Eindrücke aus Lolas Bistro (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

SR-Mitternachttalks am Donnerstag

Christian Schwarz   22.01.2016 | 10:05 Uhr

Am dritten Talkabend der SR-Mitternachttalks sind die Teams von „Luca tanzt leise“, „Looping“, „Sex & Crime“ und „Schrotten!“ in Lolas Bistro gekommen, um über ihre Filme zu sprechen.

Luca tanzt leise

Rezension
Luca tanzt leise
Jeden Morgen aufzustehen, ist für Luca ein Kampf. Ein Kampf, den sie nur dank ihrem Hund Mata zu gewinnen scheint. Nach zehn Jahren scheint Lucas Leben wieder normaler zu werden – auch auf Dauer? „Luca tanzt leise“ ist eine berührende, unaufgeregte Geschichte über die dunklen Tage des Lebens.

Mit dem Improvisationsfilm „Luca tanzt leise“ von Regisseur Philipp Eichholtz startete der dritte Abend der SR-Mitternachttalks in Lolas Bistro. Grundlage der Geschichte sei ein Ereignis in seinem privaten Umfeld gewesen, das ihn tagelang sehr aufgewühlt habe, erzählte Eichholtz gleich zu Anfang. Dann hatte er die Idee für den Film, schrieb in wenigen Tagen auf sieben Seiten 34 Szenen zusammen und drei Wochen später startete der Dreh. „Wir wussten, wo die Reise hingeht“, sagte der Jungregisseur, die einzelnen Szenen im Drehbuch wurden schließlich während des Drehens ergänzt. Das Ziel dieser Improvisation sei es gewesen, die „Echtheit im Spiel“ zu finden, so Eichholtz.

Im Film geht um es eine ernste Thematik, dennoch sollte etwas Positives transportiert werden, der Film keinesfalls traurig wirken. Für Hauptdarstellerin Martina Schöne-Radunski war es dagegen anfangs nicht so einfach, die Figur der Luna und deren Konflikt mit einem unbeabsichtigten Nicht-Funktionieren zu verkörpern, erklärte sie. Es habe eine gewisse Zeit gedauert, bis sie ihr Energielevel so heruntergefahren hätte wie nötig, obwohl das völlig gegen ihr eigenes Naturell spreche. Ein Schlüsselmoment, habe sie doch dabei gemerkt: „Krass, ich bin Schauspielerin.“

Looping

Die Frauenkonstellation in „Looping“ habe sie schon lange im Kopf gehabt, erläuterte anschließend Regisseurin Leonie Krippendorff. Die Handlung darum sei dann ganz intuitiv entstanden. Wichtig sei es gewesen, dass die drei Frauen miteinander funktionierten, auch vom äußeren Erscheinungsbild. Attraktiv, aber nicht zu divenhaft schön sollten sie sein, versuchte Krippendorff ihre Vorstellungen zu konkretisieren.

Obwohl die Handlung in einer psychiatrischen Klinik stattfindet, habe sie bewusst auf pragmatische Behandlungsszenen verzichtet. Wichtiger seien ihr Atmosphären und innere Gefühle gewesen. Dass im Film nur wenig gesprochen werde, passt also und sei darüber hinaus typisch für ihre Arbeiten, so Krippendorf. Schon vorherige, kürzere Filme von ihr seien so gewesen. Für ihre Kamerafrau Jieun Yi, mit der sie schon zuvor oft zusammengearbeitet hat, also keine Überraschung. Mit ihrem ersten Langfilm taste sie sich aber langsam an die Sprache ran, meinte Krippendorf schließlich augenzwinkernd. À propos langsam – auf die langsame Erzählweise des Films müsse sich der Zuschauer einlassen, die „Figuren atmen“, da diese sonst nicht funktionierten.

Sex&Crime

Gleich drei seiner Darsteller hatte Paul Florian Müller, Regisseur von „Sex & Crime“ mitgebracht. Und die hatten jeder für sich eine ganz eigene Faszination an seinem Film gefunden. Während Pheline Roggan meinte, für sie habe der Reiz vor allem darin gelegen, dass eigentlich alle Figuren gut sind, aber konsequent scheitern und dabei einen draufsetzen, schwärmte Claudia Eisinger vom schwarzen Humor. Dadurch komme der Film „undeutsch“ daher. Ein Umstand, der im Publikum des Talks sehr wohlwollende Reaktionen hervorrief, aber auch als „Klamauk“ interpretiert wurde

Der dritte Darsteller im Bunde, Fabian Busch, der sich zunächst an seinen ersten Besuch des Festivals im Jahr 1995 erinnerte, fand vor alle die asynchrone Erzählweise reizvoll, erklärte er. Genau dieses Hin- und Herspringen sei von Anfang an geplant gewesen, bestätigte Regisseur Müller. Eine chronologische Erzählweise hätte keinen Sinn ergeben, die Geschichte wäre nichts Neues gewesen, zeigte er sich sicher. Sehr viel Wert wurde außerdem auf die Dialoge gelegt, so Müller. Es sei extrem wichtig gewesen, dass sie vom Rhythmus stimmen und den Film vorantreiben. Busch pflichtete bei und bezeichnete die teils zehnseitigen Dialoge als große Herausforderung.

Schrotten!

Rezension
Schrotten!
Zwei Brüder in der Klemme: Um den Familien-Schrottplatz zu retten, muss ein Eisenbahnraub gelingen... Max Zähles zeitgemäße Hommage an den klassischen Western überzeugt als sympathisches, kleines Komödien-Meisterwerk.

Als vierter und letzter Film des Abends wurde „Schrotten!“ von Max Zähle besprochen. Die vorherige Aufführung auf der Leinwand hatte der Regisseur teilweise verpasst - als frischgebackener Vater aber verständlich. Umso mehr freute er sich über die positiven Reaktionen auf seinen Film, bei dem sich alles um das Thema Schrottplatz dreht. Bei der Beschäftigung mit der Thematik habe er festgestellt, was das für eine große Welt voller Traditionen ist. Außerdem sei ihm bewusst geworden, in welchem Existenzkampf sich diese Menschen befinden. Da kam in ihm die Frage auf, ob er daraus überhaupt eine Komödie machen kann, was er für seinen Debütfilm immer geplant hatte. Der Film habe nun beides, Witz, aber auch sozialdramatische Züge.

Gedreht wurde in Celle, auf dem Gelände von Bekannten aus Zähles privatem Umfeld. Dabei sei eine echte Gemeinschaft entstanden, erzählte Darsteller Lucas Gregorowicz anschließend. Durch die Zusammenstellung der Leute habe das Drehen sehr gut funktioniert. Man habe vom Herzen her die Situation auf dem Schrottplatz so zeigen wollen, wie man sie selbst erlebt hat. Wie faszinierend diese Welt sein kann, zeigte die abschließende Erklärung über die eigene Sprache dieser Gemeinschaft, die auch heute noch benutzt wird.

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