Gabriella Bandel verabschiedet sich vom Filmfestival (Foto: imago/Becker&Bredel)

Ein Herz für Gabriella Bandel

Annabell Brockhues   24.01.2016 | 12:09 Uhr

Stehende Ovationen und Tränen zogen sich durch die Preisverleihung des 37. Max Ophüls Preises. Grund dafür waren aber nicht die emotionsgeladenen Preisträger, sondern die scheidende Festivalleiterin Gabriella Bandel. Nach 17 Jahren verlässt sie das Filmfestival.

Schon bei der Begrüßung am Samstagabend durch Moderator Lutz Winde wurde deutlich: An diesem Abend geht es nicht nur um die Nachwuchskünstler, sondern auch um „die Mutter des Festivals“, wie er Gabriella Bandel nennt. Noch bevor die Preisverleihung richtig losgehen konnte, gab es für Bandel stehende Ovationen. Unter Tränen kam sie auf die Bühne, ohne viel zu sagen: „Ich wollte doch erst am Schluss weinen. So hatten wir das besprochen.“

Begegnungen als Geschenk

Schießlich konnte sie sich aber doch zu einigen Worten durchringen: „Es kommt nicht auf die Preise an“, sagte sie an die Nachwuchskünstler gerichtet. In ihren Produktionen sei so viel Herzblut erkennbar. Das größte Geschenk der vergangenen 17 Festivaljahre sind für sie die Begegnungen, die Menschen, die sie durch ihre Arbeit kennen lernen durfte.

Bei der Stadt Saarbrücken bedankte sie sich für die Erfahrungen und dafür, dass „ich Spaß an der Arbeit haben durfte“. An die Sponsoren appellierte sie, das Festival auch weiter finanziell zu unterstützen, damit es gedeihen könne. Und vor allem: „Ein großer Dank geht an mein Team. Ihr seid das beste auf der ganzen Welt!“

"Eine Achterbahn der Gefühle"
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"Eine Achterbahn der Gefühle"
Ihr letztes Festival als Künstlerische Leiterin geht Gabriella Bandel sehr nah. Rückblickend freut sie sich vor allem darüber, dass sie in den vergangenen 17 Jahren so viele Talente kennenlernen durfte. Was sie macht, wenn das Festival vorüber ist? "Das wird bestimmt total schlimm. Daran möchte ich noch gar nicht denken", gesteht sie Simin und Holger.

Filmbranche traurig über Weggang

Auch während der Preisverleihung war der Weggang Gabriella Bandels immer wieder Thema. So bedankte sich Simon Ostermann, der für „Route B96“ den Publikumspreis Mittellanger Film erhielt, vor allem bei der scheidenden Festivalleiterin: „Liebe Gabriella, mach bitte irgendwo weiter, damit wir weiter so tolle Unterstützung bekommen.“ Ostermann hat erst zwei Filme gemacht, beide sind auf dem Festival Max Ophüls Preis gelaufen.

Am Ende des Abends wartete dann noch eine besondere Überraschung auf Bandel: Treue Festivalfans aus der Filmbranche hatten Kurzvideos mit ihren Wünschen vorbereitet. So schwärmt Festivalgründer Alfred Stuby beispielsweise von einer „sympathischen Festivalleiterin“, die dem Max Ophüls Preis ihren Stempel aufgedrückt hat. Dass sie weggehe, sei schade und unverständlich: „Saarbrücken wird dadurch nicht attraktiver.“ Ähnlich äußerten sich auch Schauspieler wie Lore Richter, Johann von Bülow der Max Riemelt: „Ich kenne niemanden, der so herzlich und passioniert bei der Sache ist. Deswegen ist das auch mein Lieblingsfestival.“

„Gabriella, du bist Max Ophüls!“

Gabriella Bandel ist das Festival, sie verleiht ihm Charakter – da scheint sich die Filmbranche einig. Oder wie Kida Ramadan es ausdrückte: „Gabriella, du bist Max Ophüls!“ Bandel zeigte sich erneut überwältigt von Emotionen: „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Wir müssen einfach feiern und trinken!“ Als ihr Team sie auf der Bühne mit einer eigenen Herz-Trophäe verabschiedet, konnte sie nicht mehr hervor bringen als: „Ich danke euch, ich liebe euch – ich weiß nicht, was ich sagen soll.“ Fest stehe nur, sie habe jetzt die Möglichkeit, mit jedem Einzelnen viel Zeit zu verbringen.

Ganz harmonisch ist der Abend nicht gewesen: Als Oberbürgermeisterin Charlotte Britz die Laudatio für den mit 36.000 Euro dotierten Max Ophüls Preis hielt, erntete sie aus dem Publikum vereinzelt Pfiffe und Buhrufe. Die wurden stärker, als Britz die herausragende Bedeutung des Festivals für die Stadt hervorhub. Das Publikum unterstrich damit die Kritik des ehemaligen Festivalleiters Boris Penth und Ehrenpreisträgers Hans W. Geißendörfer, der der Stadt vorgeworfen hatten, die Bedeutung des Festivals für den deutschsprachigen Raum noch nicht begriffen zu haben.

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