Die Jury: Von Informationen erschöpft

Das Interview führte Annabell Brockhues   22.01.2016 | 21:00 Uhr

Ein Produzent, ein Regisseur, drei Schauspieler – so setzt sich die diesjährige Jury für den Wettbewerb Langfilm zusammen. Darunter sind bekannte Gesichter wie Désirée Nosbusch, Lisa Martinek und Vorjahres-Gewinner Simon Jaquemet. Innerhalb von vier Tagen schaut sich die Jury alle 16 Langfilme an - in der Nacht von Freitag auf Samstag fällt die Entscheidung. Ein Gespräch.

SR.de: Aus welchem Film kommen Sie gerade?

Alle: Schrotten!

SR.de: Es ist der letzte Tag – wie fühlen Sie sich?

Lisa Martinek: Erschöpft…

Désirée Nosbusch: Es sind so viele Informationen.

Lisa Martinek: Es ist wunderbar, aber auch sehr anstrengend.

Désirée Nosbusch: Ich bin mal gespannt, wie das heute Abend ist, wenn wir uns zur Besprechung zusammensetzen.

SR.de: 16 Filme in vier Tagen, wie gehen Sie mit so viel Informationen um?

Désirée Nosbusch: Wir sortieren uns abends kurz.

Gustav Peter Wöhler: Wir setzen uns nach jedem Film zusammen.

Désirée Nosbusch: Da kann man schon mal Tendenzen herausfinden, was die anderen so denken.

SR.de: Wie sichern Sie den Eindruck eines Films? Durch Notizen?

Lothar Hellinger: Nein, die brauchen wir nicht. Wir haben schon so viele Filme in unserem Leben gesehen, das geht so.

Lisa Martinek: Stimmt. Man ist den Umgang mit dem Medium einfach gewohnt. Manchmal macht man danach ein paar Notizen.

Gustav Peter Wöhler: Aber während des Films ist das schwierig.

Désirée Nosbusch: Ne, währenddessen ist unmöglich.

SR.de: Sie sind Produzenten, Regisseure, Schauspieler – wenn Sie einen Film schauen, achtet dann jeder auf seine Profession?

Lisa Martinek: Wenn er richtig gut ist, zählt das Gesamtwerk.

Désirée Nosbusch: Sobald man anfängt, den Film auseinanderzunehmen, hat er einen verloren.

Gustav Peter Wöhler: Man ist einfach ein Zuschauer, der sich den Film anguckt.

Désirée Nosbusch: Deswegen haben wir uns auch gemeinsam dazu entschieden, bei dem Gespräch im Anschluss an die Filme nicht dabei zu bleiben. Um nicht beeinflusst zu werden von rührenden Geschichten über die Produktion. Damit bleiben wir bei allen Filmen auf derselben Ebene.

SR.de: Was macht einen guten Film aus?

Désirée Nosbusch: Wenn man dabei bleibt. Ein Film ist gut, wenn man rausgeht und ihn weiterempfehlen und noch einmal anschauen würde.

Gustav Peter Wöhler: Wenn man anschließend davon überzeugt ist. Wenn alle möglichen Dinge ein Gesamtkonzept ergeben und man nicht mehr nachdenken muss, was das Besondere war.

SR.de: Gabriella Bandel hat gesagt, dieses Jahr sei es ein besonders „reifer“ Jahrgang. Können Sie das bestätigen?

Lisa Martinek: Das können wir nicht wirklich einschätzen, weil wir den Vergleich zu den anderen Jahren nicht haben.

Désirée Nosbusch: Also sie sind schon insofern reif, als dass sie sich sehr mit der Suche nach sich selbst beschäftigen, mit Freiheit und Coming-of-Age.

Lothar Hellinger: Sie haben alle eine sehr professionell anmutende Machart.

Simon Jaquemet: Ja, das hat mich auch schon überrascht. Einige Produktionen haben ein sehr hohes Level, ein bisschen Hollywoodlevel.

SR.de: Vielen Dank für das Gespräch

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