebt in geordneten Verhältnissen und scheint auf nichts verzichten zu müssen. Doch nach einer Party mit Alkohol und anderen Drogen scheint alles anders: Ab diesem Zeitpunkt wird sie von einem albtraumhaften, potthässlichen Wesen heimgesucht - und niemand glaubt ihr. Realität und Fantasie beginnen zu verschwimmen. Am Ende fragt sich dann auch der Zuschauer, was los ist.

„Der Nachtmahr“ von Regisseur AKIZ machte den Auftakt am zweiten Talkabend in Lolas Bistro. An der Figur habe er seit 2001 gearbeitet, damals noch als Bildhauer in Los Angeles, erläuterte AKIZ. In den Folgejahren habe sie verschiedene Stationen durchgemacht, immer wieder seien neue Bilder, Notizen und Scribbles hinzugekommen, ohne dass dabei die Absicht bestanden hätte, einen Film zu machen. Als er aber bei einer Aufräumaktion alles auf einem Haufen gesehen habe, sei ihm klar gewesen, dass es eine Geschichte ist. Zu diesem Zeitpunkt habe er nur noch einzelne Punkte verbinden müssen, 75 Prozent der Story waren bereits vorhanden.

Herausgekommen ist ein Film, der sich nur schwer einem Genre zuordnen lässt. Ein Horrorfilm, da waren sich die Talkrundenteilnehmer einig, sei er aber nicht. Schließlich sei das Wesen „Nachtmahr“ ja nicht böse, bisweilen sogar eher süß, meinte dann auch Produzent Amir Hamz. Und wenn die Zuschauer sich den Film nicht ganz erklären könnten, habe er auch sein persönliches Ziel erreicht, ergänzte AKIZ. Meist habe er bei den Arbeiten intuitiv gehandelt, auch beim Casting, wo er Carolyn Genzkow als Hauptdarstellerin fand. Diese erklärte, sie wollte die Rolle von Beginn an unbedingt spielen. Da sei es auch kein Problem gewesen, dass ihr Gegenüber keine reale Person war. Im Gegenteil, habe er ihr doch wenigstens nie widersprochen.

Heimatland

Rezension
Heimatland
Es ist Herbst in der Schweiz. Doch nicht nur die Kälte hält Einzug im Alpenstaat. Über dem ganzen Land wächst eine gigantische, dunkle Sturmwolke heran, die immer größere Ausmaße annimmt und für die es keine Erklärung gibt. Angst keimt auf. Ein Film wie ein Appell - nicht nur an die Schweiz.

Eine ungewöhnliche Konstellation nahm anschließend in der Talkrunde Platz. Michael Kummermacher, Benny Jaberg und Gregor Frei sind nur drei der zehn Regisseure, die hinter dem Schweizer Film „Heimatland“ stecken. Kummermacher war vor fünf Jahren einer der Initiatoren des Projektes. In München lebend habe er einen Blick von außen auf die Schweiz gehabt, in einer Zeit, wo ein politischer Rechtsruck das Land erfasste. Aus dem Gefühl heraus, über das Unbehagen im eigenen Land, einen Film machen zu wollen, wurden 30 Regisseure angeschrieben. Damit, dass 27 davon zu der Prämisse „ein Sturm zieht auf“ etwas zurücksendeten, habe er aber niemals gerechnet. Es zeige aber, dass es wichtig gewesen sei, dieser Generation Filmemacher eine Stimme zu geben.

Im Film zieht statt eines Sturms eine Wolke auf. Wenn zehn Regisseure an so etwas arbeiten, gebe es hin und wieder auch Meinungsverschiedenheiten, was auch im Talk schnell klar wird. Ist der Film moralisierend? Die Meinungen gingen auseinander. So erklärte dann auch Frei, ein Regiekollektiv habe für die Arbeitsweise nur Nachteile. Langfristig biete es aber wichtige neue Erfahrungen. Das eigene Ego wurde dennoch „schnell pulverisiert“, meinte Jaberg. Allen sei es um die Sache gegangen, er selbst sei dabei angesichts der Thematik deutlicher geworden als sonst. Und wenn es doch mal Unstimmigkeiten gab, herrschte eine „Demokratur“, so Kummermacher. Einen „Kompromissfilm“ habe das Kollektiv unbedingt vermeiden wollen.

Offline - Das Leben ist kein Bonuslevel

Rezension
Offline – Das Leben ist kein Bonuslevel
Gamer und Zocker aufgepasst! Florian Schnells „Offline – Das Leben ist kein Zusatzlevel“ dürfte genau nach eurem Geschmack sein. Aber auch für alle anderen Kinogänger bietet die gekonnt umgesetzte Mixtur aus Film und Computerspiel beste Unterhaltung.
    "Offline" - ein Film (nicht nur) für Gamer

Von einer ganz anderen Thematik handelt der anschließend besprochene Film „Offline – das Leben ist kein Bonuslevel“ von Florian Schnell. Die Verbindung der Medien Film und Computerspiel durch eine Zusammenarbeit mit einer Firma für solche Spiele sei allerdings etwas völlig Neues in Deutschland, erklärte der Regisseur. Eine „Pionierarbeit“, in deren Handlung der Held, verkörpert von Moritz Jahn, eine Entwicklung durchliefe, die in zwei Welten von statten gehe. Der Abenteuerfilm plädiere dabei positiv sowohl für die reale als auch für die virtuelle Welt.

Ganz ähnlich wie seiner Figur, die nicht mehr ihr Lieblingsgame spielen kann, sei es ihm in der Vorbereitung auf die Dreharbeiten ebenfalls ergangen, wusste Jahn zu berichten. Während er die Welt des Rollenspiels World of Warcraft erkundet habe, sei ihm der Computer kaputt gegangen. Nichtsdestotrotz hoffe er, den Zocker richtig getroffen zu haben. Doch, und da waren sich beide einig, nicht nur die Gamer sollten sich von dem Film angesprochen fühlen. Ziel sei es gewesen, auch für Menschen, denen die Thematik fremd ist, Verständnis für die digitale Welt zu schaffen.

Ferien

Rezension
Ferien
Eines weiß Vivi: So kann das nicht weitergehen. Auf der Suche nach sich selbst findet sie sich auf einer Ferieninsel wieder. Der Abstand vom Alltag soll Vivi wieder auf Kurs bringen. Ob der Plan am Ende aufgeht? Ein Film über Veränderung und Orientierung, der stark anfängt, dem auf halber Strecke aber die Puste ausgeht.

Zum Abschluss nahmen Regisseurin Bernadette Knoller und Darstellerin Inga Busch in den Talksesseln Platz, um über ihren Film „Ferien“ zu sprechen. Vor allem gehe es darum, dass Menschen aus der Norm ausbrechen, fasste Busch den Inhalt zusammen. Ähnlich klang das bei ihrer Kollegin Claudia Jakob, die wenig später ebenfalls zur Talkrunde stieß. Sie sprach von einer schönen kleinen Geschichte über die Schwierigkeiten erwachsen zu werden - in jedem Alter.

Regisseurin Knoller erzählte daraufhin von der Ambivalenz ihres Berufes und gestand, sie tue sich nicht immer leicht damit, Filme zu machen. Wenn aber, wie bei „Ferien“, ganz viele tolle Menschen dabei seien, dann sei es wiederum sehr schön. Ganz wichtig sei vor allem die Besetzung der Hauptrolle mit Britta Hammelstein gewesen. Sie strahle eine Stabilität aus, die sehr wichtig für die Figur gewesen sei. Das habe sie gleich beim Sichten des Demotapes festgestellt.

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